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Album der Woche: No Age Wie zwei Kunst-Punk-Nerds den Pop entdecken

Kunst und Punk, das ging schon immer gut zusammen: Siehe Sonic Youth, siehe Liars und siehe: No Age. Laut und extrem, hat die Szene diese Band von jeher ins Herz geschlossen. Nun hat das Duo den Pop entdeckt.

Von: Maria Fedorova / Interview: Julian Weber

Stand: 29.01.2018

Zerschredderte Sounds, es rappelt und scheppert. Und dazwischen drängt sich: eine hübsche Popmelodie. Die Lyrics könnten einfacher nicht sein, da singt jemand, der verletzlich, aber auch extrem lässig ist. Sofort schießt es einem durch den Kopf: Melden sich hier Sonic Youth zurück? Läuten sie eine neue Runde Teenage Riot ein? Der Sound kommt aber von der anderen US-Küste: vom kalifornischen Duo „No Age“.

Die Songs auf dem Album „Snares like a Haircut“  sind selten länger als drei Minuten,  haben aber die doppelte Menge an Noise. Und das hat in L.A. durchaus Tradition. Schon vor 40 Jahren zertrümmerten die Dead Kennedys das klischeehafte Hippiebild der Westküste mit „California über alles“.  Und genau daran erinnern No Age: L.A ist eben nicht nur die Glitzerwelt Hollywoods oder das Friede-Freude-Eierkuchen der langhaarigen Surfer-Dudes. L.A. ist laut, L.A ist Punk und L.A hat jede Menge Teenage Angst. Und das neue Album, sagt Gitarrist Randy Randall, zieht Bilanz. „Thema und Inspiration für dieses Album waren die Gedanken an die damalige Zeit. Was es bedeutet, nach all diesen Jahren immer noch in einer Band zu spielen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass ich mit 30 immer noch Rock’n‘Roll machen würde. Mein Leben folgt keinem besonderen Plan. Wir sind einfach ein paar Musik-Nerds.“

Just do it

Einfach machen - genau damit verkörpert die Band den lokalen Szene-Ethos, D.I.Y. ist ja ohnehin eine der tragenden Säulen der amerikanischen Indierock-Geschichte. Gitarren-Nerds wie „No Age“ bauen seit den 70er Jahren ihre Version eines sozialen Netzwerks auf: Eine Community, lange bevor es die Computer-Nerds am Campus der Elitenuniversität gemacht haben. New York, Olympia in Washington oder L.A.: All diese Städte haben ihren eigenen Sound, ihre Fanzines und ihre eigene Kultur. Und diese urbane Kunst entsteht meist im Umfeld besonderer Konzertorte. In L.A. ist das der Club „The Smell“, ein Wohnzimmer für Skate-Punks und Art-Rocker. Hier sind auch Randy Randall und Dean Allen Spunt von No Age zu Hause.

"Wir wollten auf keinen Fall zu meta sein"

Auch nach zehn Jahren ist die Band ihrem Kurs entlang der Community und der Kunstszene und abseits von großen Konzerthallen treu. Regelmäßig machen No Age Performances mit dem bildenden Künstler Doug Aitken. Im Rahmen eines Happenings schickte Aitken die Band in einem Zug quer durchs Land und ließ sie in Bahnhöfen auftreten. Zuvor gab es eine Audio-Installation für den Designer und Fotografen Hedi Slimani, bei der auch Ariel Pink dabei war. Wer aber nun ein arty Konzeptalbum erwartet, hat sich getäuscht. Die Stücke wurden innerhalb weniger Tage aufgenommen, nichts sollte zu „meta“ sein, auf keinen Fall wollten No Age bedeutungsschwanger daherkommen, so Randall. „Wir hatten großen Spaß bei den Aufnahmen. Man merkt es am Sound, am lustigen Albumtitel. Das ist kein Opus Magnum von zwei seriösen Komponisten. Wir sind zwei Typen, die Spaß daran finden, zusammen sehr laute Musik zu spielen.“ 

Man sollte also nicht zu viel hineininterpretieren in die Musik der Band. „No Age“ geben Gas, ohne dabei radikal zu sein. Sie versöhnen die destruktive Energie von Punk mit der affirmativen Haltung des Pop, etwas was schon für Sonic Youth typisch war. Und diese Verspieltheit hat Rock schon immer gut getan.


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