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Fat Empowerment Dick und stolz drauf

Die "Brigitte" hat sich vom Versuch, Otto-Normal-Frauen als Models einzusetzen längst wieder verabschiedet - Leserinnen hätten sich von den schönen Amateur-Models unter Druck gesetzt gefühlt. Alles Schmarrn, würden jetzt "fat acitivists" sagen: die sind dick und wollen das bleiben. Und vor allem wollen sie weg vom Körperwahn.

Von: Birgit Frank Stand: 24.07.2013
Foto vom internationalen Anti-Diäten-Tag | Bild: picture-alliance/dpa

"Also ich gehe ins Fitnessstudio, weil ich an den Geräten weiß, was mich erwartet. Aber bei den meisten Fitnessstudios gehört es zum Marketingkonzept, dass die meisten Leute sich falsch fühlen, die dort hinkommen. Sie zahlen viel Geld im Monat, um bessere Menschen zu werden. Also known as: Nicht mehr dick zu sein – Einfach schön sein – Genau! – Einfach schlank sein – Genau!"

Magda im Fettcast Video

Magda und Ragni sind dick. Das sagen sie selbst, und zwar mit "fat pride" – wie sie das nennen. In ihrem Fettcast im Netz unterhalten sie sich übers Dicksein. Ihnen geht es um mehr als darum, dass sie als dicke Kinder in der Schule verarscht wurden. Magda sagt: Ihr Fett ist politisch. Auf Nachfrage am Telefon erzählt sie, dass für sie hinter dem Bild vom guten Körper eine sexistische und kapitalistische Logik steckt:

"Kapitalistisch ist sie zum einen, weil da eine riesige, milliardenschwere Diätindustrie dahintersteht, die auch ein Interesse daran hat, dass Menschen permanent damit beschäftigt sind, sich über Diätprodukte zu informieren, Diätprodukte zu kaufen. Und um am besten im Kapitalismus funktionieren zu können – so zumindest ist die Vorstellung – braucht man einen schlanken, sportlichen Körper, der ganz viel leisten kann."

Magda

Der Kampf gegen den Schlankheitswahn ist alles andere als neu. Schon in den 1960er Jahren gab es Aktionen von "fat activists" in den USA. Zum Beispiel ein "fat in" im Central Park, mit Schildern, auf denen stand "Diäten sind scheiße!".

Das Wort "fett" soll aus der Schmuddelecke

Körpermasse als Comic.

Inzwischen gibt es wieder mehr Fat Activists. Vor allem, weil sie im Netz andere Gleichgesinnte finden und sich zusammenschließen: zum "fat empowerment", wie die Bewegung aus den USA heißt. Parallel zu den Modelshows und Gesundheitsratgebern haben sich Fat-Zeitschriften und "Fette Gruppen" gegründet. Leute bloggen überall auf der Welt übers Dicksein, schneidern sich in Gruppen Kleider und organisieren Treffen. Sie wollen "dick" und "fett" aus der Schmuddelecke kriegen - ähnlich wie das Aktivisten beim Wort "queer" geschafft haben, das früher ja auch mal ein Schimpfwort war.

Kommentare wie

"Der Dicken würde Treppen steigen auch nicht schaden!"

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aus einem Online-Forum bekommt die Amerikanerin Cat Pausé ständig ab. Auch sie spricht lieber vom Fettsein als von Übergewicht: Denn das würde ja bedeuten, dass es ein normales Gewicht gibt – und daran glaubt sie nicht. Cat Pausé forscht als eine der ersten Wissenschaftlerinnen im Bereich fat studies – zum Beispiel zur Frage, warum Fett für uns so negativ ist.

"Ich glaube, ein wichtiger Grund ist, dass wir glauben, aus den Körpern anderer Leute etwas herauszulesen:  Ein dünner Körper bedeutet für uns, dass dieser Mensch aktiv ist, diszipliniert, unter Kontrolle. Ein dünner Mensch wird also mit guten Eigenschaften verbunden. Bei einem dicken Körper ist es andersrum: Dicke gelten als undiszipliniert, unkontrolliert, die sich gehen lassen – also als eher schlechte Menschen."

Cat Pausé

Wissenschaftlerin und Bloggerin Cat Pause | Bild: Cat Pause
Bloggerin und Wissenschaftlerin Cat Pausé.

Rassismus geht gar nicht. Wer Homosexuelle diskriminiert, ist von vorgestern. Aber wenn wir über Dicke kichern, die bei Mc Donalds Burger essen, müssen wir kein schlechtes Gewissen haben. Aufs Dickenbashing können sich fast alle einigen. Denn dicke Menschen, glauben wir zu wissen, leben ja auch ungesund. Das stimmt so nicht automatisch, sagt Cat Pausé dazu. Und neueste Studien geben ihr recht – die übrigens auch zeigen, dass Diäten oft unglücklich machen. Und dass Übergewicht gar nicht so schädlich ist, wie lange Zeit vermutet.. Außerdem glaubt Cat Pausé: Wer über Dicke beim Burgeressen lästert, der macht sich nicht um die Volksgesundheit Sorgen.

"Meistens geht es den Leuten nicht um Gesundheit. Sie haben viel mehr Angst um ihr eigenes Gewicht. Wenn es ihnen um Gesundheit gehen würde, würden sie, egal ob dick oder dünn, nur darüber sprechen, wie gesund oder ungesund Junk Food ist. Aber das interessiert die Leute nicht. Es ist ihnen eingeimpft, extrem auf das Gewicht anderer zu reagieren – und sie zu verurteilen."

Cat Pausé

Cat Pausé will keine "opression olympics" – also keine Diskriminierungsolympiade, in der es darum geht, dass Dickenbashing vielleicht ähnlich schlimm ist wie Homophobie. Aber so ein kleines Gesetz gegen Körperdiskriminierung fände Cat Pausé schon gut. Das würde allen helfen, meint sie. Schließlich könnten dann irgendwann auch die Dünnen ein bisschen entspannen – vor der permanenten Angst, dick zu werden.


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