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Der Weilheimer Maler Reiner Heidorn Ein Selfie mit Halle Berry

Vor kurzem war der Neo-Expressionist Reiner Heidorn aus Weilheim nur Insidern unbekannt. Nun verkaufen sich seine Manga-artigen, vom Internet-inspirierten Gemälde wie bolle - vor allem in den USA. Warum ihn die Superreichen lieben und wie strange der US-amerikanische Kunstmarkt tickt - ein Besuch in seinem Weilheimer Atelier.

Von: Michael Bartle

Stand: 04.04.2017

Reiner Heidorn hat im Moment das, was man einen Lauf nennt. In seinem Weilheimer Atelier rollt er gerade großformatige Leinwände ein für eine Ausstellung in Oslo, im Oktober war er mit seinen von Mangas und dem Web inspirierten Riesen-Bildern im brasilianischen Recife. Und nächste Woche geht es zu einer Ausstellungseröffnung nach Atlanta. 20 Jahre lang hat er eher im Verborgenen gemalt, nun steht ihm die Welt offen. Und warum? Das Internet ist schuld: "Als ich angefangen habe, bei Facebook Bilder zu präsentieren, war das schöner, als arroganten Galeristen eine Visitenkarten auf den Tresen zu legen. Das werde ich nie wieder tun. Lieber vergammel ich in Weilheim in meinem Atelier. Bei Facebook ist das mehr wie eine globale Internetausstellung", schwärmt der Maler und erzählt, dass er über Facebook von seinem amerikanischen Galeristen angeschrieben wurde.

And she looked in the sea

Auf dem Bild "And she looked in the sea" steckt ein "Püppchen", wie Reiner Heidorn seine Figur nennt, ihren Kopf mit offenem Mund unter Wasser. "Das sieht ein wenig ertrinkend aus. Da haben mich sehr viele Menschen aus Amerika angeschrieben, dass sie sich in dem Bild wiederfinden, weil so die aktuelle politische Lage in den USA ist. Anscheinend trifft das den amerikanischen Zeitgeschmack."

Den trifft er offenbar so sehr, dass die Bill Lowe Gallery 3 seiner Bilder bereits verkauft hat – für mehrere Zehntausend Euro und das, bevor die Ausstellung überhaupt eröffnet hat. In Atlanta wird er schon mit Martin Kippenberger verglichen, der Ami-Markt scheint bereit für den Neo-Expressionisten aus Oberbayern. Reiner Heidorn wurde erzählt, dass die "Ultra Rich Republicans" jetzt wohl mehr Kunst kaufen denn je. Atlanta sei "on fire" und was dann kommt, klingt für deutsche Ohren nach kompleten Wahnsinn: Der Galerist wird für die Reiner Heidorn Ausstellung eine große Eröffnungsparty gegeben und nur acht Tage später werden die Hälfte der Bilder abgehängt und zu den Ultra-Reichen nach Hause gefahren. "Die machen eine richtige Tour mit einem Truck, beliefern 15 bis 20 Leute, hängt ihnen jeweils drei bis vier Bilder rein und nach einer Woche fragt mein Galerist, wieviele sie behalten wollen. Hoffentlich viele."

Was für ein irrwitziges Business Modell – and the best is yet to come. Denn unter den Ultra-Reichen sind natürlich auch Promis: "Zu seinen Kunden in der Galerie gehört auch Sylvester Stallone und Halle Berry und ich schreibe ihm immer: Ich brauche unbedingt ein Selfie von Halle Berry mit einem meiner Bilder. Das wäre witzig."

"Wenn man im Takt malt, wird man verrückt"

Ein Hurray für ein Halle-Selfie, das nach Weilheim geht. Nach dem Sound of Weilheim nun der Pinselstrich of Weilheim. Obwohl: Reiner Heidorn ist eigentlich beides. Zur Schule gegangen ist er mit den Acher-Brüdern von Notwist und befreundet mit dem Weilheimer Ausnahme-Saxofonisten Johannes Enders. Reiner Heidorn hat neben seiner Malerei acht Jahre lang die Sitar studiert und als Ragamatic einen Einmann Live-Act am Start. "Wenn ich male, höre ich grundsätzlich nur klassische Musik. Hier ist ein Plattenspieler und 100 klassische Platten, weil man malt mit einem gewissen regelmäßigen Pinselschwung die Leinwände aus und bei meinen Formaten malt man eine Weile. Wenn man dann etwas mit Schlagzeug hat, dann erwischt man sich, dass man im Takt malt - und da wird man verrückt."

Reiner Heidorn in seinem Atelier

Was mir an diesem Maler-Musiker-Märchen so gut gefällt: Der turbokapitalistische Kunstmarkt der USA trifft auf die superpragmatsche DIY-Haltung des Sounds Of Weilheim. Reiner ist eine Ein-Mann-Betrieb. Er macht das Marketing auf Facebook und Instagram selbst, er hat sich beigebracht, wie man Kunstwerke über die Ozeane dieser Welt transportiert. Und wenn der Ami-Markt das verlangt, dann malt er hat noch ein paar Bilder mehr – den Kuss der Muse und das ganze gespreizte Kunst-Gedöns, das braucht er eher nicht.

"Ich bin begeistert von der Malerei, nicht von meiner, sondern von dem Medium an sich: Dass Malerei das kann, dass da ein Bild stillsteht, aber einen trotzdem einsaugt, so inhaliert."

Reiner Heidorn

Reiner Heidorns Kunst ist nicht nur in Atlanta zu sehen, sondern auch bald in der Pasinger Fabrik in München: vom 25.4 bis zum 28.5.


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