Bayern 2 - Zündfunk

The Rumble 2012 Stewart Vs. O'Reilly

Das TV-Duell anderer Art: "Daily Show"-Mann Jon Stewart diskutierte mit Fox-Moderator Bill O'Reilly über die Probleme der US-Politik. Das ganze Spektakel hieß "The Rumble 2012". Zündfunk-Reporter Matthias Kolb war mit dabei.

Stand: 14.10.2012

"Ich bin Sean Kumnick aus Connecticut und Mitglied bei den College Republicans. Ich bin ein großer Fan von Jon Stewart und Stephen Colbert: Beide sind tolle Comedians, auch wenn ich ihre politische Meinung nicht teile. Ich mag es, wie Bill O'Reilly die Tagespolitik in Amerika kommentiert. Nun freue ich mich darauf, beide live zu sehen und dabei viel Spaß zu haben."

Sean Kunick, Student

TV-Duell-Besucher Sean (re.)

Mit frisch gebügeltem Hemd und blauem Sakko steht der 19-jährige Sean in der Schlange vor der George Washington University. Er konnte für 25 Dollar ein Studententicket für „The Rumble 2012“ ergattern – die zwischen 75 und 100 Dollar teuren Karten für Normalbürger waren innerhalb weniger Stunden weg. Bill O'Reilly gegen Jon Stewart – das ist Fox News gegen Comedy Central, der Held der konservativen Wutbürger gegen das Idol der liberalen Großstädter. Romney-Fan Sean ist einer von vielen, die unter der Woche sowohl „The O'Reilly Factor“ als auch „The Daily Show“ mit ihren erfundenen Nachrichten gucken. Der 38-jährige Dave beschreibt das Besondere an der „Daily Show“ - eine weit verbreitete Meinung.

"Niemand ist besser als Jon Stewart darin, Politiker und ihre Aussagen an der Wahrheit zu messen. Die anderen Medien in Amerika, also NBC oder CBS, tun das kaum. Es ist ziemlich ironisch, dass es ausgerechnet eine Comedy-Show ist, die Politiker zur Rechenschaft zieht. Bill O'Reilly gibt auch vor, dass er nur der Wahrheit verpflichtet sei. Ich finde das nicht, aber er ist relativ fair und ich versuche immer, möglichst verschiedene Argumente zu hören."

Dave, Daily Show-Fan

Wem die Reise in die amerikanische Hauptstadt zu weit war, der konnte für 4 Dollar und 95 Cent per Internet-Livestream dabei sein.

Let's get ready to rumble

Riesige Staatsschulden, 23 Millionen Amerikaner ohne Job, die Bilanz der ersten Amtszeit von Barack Obama – O'Reilly und Stewart diskutierten über die gleichen Themen wie Romney und Obama. Bei „The Rumble“ durfte das Publikum jedoch applaudieren und staatsmännisches Auftreten war weniger gefragt. In seinem ersten Statement hielt Bill O'Reilly Papp-Schilder hoch und forderte, Obama solle aufhören, alles auf seinen Vorgänger George W. Bush zu schieben und selbst Verantwortung  übernehmen.

"Bush is gone. Adios, sayonara, aloha. It is boring. He is gone! It may have been Bush's fault for the first year, maybe two years but not for three and half."

Bill O'Reilly

Zu Beginn von „The O'Reilly Factor“ begrüßt der 63-Jährige die Zuschauer von Fox News stets mit: „You've entered the No-Spin-Zone“. Bei ihm gebe es nur die Fakten und nicht jene Verdrehung von Tatsachen, welche die US-Politik präge. Doch viele seiner Argumente sind typisch für die Republikaner. Niedrige Steuern und weniger Regeln für Firmen – mehr braucht es nicht, damit die Wirtschaft wieder boomt und neue Jobs entstehen. Jon Stewart, der O'Reilly regelmäßig in seine „Daily Show“ einlädt, sorgt sich aus einem anderen Grund um Amerika. Ein beachtlicher Teil der Gesellschaft habe sich in ein Paralleluniversum verabschiedet.

"Ich nenne diesen Ort Bullshit Mountain. Seine Bewohner glauben, dass unser Präsident ein Muslim aus Kenia ist und dass er das Verhältnis zwischen der Regierung und den Bürgern total verändert hat. Sie sind überzeugt, dass es nur an ihnen liegt, wenn sie Erfolg haben – und die Regierung schuld ist, wenn etwas nicht klappt. Ich bin heute hierher gekommen, um an den Bürgermeister von Bullshit Mountain zu appellieren: Rede mit deinen Leuten! Sofort!"

Jon Stewart

Welcome To Bullshit Mountain

Es ist der Kabelsender Fox News, der Politik als Entertainment inszeniert und seinen 20 Millionen Zuschauern, jenen Bewohnern des Bullshit Mountain, täglich vorgaukelt, es gebe auf komplexe Probleme wie den Nahostkonflikt simple Lösungen. Für den 49-jährigen Stewart steht fest, dass sich Amerikas Probleme erst dann lösen lassen, wenn sich die Bürger auf eine gemeinsame Realität einigen können. Denn so absurd es klingt: Für Tea-Party-Anhänger ist jeder ein Sozialist, der an den Sozialstaat glaubt.

O'Reilly: Income redistribution. Do you believe in it?

Stewart: Do you?

O'Reilly: No. I asked first. Oh, too complicated

Stewart: I believe in social security. Do you believe in social security?

O'Reilly: Yes. Absolutely.

Stewart: So we are both socialists.

O'Reilly: No, no.”

Natürlich konnte sich Jon Stewart einige Gags nicht verkneifen – weil ihn der Hüne O'Reilly stets wegen seiner geringen Körpergröße aufzieht, ließ er sich mit einer Hebebühne auf und ab fahren. Doch bei „The Rumble“ ging es vor allem darum, in welche Richtung sich die amerikanische Gesellschaft entwickeln soll. Und obwohl Stewart und O'Reilly sich nichts schenkten, war der gegenseitige Respekt stets zu spüren. Insofern war der Abend ein Appell an die Amerikaner, endlich wieder jenen zuzuhören, die politisch anders ticken. Am Ende beantworteten die TV-Stars Fragen aus dem Publikum. Und als ein Zuschauer wissen wollte, warum die Diskussionen in den USA so vergiftet seien, gab Bill O'Reilly eine bemerkenswerte Antwort.

"Es ist der Kapitalismus, der dem öffentlichen Diskurs in Amerika schadet. Du kannst eine Menge verdienen, wenn du Leute mit Worten hinrichtest. Egal ob Kabelfernsehen, Radio, Print, egal ob politische Rechte oder Linke – es gibt Leute, die dies wegen des Geldes machen, obwohl sie die Hälfte nicht mal selbst glauben. Und leider gibt es Amerikaner, die diesen Hass hören wollen. Das macht die Lage so verfahren. Aber es gibt Meinungsfreiheit, also müssen wir damit leben."

Bill O'Reilly


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