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WikiCon 2012 Lexikon sucht Frau

Die deutschsprachige Wikipedia-Community traf sich am Wochenende in Dornbirn zur WikiCon. Etwa 200 Teilnehmer, davon vor allem: Männer. Es ist schon eine alte Leier: Der Frauenanteil unter den Autoren liegt immer noch bei knapp 10 Prozent. Wie soll man das ändern?

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß Stand: 04.09.2012

Der Ton in der digitalen Welt ist oft sehr rau. Wer bei Wikipedia mitmacht, verzettelt sich schnell in Diskussionen. Schließlich sollen die Artikel im Online-Lexikon objektiv und neutral sein. Was das genau bedeutet, darüber sind sich die meist männlichen Wikipedia-Schreiber oftmals nicht einig, sagt Anja Ebersbach. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Wikipedia-Fördervereins Wikimedia.

Anja Ebersbach, Vorsitzende des Wikipedia-Fördervereins Wikimedia

Um von dem von Anja Ebersbach erwähnten "Hacker-Kontext" wegzukommen und weil Frauen angeblich sehr viel mehr Wert auf persönlichen Kontakt legen als Männer, hat die Wikimedia dieses Jahr zum Beispiel ein Wiki-Camp in Buenos Aires veranstaltet. Interessierte Frauen sollten hier zusammenkommen, um sich auszutauschen und Lust zum Mitschreiben zu bekommen. Auch hier in Deutschland ist ein solches Camp schon in Planung. Begeistert sind davon aber nicht alle - es führt zum Beispiel zu Neid-Debatten, warum Gelder ausgerechnet für ein explizites Frauen-Camp ausgegeben werden. An der Frauen-Front bewegt sich in der hauptsächlich aus Männern bestehenden Wiki-Community noch nicht so richtig was.

Es geht um Fachwissen - und Rechtschreibfehler

Viel diskutiert wurde bei der diesjährigen WikiCon auch, wie man das Fachwissen von Menschen gewinnt, die vielleicht keinen Hochschulabschluss haben, aber dafür zum Beispiel versierte Handwerker sind. Solche Leute machen dann vielleicht ein paar Rechtschreibfehler, dürften deswegen aber nicht gleich mit Shitstorms bestraft werden, so eine der Forderungen auf der Konferenz.
Wer einen Blick hinter die Kulissen des Mitmach-Lexikons wirft, sieht eine nicht sehr zugängliche Community. Neulinge haben es nicht leicht, einzusteigen. Es gibt viele formale Regeln und die alten Wikipedianer haben einen hohen Anspruch an die Inhalte. Bei vielen Themenbereichen kann man nur noch mit Expertenwissen glänzen. Dabei gäbe es viel zu tun: Die Textwüste Wikipedia braucht einen neuen Anstrich, sagt Michael Jahn von Wikimedia Deutschland.

Form follows function

Tools werden entwickelt, damit Wikipedia-Leser die Qualität von Artikeln besser einschätzen können. Außerdem gibt es Ideen, die Plattform den Gewohnheiten heutiger Nutzer, die in sozialen Netzwerken zuhause sind, anzupassen - zum Beispiel endlich mal eine Funktion, auf einfachem Weg ein Bild hochzuladen.
Ab wann die geplanten neuen Werkzeuge funktionieren, ist noch nicht klar. Aber die Wiki-Community musste auch erkennen: "Form follows function". Und wenn es endlich mehr um Ästhetik und Bilder geht, kommen Frauen vielleicht von ganz alleine. Bei Facebook und Pinterest klappt es ja auch - da sind die Frauen nämlich in der Überzahl.


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