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Iftarlender Ein Adventskalender für den Ramadan

Am 27. Mai fängt für Muslime der Fastenmonat Ramadan an. Nadia Dukali hat eine Art Adventskalender dafür erfunden, den Iftarlender. Jeden Abend darf man zum Fastenbrechen eine Dattel essen. Er soll aber vor allem der Verständigung von Christen und Muslimen dienen.

Von: Helene Reiner

Stand: 24.05.2017

Hier prallen Klischees aufeinander: Eine traditionsbewusste Kittelschürzen-Oma und eine Ghettobraut aus Neukölln – beide gespielt von der Kabarettistin Idil Baydar. Beworben wird in diesem satirischen Werbespot: der Iftarlender .Die entrüstete Oma, will den Kalender der AfD melden, die Ghettobraut ihn ihren 500 Verwandten schenken.

Mit diesem Kalender hat die Schriftstellerin Nadia Doukali einen Nerv getroffen - und eine Marktlücke entdeckt: „Als ich das Wort erfunden habe, ist ja n Kofferwort, haben alle gelacht, haben gesagt, was ist das für ein komisches Wort, das versteht doch keiner, ja, und heute ist es das Wort für den Kalender.“

Miteinander-Reden statt übereinander

Kabarettistin Idil Baydar spielt die Ghettobraut Jilet Ayse: "Hä, Ramadan-Kalender? Ich schwöre, voll geil!"

„Iftar“ ist das arabische Wort für „Fastenbrechen“. Es bezeichnet die Mahlzeit, die Muslime am Ende eines Fastentages zu sich nehmen. Der Iftarlender ist eigentlich wie ein Adventskalender, der Muslime durch den Ramadan begleiten soll. Hinter jedem der 30 Törchen verbirgt sich eine in Schokolade getauchte Dattel – weil auch der Iftar mit Datteln beginnt.

Online und in Supermärkten ist der „muslimische Adventskalender“ bereits ausverkauft. Nadia Doukali geht es aber nicht primär um einen Geschäftsidee, sondern um das Thema Verständigung: „Würde ich dir nicht sagen, dass ich Muslima bin, würdest du das gar nicht merken. Es wird dann interessant, wenn man merkt, wow, die hält sich wirklich an ihre religiösen Regeln. Warum ist das so? Und dann geht man ins Gespräch und spricht über Spiritualität und Glauben und Liebe. Das ist das, was uns fehlt: Wir reden immer mehr übereinander, aber immer weniger miteinander.“

Es gab mal eine Zeit, da war kein Hass

Iftarlender | Bild: Nadja Doukali

Nadia Doukali und der Iftarlender

Das Miteinander-Reden hat Nadia Doukali früh gelernt. Sie ist in Marrakesch geboren, zog mit vier Jahren nach Frankfurt und ging auf Wunsch ihrer Eltern in einen katholischen Kindergarten: „Ich bin ein 71er-Kind und hab noch eine Zeit erlebt, in der es eine Selbstverständlichkeit war, Menschen aufzunehmen. Es war keine Angst da, kein Hass. Ich meine, ich war im Kirchenchor! Ich bin da einfach mitreingelaufen. Die Kids sind dann zum Weihwasser und ich bin halt vorbeigelaufen. Und das geht!“

"Ich wünschte, viel mehr Nicht-Muslime würden sich trauen und auch mal ihre Kinder in eine Moschee mitbringen. Die werden da nicht beschnitten und kriegen auch keine Burka übergezogen. Wir können doch etwas über uns erzählen!"

Nadia Doukali

Die Idee, mit dem Iftarlender ein Stück christliche und muslimische Kultur zusammenzubringen, hat Nadia auch Kritik eingebracht: Das sie das als Spiel oder Geschäft sehen würde. Vor allem aber hat sie positive Reaktionen bekommen: „Ich war beim Hussel unten und habe Kalender hingebracht. Und da war eine ältere Dame, die sich ganz gezielt so einen Iftarlender geschnappt hat. Die hat zu mir gesagt: ‚Das ist für meinen muslimischen Nachbarn!‘ Ist das nicht toll? Allein für diese Frau habe ich das gemacht - und für den Moslem, der das geschenkt bekommen hat.“


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