Bayern 2 - Zündfunk


37

Fanfiction Das bessere Star Trek kommt aus Schweinfurt

"Beyond" ist gerade im Kino, aber viele Star Trek-Fans sagen: Zu viel Action! Das glaubt auch Filmemeacher Jürgen Kaiser aus Schweinfurt - und hat einen eigenen Star Trek-Film gedreht.

Von: Wolfram Hanke

Stand: 22.07.2016

Animation: ein explodierender, roter Planet. | Bild: Jürgen Kaiser / BR

Eigentlich ist Jürgen Kaiser gar kein richtiger Trekkie, sagt er selbst. Seine Wohnung in Schweinfurt ist nicht vollgestopft mit Postern, Raumschiff-Modellen oder anderem Kram aus der berühmten Science Fiction-Serie. "Ich bin auch nicht derjenige, der jedes Jahr zu einer Konvention rennt," erzählt er beim Interview. Und Kostüme sind ihm eher peinlich. Er bezeichnet sich als einen stillen Fan und brennt für Science Fiction im Allgemeinen, auch Star Wars mag er. Und, er wollte einfach mal selbst einen Fan machen. Die Wahl fiel auf Star Trek. "Die Fans wollte ich glücklich machen und bin froh, dass es uns anscheinend geglückt ist." Ganz nebenbei hat er sich einen Kindheitstraum erfüllt: "Im Kino habe ich mir früher vorgestellt, dass die Leute kommen, um meinen Film zu sehen."

Eine Sekunde dauert eine Stunde

Junger Mann hält eine Miniatur-Ausgabe der Star Trek-Brücke in den Händen. | Bild: BR

Jürgen Kaiser mit einem Nachbau der Enterprise-Brücke.

"Star Trek Enterprise II - Der Anfang vom Ende" heißt der einstündige Fan-Film von Jürgen Kaiser. Verwirklicht mit aufwändiger Stop-Motion-Technik. Das heißt, Kaiser hat 18 Zentimeter große Action-Figuren verwendet und deren Bewegungen durch viele Einzelbilder erzeugt. Dafür hat sein Team zwei Jahre gebraucht und 220 Drehtage. Seine Story erzählt die Fortsetzung der Abenteuer von Captain Jonathan Archer und seiner Crew. Archer war der Kopf der Enterprise-Besatzung, die von 2001 bis 2005 in vier Staffeln unbekannte Tiefen des Weltalls erforschte. Dann wurde die Serie eingestellt. Deshalb hat sich Jürgen Kaiser seine eigene Episode ausgedacht. Mit dem neuen Transmission Warp-Antrieb geht es in eine Art Parallel-Universum und die Crew trifft dort auf das rote Imperium. Zurück in der Realität gerät die Enterprise in ein großes Trümmerfeld.

Stop-Motion-Technik ist komplizierter als das Drehen für einen Realfilm. "Bewegungen und Schnitte müssen genau funktionieren", erklärt der Filmemacher. Insgesamt hat es acht Jahre gedauert, bis der Film mit allen HD-Animationen fertig war. Und das alles nach Feierabend oder am Wochenende, denn Jürgen Kaiser hat einen Job als Messfacharbeiter in der Schweinfurter Großindustrie. Er arbeitet vor allem am Mikroskop in der Qualitätssicherung und macht dort Sauberkeitsanalysen. Die Akribie, die er für seinen Job braucht, kommt ihm bei seinen Stop Motion-Filmen natürlich zugute.

Mit Warp-Antrieb in die Fanfiction

Weltpremiere hatte Jürgen Kaisers Film Mitte Mai bei der FedCon, einem Treffen von Star Trek-Fans in Bonn, danach gab es noch eine Premiere für Freunde in einem Schweinfurter Kino und seit Mitte Juni kann man den Film auf Youtube anschauen. Etwa 180.000 mal ist er dort schon angeklickt worden.

CPS und Paramount, die Filmfirma von Star Trek, ist übrigens gar nicht so begeistert von solchen Fan-Filmen. Vielleicht weil die Fan-Filme mit ihrer Liebe fürs Detail teilweise besser sind, als das Original von Paramount oder CBS. "Es gibt in Amerika drei Fan-Filme, die unglaublich professionell gemacht sind," schwärmt Jürgen Kaiser. Ein Beispiel ist "Star Trek: Phase 2": Dafür wurde die Original-Brücke des Raumschiffs nachgebaut, die Filmemacher haben sich alte Drehbücher besorgt, die damals nicht verwirklicht wurden, sogar Original-Schauspieler waren mit an Bord, "da ist dann die Verwechslungsgefahr relativ hoch". Am 23. Juni haben die Filmbosse deshalb neue Regeln für solche Projekte festgelegt: Kein Bezug auf neue Serien, kein Film länger als 15 Minuten, keine Original-Schauspieler. Ein Film wie der von Jürgen Kaiser ist also in Zukunft nicht mehr möglich.

Nächstes Projekt: Geister jagen

Auch bei Jürgen Kaiser ist die Professionalität verblüffend. Der Schweinfurter konnte professionelle Synchronsprecher für sein Projekt begeistern und bekam Hilfe von der Firma "Stop Motion Pro" aus Australien. Die stellte die Software zur Verfügung, mit der zum Beispiel auch die Wallace & Gromit-Filme entstanden sind. Seit zwei Jahren arbeitet Jürgen Kaiser mit seinen Freunden schon wieder an einem neuen Projekt.

In seiner Wohnung stehen bereits die Kulissen für den neuen Stop-Motion-Film. An einer Hausfassade fällt das Firmenschild der „Ghostbusters“ ins Auge. Fans müssen ihr Entzücken aber erst noch mal zügeln, ermahnt Jürgen Kaiser. Ein 60-minütiger Film soll es nicht werden, einfach weil das Star Trek-Projekt zu viel Zeit gekostet hat. 10 bis 20 Minuten sind bislang geplant. "Vielleicht machen wir dann aber noch einen zweiten Teil".

Who you’re gonna call? Jürgen Kaiser!


37