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Satire-Streit in Regensburg Eine Facebook-Seite sorgt für Aufruhr

Ekelhaft? Seit 2012 nimmt eine Facebook-Seite das Regensburger Wochenblatt und seinen Chefredakteur Christian Eckl aufs Korn: "Gans schön ecklhaft" mockiert sich über falsche Berichterstattung und vollmundige Überschriften. Eckl wehrt sich mit einer Anzeige.

Von: Lena Held

Stand: 29.04.2016

Gans schön ecklhaft - Screenshot | Bild: Gans schön ecklhaft

"Eckl und der Verfassungsschutzbericht. Jedes Jahr ein besonderes Vergnügen... nicht. Dabei ist nicht nur stets seine unkritische und devote Haltung dem Bericht gegenüber auffällig, sondern insbesondere auch die sensationslüsterne Fehlinterpretation dortiger Darlegungen in Bezug auf Regensburg."

Zitat Facebook-Seite 'Gans schön ecklhaft'

Mal spöttisch, mal satirisch, mal sachlich: Die Facebook-Seite „Gans schön ecklhaft“ wettert regelmäßig gegen das Regensburger „Wochenblatt“ und dessen Chefredakteur Christian Eckl. Die Betreiber der Seite sind anonym. Auf Anfrage des Zündfunks trifft sich einer aber bereitwillig zum Interview und erzählt, wie 2012 alles ganz klein anfangen hat:

"Es war einfach auffällig, wie oft im Wochenblatt zum Beispiel so stilistische Fehler waren oder Rechtschreibfehler – es war erstmal eher so gedacht als so eine Sammlung, quasi eine Sammlung der Verfehlungen vom Wochenblatt. Und dann ist das nach und nach etwas größer geworden. Und dann haben wir uns gedacht, dass es sinnvoll wäre, sich auch wirklich mit Beiträgen auseinanderzusetzen und zwar auf kritische und satirische Weise."

Betreiber von 'Gans schön ecklhaft'

Anlass dafür lieferte etwa die Berichterstattung über den ehemaligen Regensburger NSDAP-Bürgermeister und späteren CSU-Oberbürgermeister Hans Hermann. Ende 2014 schrieb das Regensburger Wochenblatt:

"Herrmanns Rolle vor, während und nach dem Dritten Reich indes ist umstritten. So war Herrmann Reichstagsabgeordneter der BVP, stimmte gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis. Dafür kam er nach Dachau."

Regensburger Wochenblatt 2014

Doch beides ist falsch: Als Mitglied der BVP stimmte Herrmann im März 1933 für das Gesetz. Er befand sich zwar kurzzeitig in polizeilicher Schutzhaft, aber im Konzentrationslager Dachau inhaftiert war er nie. Obwohl „Gans schön ecklhaft“ den Fehler Ende 2014 aufdeckte, steht der Artikel bis heute unverändert auf der Internetseite des Wochenblatts.

Wochenblatt-Chefredakteur stellt Strafanzeige

"Es ist uns wichtig, dass es wirklich immer an der Sache orientiert ist. Es geht nicht darum, dass man ihn privat diskreditiert, sondern es geht um das, was er publiziert und wie er sich auch selbst in der Öffentlichkeit darstellt. Nicht der Mensch Christian Eckl."

Betreiber von „Gans schön ecklhaft“

Doch der fühlt sich angegriffen und hat die Betreiber Mitte 2015 angezeigt – wegen Beleidigung und der Verletzung von Urheberrechten. Öffentlich gemacht hat das diese Woche der Journalist Stefan Aigner. Dieser hat früher selbst als Volontär für das Regensburger Wochenblatt geschrieben, heute ist er Herausgeber der Online Zeitung „Regensburg-Digital“. Dort hat er vor drei Tagen einen Artikel über „Gans schön ecklhaft“ veröffentlicht.

"Die Seite ist halt manchmal ein bisschen bissig. Also, dass man das Gesicht vom Christian Eckl hernimmt und daraus Meme bastelt ist vielleicht grenzwertig. Aber ganz grundsätzlich finde ich die Seite schon in Ordnung. Deshalb eine Strafanzeige zu stellen, ist einfach lächerlich. Ich finde, als Journalist teilt man ja auch hier und da aus und dann muss damit leben, wenn man selber kritisiert wird. Es gibt auch eine Seite über mich, wo ein Foto von mir drauf ist, ‚neokommunistischer Provinzreporter‘ ist  da einmal gestanden. Mei."

Stefan Aigner, Regensburg-Digital

Eckl empört sich darüber, dass die Seite ihn mit einem GIF als „Ecklogan“ karikiert – im Zusammenhang mit seiner Haltung zur Böhmermann-Affäre. Oder dass er als „Sittenstrolch“ bezeichnet wird, in einem Text, der sich auf reißerische Schlagzeilen des Wochenblatts bezieht. Schlagzeilen wie „Perverse Schniedel-Show in der Suite 15?“ oder „Igitt! Ekel-Asiate?“ Da schrieb „Gans schön ecklhaft“:

"Wie Dr. Sittenstrolch Eckl zum wiederholten Male aus einem sexuellen Übergriff eine Lachnummer macht. Ecklhaft!"

Zitat Facebook-Seite 'Gans schön ecklhaft'

Die Anzeige verhilft "Gans schön ecklhaft" zu Aufmerksamkeit

Trotz Bezeichnungen wie dieser, kann Journalist Stefan Aigner die Strafanzeige nicht nachvollziehen. Schließlich verhelfe Eckl der Facebook-Seite zu mehr Aufmerksamkeit. In den letzten Tagen hat die sie einigen Zulauf bekommen und mittlerweile über 600 Likes. Da die Regensburger Medienlandschaft nicht allzu groß ist, ist auch Journalist Stefan Aigner selbst schon in Verdacht geraten, hinter „Gans schön ecklhaft“ zu stecken. Darum fordert er die Betreiber auf, das Katz-und-Mausspiel zu beenden und sich offen zur Seite zu bekennen.

"Ich würde mich an deren Stelle outen und dann würde ich es drauf ankommen lassen, weil ich gespannt wäre, ob eine Staatsanwaltschaft so etwas wirklich anklagt. Ich halte es für haltlos."

Stefan Aigner, Regensburg-Digital

Doch die Betreiber denken gar nicht daran, ihre Anonymität aufzugeben. Sie wollen, dass Eckl ihre Identität lüftet und damit sein journalistisches Können unter Beweis stellt.

"Ich sehe das mehr als Running Gag: Das ist ja entstanden, weil er sich damals so mit Anonymous gebrüstet hat: Er kenne da irgendwie Mitglieder von Anonymous. Und das haben wir so ein bisschen aufgegriffen. Komischerweise hat er es bis heute nicht geschafft, herauszufinden, wer dahintersteckt - und das sagt, glaube ich, auch einiges über seine Recherchequalitäten aus."

Betreiber von 'Gans schön ecklhaft'

Christian Eckl selbst möchte sich zur Strafanzeige nicht äußern. Die Regensburger Staatsanwaltschaft teilte auf Anfrage des Zündfunks mit, dass es noch knappe vier Wochen dauern werde, bis die Ermittlungen im Fall „Gans schön ecklhaft“ abgeschlossen seien. Vermutlich werde es aber schon deswegen keine Anklage geben, weil die Betreiber nicht ausfindig zu machen seien.


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