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Ex-Salafist Dominic Schmitz „Es geht gar nicht mehr um Gott.“

Dominic Schmitz war ein normaler Junge – bis er Salafist wurde. Das war 2005. Dominic war damals gerade 17 Jahre alt. Hat gekifft, gerappt, mit Mädchen angebandelt. Dann ist er konvertiert, nannte sich Musa und war Muslim. Genauer – er war Salafist.

Von: Sammy Khamis

Stand: 11.02.2016

Ex-Salafist Dominic Schmitz | Bild: Hans Scherhaufer

"Als ich konvertiert bin hat sich mein Leben wirklich schlagartig um 180 Grad gewendet. Ich habe versucht, so gut wie möglich nach den neuen Regeln zu leben. Aber größtenteils war ich schon so straight, dass ich Frauen die Hand nicht gegeben habe, monatelang kein einziges Lied gehört habe. Ganz viel gebetet habe, weit mehr, als die fünf Pflichtgebete habe ich gebetet. Mein Leben hat sich schon nur noch um den Islam gedreht."

- Dominic Schmitz

So beschreibt Ex-Salafist seine Zeit nach der Konvertierung. Heute trägt Dominic eine Fußballer-Frisur, enge Hosen und einen Drei-Tage-Bart. Damals, 2005, war das alles noch anders. Dominic war gerade ein Jahr Muslim, nannte sich Musa, trug die Galabiyya, einen Bart, der nicht so recht wachsen wollte und die Gebetsmütze. Dann kam Pierre Vogel zu ihm in die Moschee, deutschlandweit bekannt als radikaler Salafist. Und die Salafisten gingen nicht weg. Im Gegenteil, sie waren die einzigen in Domincs Leben, die blieben. Seinen Vater hatte Dominic zu dem Zeitpunkt 10 Jahre nicht mehr gesehen. Mit seiner Mutter lebte er eher wie in einer WG – Sein Geld kommt vom Amt, aber seine neuen Freunde nennen ihn „Bruder“. Ziemlich bald heiratet er sogar, mit 19 Jahren - muslimisch. Das heißt: Dominic traf am Freitag eine Frau in der Moschee. Der Imam war mit dabei. Am Dienstag sieht er die Frau zum zweiten Mal. Wieder ist der Imam dabei. Am Freitag - eine Woche später – sind sie schon verheiratet.

Dominic genießt die Zeit, die „Nähe zu Gott“ und die strikten Regeln des Salafismus, Der erklärt ihm, wie er essen, schlafen und aufs Klo gehen soll. Doch ab 2010 ändert sich die Marschrichtung der Szene. Salafistische Gruppen wie „Tauhid“ oder „Millatu Ibrahim“ halten 2012 die ersten Straßendemos in Bonn und Solingen ab - gewaltvoll.

"Ab 2010/11, als ich mich von dem tiefen Kern der Gemeinde zwar abgekapselt habe, aber immer mal wieder jemandem begegnet bin, wurde dann plötzlich über Sharia und Demokratie und „Wir müssen die Demokratie hassen“ gesprochen. Das habe ich 2005 nie gehört. Es wurde bei uns in der Moschee nie über Demokratie und Sharia gesprochen, sondern es ging anfangs immer um Gott. Und irgendwann habe ich gemerkt: Es geht gar nicht mehr um Gott. Und die Marschrichtung hat sich total verändert. Das führte dann dazu, dass mein ehemals bester Freund heute in Syrien ist und für den IS kämpft. Er ist dort sogar Kommandant. Und es gibt einige andere Leute aus Mönchengladbach, die da waren, die jetzt entweder vor Gericht stehen hier, oder sogar schon tot sind."

- Dominic Schmitz

Es geht der Gruppe nicht mehr um Gott – wohl der Hauptgrund, weshalb Dominic nichts mehr mit seinen alten Brüdern zu tun haben will. Und er trennt sich auch von seiner Frau. Die Ehe bezeichnet er als Fehler – aber was hätte er machen sollen? Sex außerhalb der Ehe ist haram. Aber für genau so haram, also verboten, hält Dominic, was alte Freunde in Syrien anrichten. Denn Dominic war immer Pazifist.

Heute tritt Dominic „Musa“ Schmitz in Talkshows auf, erzählt von seiner Zeit mit Pierre Vogel und Sven Lau. Dass Dominic zu den Salafisten kam ist kein Zufall – sie waren da, als ein Teenager Halt gesucht hat, der sich ansonsten ziemlich verloren gefühlt hat.

Doch auch heute sind die Salafisten immer noch ein Teil seines Alltags, denn sie bedrohen den Abtrünnigen. Weil er auspackt, weil er in Schulen geht, mit den Jugendlichen diskutiert und versucht, junge Leute wenn nötig zu deradikalisieren. In den Augen seiner früheren „Brüder“ ist Dominic  ein Verräter. Sie sehen ihn als Heuchler:

"Es gibt einige, die mich vielleicht noch grüßen oder so, aber in der Regel bin ich für die der Abtrünnige, der doppelte Heuchler. Nicht nur der Heuchler, der weggegangen ist, sondern der Heuchler, der jetzt noch gegen seine alte Ideologie, gegen seine alten Freunde spricht. In einem „Islamischen Staat“ nach ihrem Maßstab, nach salafistischem Maßstab würde ich hingerichtet werden."

- Dominic Schmitz


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