Bayern 2 - Zündfunk


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The Voice Of Trump „Ich bin länger Trump-Imitator, als der Präsident mit einer seiner Frauen verheiratet war“

John di Domenico fing im US-Radio an und ist mittlerweile der dienstälteste Imitator von Donald Trump. Wenn jemand weiß, wie sich der US-Präsident in den letzten Jahren verändert hat, dann Mr. di Domenico. Ein Gespräch über Wortschatz, Tonfall und das Leben mit Trump.

Von: Sammy Khamis

Stand: 04.04.2017

John di Domenico ist Schauspieler, Comedian und die wahre, beste, einzige Stimme von Donald J. Trump – seit 13 Jahren imitiert Di Dimenico den jetzigen Präsidenten. Angefangen hat alles Mitte der Nuller Jahre. Damals hat Di Domenico Radiowerbung für Gebrauchtwagenhändler im Mittleren Westen gesprochen. Schon damals mit der Trump-Stimme. Heute tingelt er von Talk-Show zu Talk-Show. Mit dem Ziel Republikaner und Demokraten gleichermaßen zu entertainen. Ein Ritt auf der Rasierklinge.

Zündfunk: John, ich würde gerne mit dem Präsidenten sprechen, können Sie ihn ans Telefon holen? Ich wollte wissen, ob die ganzen Trump Imitatoren die erste präsidiale Direktive sind, um die Wirtschaft anzukurbeln.

John di Domenico: Es gibt viele Trump-Imitatoren und das hilft unserer Wirtschaft ungemein. Herausragend, einfach herausragend. Und wie sich rote Krawatten zur Zeit verkaufen? Unglaublich. Auch blaue Anzüge und weiße Hemden. Dazu noch unsere Caps mit „Make America Great Again“. It’s insane.

Sorry, ich muss mich zusammenreißen. Ich lache auch immer laut, wenn ich Ihre Stimme im Trumpcast höre. [Di Domenico liest die Tweets des Präsidenten in diesem Podcast von Slate]. Immer wenn ich den Podcast in der Bahn höre und dabei lache, bekomme ich komische Blicke meinen Sitznachbarn. Aber gut, Mr. President, haben Sie einen Lieblings-Doppelgänger?

John di Domenico ist mein liebster Donald Trump Imitator. Großartiger Kerl. Und nett. Alec Baldwin? Ein echter Fiesling. Deswegen setze ich Saturday Night kommende Woche einfach ab.

Freuen Sie sich, wenn sich Leute über Sie lustig machen? Immerhin unterschätzen sie Sie dann als Politiker.

Ich bin doch ein netter Kerl. Ich mache meine Aufgabe großartig, ich bin der größte Präsident in der Geschichte der Präsidenten. Jeder liebt mich. Und trotzdem sagen diese Leute, dass meine Zustimmungsraten mi-se-ra-bel sind. Das sind dieselben, die prophezeit haben, dass ich niemals die Wahl gewinnen KANN.

Ok, danke Mr. President, Sie können den Hörer wieder an John weiterreichen. John, Sie haben Ozzy Osborne, Albert Einstein und Sean Connery in ihrem Repertoire als Imitator, wieso Donald Trump?

John Di Domenico in der Maske

Das erste Mal habe ich Donald Trump 2004 imitiert. Aber ich war schon Jahre vorher von ihm fasziniert. Ich bin in Philadelphia geboren und das ist nicht so wahnsinnig weit von New York entfernt. In den 80ern wollte ich alles über New York wissen, ich wollte dort Schauspieler werden, groß rauskommen, und eine Person, die in diesem New York-Kontext immer wieder eine Rolle spielte, war: Donald Trump.

2004 sollte ich für eine Radiostation die Stimme von Donald Trump nachsprechen. Den Job habe ich angenommen. Und so kam das eine zum anderen und ich habe immer mehr Jobs als Donald Trump angenommen. Erst nur die Stimme, dann auch vor der Kamera mit Anzug, Perücke und orangenem Make-Up. Ich habe das über zehn Jahre gemacht und dann auf einmal, im Mai 2015, gibt Trump bekannt, dass er Präsident werden will. Seit dem ist alles anders.

Sie spielen Donald Trump jetzt seit 13 Jahren, das ist länger, als er jemals mit einer seiner Frauen verheiratet war. Wie hat sich Trump denn in den letzten 13 Jahren verändert, seitdem Sie sich mit ihm auseinandersetzen?

Es gibt frühe Interviews, die Donald Trump beispielsweise Oprah Winfrey oder anderen Talk-Show-Größen gegeben hat. Damals war er ein anderer Mensch. Er trat ganz sanft auf, seine Stimme war sehr weich, fast zurückhaltend. Und heute hört man einen 70-Jährigen, der viel agiler und aggressiver ist, als damals. Das fasziniert mich.

Wieso hat er sich so verändert?

Hier ist meine Theorie: Als er im Wahlkampf war, und Sachen gesagt hat wie: we’re gonna build a wall! Danach hat er die Reaktion des Publikums gesehen und noch einen drauf gesetzt: and the wall just got ten feet higher. Die Leute sind ausgeflippt. Sie haben ihn animiert, genau so weiterzumachen. Trump hat das aufgepumpt. Rein körperlich ist er sowieso schon ein Riese und der Wahlkampf hat auf seinen Charakter abgefärbt. Bis zur Wahl hat er das perfektioniert. Bis heute macht er diese Auftritte, obwohl er schon Präsident ist. Trump braucht diese Energie des Publikums.

Mussten Sie eigentlich ihren Wortschatz erweitern, als Sie sich entschieden Donald Trump zu spielen?

Mittlerweile ertappe ich mich selbst dabei, wie ich als John di Domenico seine Worte verwende. Wenn ich mich mit Freunden treffe und davon erzähle, dass ich in New York war, dann hänge ich immer ein "Believe me" dran. Und das ist Trump-Talk, eins zu eins Trump Talk. Huge, tremendous, terrific. Ich erschrecke dann vor mir selbst!

Trumps Wortschatz ist sehr beschränkt. Er hat ein paar positive Wörter wie terrific, also herausragend oder unglaublich, phantastisch. Wenn er etwas Negatives ausdrücken will, dann kommen: loser, lightweight, dummy, moron. Vor einigen Jahren hätte ich solche Wörter nicht im Traum verwendet, heute erwische ich mich selbst dabei, dass sie mir im Alltag rausrutschen. Und es geht nicht nur mir so, sondern vielen Amerikanern. Sprachlich hat Donald Trump Amerika jetzt schon beeinflusst.

Wie trennen Sie denn das Schauspielern von Ihnen als Person?

Auch wenn Donald Trump jetzt Präsident ist, sehe ich zu aller erst einen Charakter in ihm. Ein Großteil seiner Entscheidungen wird mich auch nicht betreffen, ich bin ein weißer Amerikaner, über 50 Jahre alt. Das heißt zwar nicht, dass ich mich nicht um Minderheiten oder auch meine Kinder sorge, aber ich habe mich ganz bewusst von der politischen Sphäre gelöst.

Das ganze Land ist gespalten. Deswegen ist es mein Anliegen als Performer und Schauspieler einen Trump zu spielen, der Linke und Konservative zugleich unterhalten kann. Ich will dieses Land nicht noch weiter spalten. Mir ist klar, dass ich politisch niemanden umstimmen kann. Mein Job ist heikel, ach was heißt heikel, es ist ein Ritt auf der Rasierklinge.

Das komplette Interview gibt's mit einem Klick auf das Bild oben komplett zu hören!


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