Bayern 2 - Zündfunk


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Friedrich Küppersbusch zur NRW-Wahl Selber Schuld, SPD!

Friedrich Küppersbusch gehört fast so lange und mindestens so fest zu Nordrhein-Westfalen wie die SPD. Der Polit-Satiriker analysiert für den Zündfunk das Düsseldorfer Debakel und findet: Selber Schuld, SPD!

Von: Bärbel Wossagk

Stand: 15.05.2017

Die NRW-Wahl in Kürze: FDP statt AfD, das ist die eigentliche Nachricht, die Grünen abgewatscht und die SPD? Verloren und verlassen in ihrer vielbeschworenen Herzkammer. Friedrich Küppersbusch kommentiert schon seit vielen Jahren das politische Zeitgeschehen. Mit seiner Sendung ZAK gewann er den Grimme-Preis. Und 2013 analysierte er mit seiner Polit-Satire "Tagesschaum" mit spitzer Zunge den Bundestags-Wahlkampf. Jetzt tut er es wieder für den Zündfunk. Zum SPD-Debakel in ihrer Herzkammer.

Zündfunk: Die SPD geht in ihrem Stammland in die Knie – und das nur vier Monate vor der Bundestagswahl. Wie konnte das passieren, Herr Küppersbusch?

Friedrich Küppersbusch: Ich bin ja Insasse hier in Nordrhein-Westfalen – ich bin gerade in Dortmund: zehn Prozent Verluste für die SPD hier und acht Prozent Gewinne für die AfD in Dortmund – und das in der Herzkammer der Sozialdemokratie, wie Herbert Wehner das mal genannt hat. Also, man muss das ganz klar sagen: die SPD hat den Wahlkampf abgeschenkt. Die anderen haben die Themen gemacht und die SPD hat sie liegen lassen.

Etwa die Positionierung: wir können Integration – und das schon seit 150 Jahren. Das Ruhrgebiet als Labor, für das, woran die ganze Bundesrepublik nun werkelt!

Oder: wir können Konversion, wir können Umbau. Hier in Dortmund gibt es keine Kohle mehr und kaum mehr Stahl und trotzdem ist es einer der begehrtesten Technologie- und Universitätsstandorte. Also all die Früchte sozialdemokratischer Politik der letzten 30 bis 50 Jahre hat die SPD vor lauter Kuschelwahlkampf mal auch nicht erwähnt. Man hätte sagen müssen: ja, es bricht uns das Herz, aber wir müssen so einen schmutzigen Satz sagen wie: wir sind stolz auf NRW, weil wir in ein paar Punkten etwas hingekriegt haben. Das hat die SPD weggeworfen.

Hätte das geholfen?

Mir ja! (lacht). Ich lebe doch hier. Es ist doch hier nicht einfach so, dass die toten Tauben vom Himmel fallen oder wir ab dem 20. Lebensjahr Steinkohle-Briketts kotzen! NRW ist ein sehr lebenswertes Land, das mit dem Ruhrgebiet eine Metropole hat, mit der höchstens noch Berlin mithalten kann. Und das dann verkauft zu bekommen, als ein Land, wo die CDU behauptet: „hm, ja, läuft aber nicht so gut“ oder von der SPD: „seid zufrieden, mehr gibt’s nicht“, das enttäuscht doch wirklich.

Heißt das, Hannelore Kraft hat den Wahlkampf falsch geführt. Trägt sie die Schuld – hat sie alleine verloren?

Nein, andere Parteien haben einiges richtig gemacht. Die FDP mit Lindner hat ja entschieden, dass das der Wahlkampf der Entscheidung ist, hat vorher das Saarland abgeschenkt. Die FDP war hier drei bis vier Wochen vor allen anderen mit Plakaten da, hatten Ganz-Plakatwände, die dann eigens nochmal solartechnisch beleuchtet waren. Ich bin ja enttäuscht von der NRW-Jugend, weil in dem Alter hätte ich so eine Super-Solar-Lampe natürlich nachts geklaut. Die FDP war überpräsent und hat eine gute Geschichte erzählt. Die Geschichte von dem jungen Start-Up mit der schnittigen Frisur, der den abgerockten Laden der Eltern und Großeltern geerbt hat und da nun wieder richtig Schwung reinbringt.

Und Armin Laschet ist ein Landessohn, einer der eher der christlichen Gewerkschaftsbewegung nahesteht, als dass er jetzt zu viele Kompromisse Richtung AfD und Rechtsradikalismus machen müsste – sprich: die CDU unter Laschet ist die bessere, unverbrauchte SPD.

Laschet war ja immer auch ein Merkel-Zögling. Was macht Mutti Merkel besser als Mami Hannelore Kraft? Und was bedeutet das für den Bundetagswahlkampf?

Die Nominierung von Schulz war schon ein Wirkungstreffer. Danach hat Merkel gesagt: Gerechtigkeit ja, aber bitte mit Innovation, darin einen Slogan von Gerhard Schröder plagiierend oder neu erfrischend. Tatsächlich hat Schulz danach nicht nachgeliefert. Während Merkel eine Wahl nach der anderen gewinnt, hat die SPD von den drei Säulen des Machterwerbs nur eine zu bieten: Man braucht einen überzeugenden Kandidaten, immerhin fanden viele Schulz überzeugend. Die Menschen warten ja nicht unbedingt auf die  Alternative für Deutschland, sondern auf eine Alternative für Deutschland, also mal irgendwas anderes als Merkel. Und bis jetzt hatte die SPD immer das Problem, ihr könnt uns wählen oder Merkel – am Ende bekommt ihr auf jeden Fall beides. Also, das Gro-Ko-dil könnte nun auch in Düsseldorf sein schauriges Haupt erheben.

Verlierer unter sich

Merkel hat einen Personalvorschlag, das ist sie selber, die kann das, die war schon immer da, „Sie kennen mich, vertrauen Sie mir!“ Sie kann mit der SPD, sie kann mit der FDP, sie kann unter Umständen sogar mit den Grünen. Und sie hat ein Programm, das aus einem bunten Kessel „immer weiter so“ besteht.

Die SPD hat kein Programm und seit der Saar-Wahl, wo sie Rot-Rot-Grün wie ein heißes Eisen hat fallen lassen, auch keinen Machtvorschlag mehr. Da stehts dann mal 3:1 für die CDU.

Wir wollen auf gar keinen Fall noch mal das Wort Schulz-Zug erwähnen! Steht der jetzt?

(lacht) Sackbahnhof Düsseldorf! Ein paar Monate hat die SPD ja noch. Gefühlt ab morgen früh Programme. Also, Schulz, winde die SPD aus Hartz raus, versuche, den Ruhm der ewigen Konjunkturaufschwünge durch Hartz zu behalten und alle Nachteile von Hartz gleichzeitig so darzustellen, als wäre Merkel daran schuld.

Das klingt nach einem Plan.

Fällt mir gerade auch auf, geiles Programm! Hoffentlich hören uns die in Berlin nicht. Oder zahlen Lizenzen.


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