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Eklat auf der Frankfurter Buchmesse Ein Schlag gegen den Dialog zwischen Linken und Rechten

Achim Bergmann, Leiter des Musikverlags Trikont, bekommt einen Faustschlag ins Gesicht. Es passiert am Rande einer Veranstaltung vom Verlag "Junge Freiheit" auf der Frankfurter Buchmesse. Wie gehen wir nun mit der neuen Rechten um?

Von: Niklas Schenk

Stand: 18.10.2017

Er wollte eigentlich nur kurz vorbeischauen bei den Kollegen eines österreichischen Verlages, sagt Achim Bergmann. Er leitet den Münchner Musikverlag Trikont. Doch dann hörte der 74-jährige vergangenen Freitag auf der Frankfurter Buchmesse bei einer Veranstaltung des Verlags "Junge Freiheit" Meinungen über die 68er-Generation, die er so nicht stehen lassen wollte: "Er soll das Maul halten", rief er dem Redner zu. Dann ging es ganz schnell: Jemand kam ruhigen Schrittes auf Bergmann zu und verpasste ihm einen platzierten Faustschlag ans Kinn. Bergmann sank zu Boden, musste später genäht werden. Den Angreifer hat er wegen Körperverletzung angezeigt.

Man kann darüber streiten, ob es klug war, was Bergmann da sagte und wie er es tat. Fest steht aber auch: Einem 74-jährigen Verleger ins Gesicht zu schlagen, ist keine Lösung. Liest man sich die knapp 1.000 Kommentare unter dem Facebook-Post durch, den Bergmanns Kollegin Eva Mair-Holmes nach dem Vorfall postete, finden aber sehr viele Kommentatoren, dass Bergmann mit dieser Reaktion rechnen musste und diese auch verdient hat. "Wer jemand verbal attackiert, muss auch mal damit rechnen, ne dicke Lippe zu kassieren", schreibt beispielsweise Klaus Jansen und trifft damit den Tenor vieler Kommentare.

Dieses "neue rechte Selbstbewusstsein, diese Arroganz und diese Gewissheit, dass so was wieder möglich ist", mache sie fassungslos, schrieb Eva Mair-Holmes. Sie macht den Messe-Veranstaltern schwere Vorwürfe: "Ich habe ihnen gesagt, dass sie komplett wahnsinnig sind. Sie stellen in eine Halle, wo für alle bekannt, die linken Verlage sind, drei rechte Verlage dazwischen. Um sich auszutauschen und ins Gespräch zu kommen. Aber da kann man nicht sprechen."

Am Tag nach dem Vorfall um Achim Bergmann kam es zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen Links und Rechts. Dieses Mal zwar gewaltlos, doch bei Veranstaltungen des Antaios-Verlages wurde derart laut gebrüllt und gepfiffen, dass diese nicht stattfinden konnten. So wird man die Auseinandersetzung mit den Rechten nicht führen können", sagt die Juristin und Publizistin Liane Bednarz. "Das Gedankengut ist da und man wird es durch Geschrei nicht wegbekommen". Stattdessen fordert sie, die Mythen der neuen Rechten argumentativ und mit Fakten zu entkräften, zum Beispiel die These vom großen Bevölkerungsaustausch. Auch Tom Kraushaar, Verleger des Buches "Mit Rechten reden" kritisiert das linke Lager: "Sie haben sich nicht strategisch klug verhalten. Ich kann den Affekt gut verstehen, jedoch ist solch ein polemischer, aggressiver unterkomplexer Umgang miteinander kontraproduktiv", meint er.

Jan Drees, Autor und Literaturkritiker beim Deutschlandfunk bemängelt vor allem die zahlreichen Diskursschranken. Diese führten dazu, dass sich Menschen ausgeschlossen und nicht in das öffentliche Gespräch einbezogen fühlen.

Und so bringen die Vorfälle auf der Buchmesse neue Brisanz in die Frage, wie beide Lager miteinander umgehen sollen. Die Messeveranstalter selbst kommen zu dem Fazit, dass die Messe "so politisch wie nie" gewesen sei und die Gräben, die sich durch die Bevölkerung ziehen abgebildet habe. Dass die Buchmesse selbst für die Konfrontation verantwortlich sein soll, wie ihr von manchen vorgeworfen wurde, weist die Messe aber von sich. Die Ereignisse um Achim Bergmann bedauere man sehr und verurteile jede Form der Gewalt. "Wir ziehen daraus unsere Konsequenzen und es ist wichtig, dass es nächstes Jahr dazu nicht mehr kommen wird", sagt Lars Birken-Bertsch vom Team der Frankfurter Buchmesse. Welche Konsequenzen dies allerdings sein sollen, dazu wollten die Veranstalter noch nichts sagen.


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