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Die neuen weiblichen Serienstars Fünf Serien, die ihr gesehen haben müsst

Lena Dunham hat mit ihrer Serie "Girls" für Aufsehen gesorgt, auch weil ihre Darstellung von Frauen unverblümt war. Damit ist aber noch lange nicht Schluss. Fünf Serien, von und mit Frauen, die ihr gesehen haben müsst!

Von: Katja Engelhardt

Stand: 12.05.2017

Unbreakable Kimmy Schmidt - Staffel 2 | Bild: Netflix

Mittlerweile gibt es eine ganze Riege an Frauen, die Serien machen, die nischiger und absurder kaum sein könnten. Frauen, die im Fernsehen nie Platz gefunden haben, auf dem Streamingmarkt aber funktionieren: In den Weiten des Internets finden sie endlich einen Platz. Und die Serien werden bei Erfolg dann durchaus auch vom TV eingekauft. So bevölkern Frauenfiguren auf einmal die Serienwelt, die wir vorher nicht kannten.

Diese spitzen Seriencharaktere sind nicht das Pendant zu männlichen Protagonisten – keine weiblichen Superhelden, keine weiblichen Mafia-Bosse, keine weiblichen Ermittlerinnen – eigentlich haben die einen ganz normalen Alltag – nur sie selbst sind alles andere als normal und vor allem sind sie schwach. Und darin sehr stark. Das Konzept geht auch deswegen auf, weil sie immer über einen sehr überdrehten Humor funktionieren und wo Humor ist, da ist auch Hoffnung.

Am Ende des Tages, das lassen sie uns glauben, wird dann doch alles gut werden. Die Protagonistin wird sich mit ihrer Umwelt aussöhnen und gleichzeitig werden wir darin bestärkt: Schrullig und unverstanden sein, das bringt uns nicht um. Es macht uns eben nur… anders. Dass für eine so wünschenswerte Moral ausgerechnet Frauenfiguren nötig sind, die auf den ersten Blick komplett ein Rad abhaben, das sagt dann wiederum mehr über die Welt aus, in der wir leben, als über den Charakter der Frauen.

Hier fünf Serien, von und mit Frauen, die ihr gesehen haben müsst:

Chewing Gum

Die Britische Serie spielt in einem Plattenbau. Der ist aber nicht nur grau, sondern ein riesiger Knallbonbon, so bunt, wie der ethnische Melting Pot, der in dem Block wohnt - im Hintergrund dröhnt hippe Clubmusik, die Sprache platzt aus Mündern, wie berstende Kaugummis. Und mittendrin lebt Tracy. Sie arbeitet in einem Kiosk, hat kaum Freunde, aber ein Ziel: Sex haben. Nicht ganz so leicht, ihre Mutter ist nämlich streng religiös. Dass Tracy laut naive Selbstgespräche führt, macht die Angelegenheit nicht einfacher.

Crazy Ex-Girlfriend

Rebecca Bunch ist eine erfolgreiche New Yorker Anwältin, hat an den Elite-Unis Yale und Harvard studiert - und ist todunglücklich. Als sie ihre Ferienlagerliebe Josh wieder trifft, bricht sie ihre Zelte ab und folgt ihm. In das winzige Nest West Covina. Ohne, dass er davon weiß. Dort angekommen, verstrickt Rebecca sich in eine Lüge nach der nächsten, immer mit dem Ziel Josh zurückzugewinnen. Das wird so lange weitergedreht, bis der sexistische Terminus Crazy Ex-Girlfriend anhand von Rebecca komplett zerlegt wird. Sie ist nicht irgendeine Verrückte, sondern eine intelligente, witzige, warmherzige Frau - mit einer handfesten Depression. Dass dieses Thema mit Slapstick und Musicaleinlagen aufgemischt wird, macht diese Serie zum Inbegriff des Wortes "nischig". Denn noch mehr special interest geht kaum.

Unbreakable Kimmy Schmidt

Kimmy wurde als Teen entführt und jahrelang in einem Bunker festgehalten. Daraus gerettet, erblickt sie nicht nur endlich das Tageslicht wieder, sondern eine ganz andere Welt. Um ihr Leben neu zu beginnen, zieht Kimmy von Indiana nach New York. Ausgerechnet. Im Paradies der Hipster sind die "coolen" Sprüche aus Kimmys Jugend noch weniger lässig, ihre kunterbunte Kleidung noch auffälliger und ihre immerzu positive Art verrückter, als der allgegenwärtige Zynismus.

Fleabag

London ist keine einfache Stadt. Erst recht nicht, wenn man eine junge Frau ist, die im Alleingang ein Café betreibt, das absolut nicht florieren mag. Und florieren, das tut ihr Liebesleben auch nicht unbedingt. Aber irgendwie ist Fleabag auch alles egal. Umso witziger wird es für uns. Fleabag steuert kompromisslos durch ihr Leben und gibt nur dann klein bei, wenn sie sich schlussendlich doch am längeren Hebel wähnt. Warum nicht nur Eigensinn dahinter steckt, wird in dieser Serie nur Stück für Stück verraten.

Lady Dynamite

Maria Bamford ist eine US-amerikanische Synchronsprecherin und Komikerin, die sich nach einer psychischen Störung wieder zurück in ihre mehr oder weniger glamouröse Arbeitswelt in Los Angelese kämpft. Das gilt für das echte Leben - und auch die Serie. Und letzteres ist ein einziges Spektakel. Maria Bamford versteht die einfachsten Dinge nicht mehr und wir damit auch nicht. Dass sie mitten in den Folgen in Songs ausbricht oder gedanklich abdriftet und wir Zuschauer kaum unterscheiden können, was jetzt "echt" ist und was nicht und dass man das in LA ohnehin oft nicht kann, ist nur einer von vielen gute Kniffen dieser Serie.


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