Taz-Redakteur will DFB-Präsi werden Occupy DFB!
Der Deutsche Fußballbund ist nicht gerade berühmt für Offenheit und Demokratie. Demnächst vererbt DFB-Präsident Theo Zwanziger seinen Job Wolfgang Niersbach. Taz-Reporter Andreas Rüttenauer sagt: Es reicht. Er will selbst als Kandidat für das Präsidentenamt antreten.
Wer beim DFB zu den Ober-Mackern gehören will, der muss ein echter Kerl sein. Und das im wahrsten Sinn. Denn obwohl Theo Zwanziger nach außen immer wieder den Frauenversteher gibt, ist klar: Intern schaffen es im deutschen Fußball nur Männer nach oben. Typen wie Wolfgang Niersbach, den am 2. März eine größtenteils männliche Delegiertenversammlung zum neuen Chefbestimmer wählen wird. Das ist ausgemachte Sache. Einen Gegenkandidaten muss Niersbach bei seiner Amtsübernahme nicht fürchten - es gibt keinen. Taz-Redakteur Andreas Rüttenauer gefällt dieser Vorgang überhaupt nicht.
"Der DFB ist undemokratisch, weil er bewusst so organisiert ist, dass eben nicht die 6,5 Millionen Mitglieder das Sagen haben, sondern ein paar Funktionäre, die oft über Jahrzehnte an denselben Posten kleben. Vielleicht denkt man: Nur so ist es möglich, dieses riesige Fußballschiff weiter zu lenken."
Andreas Rüttenauer, DFB-Präsidentenkandidat
Gegen die Seilschaften der alten Buddies plant Rüttenauer jetzt eine kleine Revolution: Er will beim DFB den Laden mal so richtig auseinandernehmen und gegen Niersbach antreten. Dafür schreckt der Taz-Mann auch vor der winterlichen Saukälte nicht zurück und campiert auf dem Parkplatz des Verbands-Stammhauses.
"Ich schlug dort mein Zelt auf und setzte mir zum Ziel: Occupy DFB! Ich blieb so lange stehen, bis die Leute wussten, wer ich bin und drückte jedem Vorbeigehenden mein Wahlprogramm in die Hände. Ich schüttelte Gerhard Mayer-Vorfelder die Hand, musste mir aber sofort danach die Hände waschen. Dann traf ich Christian Seifert, den Chef des Ligaverbands. Der meinte, ich solle lieber den armen Griechen helfen. Nur Herrn Niersbach bekam ich nicht zu Gesicht. Er verschwand unerkannt durch die Hintertür."
Andreas Rüttenauer, DFB-Präsidentenkandidat
Was ein wenig nach Stalking klingt, hat einen ernsthaften Hintergrund: Rüttenauer will mit dem DFB eine Debatte führen über Transparenz, Werte und Hierarchien. Es geht schließlich um den größten Sportverband der Welt. Und er will eine demokratische Urwahl des Präsidenten, bei der vom Verbandsliga-Bierbauch bis zum A-Jugendlichen alle abstimmen können. Das ist nicht lustig, findet der DFB:
"Um als DFB-Präsident kandidieren zu können, muss eine Person gemäß den Statuten von mindestens einem Landesverband für das Amt vorgeschlagen werden. Bei Herrn Rüttenauer trifft das - wie Sie sicherlich wissen - nicht zu. Folglich kann er sich auch nicht als Kandidat zur Wahl stellen."
Stellungnahme des DFB
Die Frankfurter Funktionäre reagieren auf Rüttenauers Kampagne mit in Stein gemeißelten Paragraphen und entlarven sich damit selbst: Eine Auseinandersetzung über Mitbestimmung in den Führungsgremien scheint den Zwanzigers, Mayer-Vorfelders und Niersbachs dieser Welt Bratwurst. Dabei hat Rüttenauer alles versucht, auch eine überaus freundliche Einladung an Niersbach.
"Lieber Herr Niersbach! Glauben Sie, dass sie Angst vor mir haben müssen? Kommen Sie am 24. Februar zu mir nach Berlin! Diskutieren Sie mit mir auf meinem eigens veranstalteten Podiumsgespräch. Gemeinsam können wir dem deutschen Fußball viel geben."
Herausforderer Rüttenauer lädt den Favoriten Niersbach zu einer Podiumsdiskussion in Berlin ein.
Der Antwortbrief, so Rüttenauer, kam prompt: Aus Rücksicht auf seinen Amtsvorgänger will sich Niersbach vor seiner Wahl nicht mehr öffentlich äußern. Echte Kerle können halt auch mal schweigen.

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