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Verbotener Comic "Metro" von Magdy el Shafee

Kommende Woche erscheint in Deutschland ein Comic, der in Ägypten verboten ist: "Metro" von Magdy el Shafee. Sammy Khamis hat den Comiczeichner in Kairo getroffen.

Von: Sammy Khamis Stand: 01.06.2012

In den Buchhandlungen in Kairo biegen sich die Regalbretter unter der Last inhaltsschwangerer Bücher über die Revolution. Auf jedem zweiten Cover steht entweder Tahrir, oder "thoura", Revolution. Die Graphic Novel "Metro" des Ägypters Magdy el Shafee ist aber nicht darin zu finden. Sie wurde bereits 2008 von der staatlichen Aufsichtsbehörde kassiert.

"Die Revolution, genau wie das Buch auch, zielten auf ein Machtmonopol. Heutzutage geht es gegen die Macht des Militärs und Religion ebenso wie gegen die Macht des Geldes und des Kapitalismus. All das habe ich damals in Metro schon thematisiert."

Magdy el Shafee

Dafür hat die Behörde Magdys Buch nur eineinhalb Monate nach Erscheinen aus den Regalen verschwinden lassen. "Verstoß gegen die öffentliche Moral" hieß die Begründung. Magdys Buch wurde verboten, um die öffentliche Ordnung in Ägypten nicht zu gefährden heißt es. Grund: Im Buch gibt es eine angedeutete Liebesszene und einmal ist eine halbnackte Frau zu sehen.

Der "misssing link"

Zeitlich fällt die Geschichte in das Aufkommen alternativer Medien und den ersten Demonstrationen in Kairo ab 2005. "Metro" ist der missing link auf dem Weg zur Revolution 2011:

"Das erste Mal kam eine Bloggerszene auf. Es war wie die erste frische Luft im Medien-Mainstream in vielen Jahren. Nach all der Scheiße, die in den Zeitungen stand und die die Regierungsmedien verbreiteten, haben diese jungen Blogger etwas Ehrliches geschaffen. In diese Zeit fiel auch der Aufstieg der unabhängigen Zeitungen wie Doustur und die Demos gegen die Thronfolge Hosni Mubaraks an seinen Sohn Gamal. Damals fing ich an über Metro nachzudenken."

Magdy el Shafee

Shafee kreiert seinen Protagonisten Shehab als Anarchisten mit eigener Moral. Er überfällt eine Bank, in der schmutziges Geld zwischen Politkern und Geschäftsmännern hin und her geschoben wird. Shehab nimmt von den Reichen und gibt es: sich selbst. "Metro" ist eine Geschichte, wie sie das moderne Kairo täglich schreiben könnte: Eine Geschichte von "friss oder stirb".

Ich treffe Magdy el Shafee einem alten, verstaubten Überbleibsel der ägyptischen Belle Epoque, dem Hotel Windsor. Er ist quirlig, lacht viel, gestikuliert, spricht bedacht und schnell. Als er mich fragt, ob es mich stört, wenn er rauche, zieht er bereits an seiner zweiten Zigarette.

Bekannt, aber nicht veröffentlicht

Dieser Mann hat die Graphic Novel "Metro" 2008 verfasst. Wurde angeklagt und zu einer Strafe von 1.000 Dollar verurteilt. Schwerer aber wiegt, dass sein Buch, verfasst für ägyptisches Publikum, hier nicht erscheinen darf. Metro ist bereits auf Italienisch veröffentlicht, die englische Übersetzung ist in Arbeit und auf Deutsch erscheint das Buch kommende Woche. Wie fühlt es sich an, wenn die gesamte Welt das Buch lesen kann, nicht aber die Menschen, die es direkt betrifft?

"Es fühlt sich schlecht an, denn ich hätte mir gewünscht, dass es von den Leuten hier gelesen wird. Von mir aus auch für den halben Preis, ohne dass ich Geld damit verdiene. Denn genau darum ging es mir: Dass die Leute das Buch lesen. Dankbarerweise gibt es Menschen, die ihre Ausgaben an Freunde verleihen. Auch wenn sie sie dann oft nie mehr wieder sehen. Manchmal wird das Buch auch einfach kopiert. Ich danke diesen Menschen. Sie machen das Buch bekannt, auch wenn es nicht veröffentlicht ist."

Magdy el Shafee

Graffiti in Kairo

Dass das Comic mit seinen schlichten aber eindrücklichen schwarz-weiß Zeichnungen in Ägypten bald erscheint, ist sehr unwahrscheinlich. Magdy und sein Verleger Mohamed el Sharkawy suchen gerade im Libanon nach einem Verlag. Derweil sind die Graffitis und Murals in den Straßen Kairos ein sichtbarer Ausdruck politischen Unmuts. Wie geht es el Shafee, dem Graphiker und Zeichner, wenn er an dieser neuen Ausdrucksform in der Innenstadt Kairos entlangläuft?

"Ich muss schon sagen: Chapeau liebes Militär. Denn sie wissen, wie man diese Kunstwerke sehr schnell wieder übermahlt. Manchmal sind die Graffitis bereits eine Stunde nachdem sie angebracht wurden, wieder übermahlt. (Lacht). Aber im Ernst: Es ist großartig Kunst in der Straße zu sehen. Kunst ist so stark, sie können sie uns nicht nehmen. Sie haben uns das Fernsehen, sie haben uns das Radio und die Zeitungen genommen. Aber über unsere Graffitis transportieren wir eine sehr starke Message. So stark, dass das Militär darauf keine Antwort findet. Also übermahlen sie es."

Magdy el Shafee


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