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Direkt vom SXSW Kunst- und Kulturfestival 2016 Das Roboter-Zeitalter bricht an

"Wir sind die Roboter", das hat die Band Kraftwerk schon im Jahr 1978 versprochen und vermutlich haben sie sich und uns getäuscht. Erst jetzt knapp 40 Jahre später, können wir behaupten: Hier sind die Roboter.

Von: Michael Bartle

Stand: 15.03.2016

Roboter | Bild: picture-alliance/dpa

South By Southwest Konferenz in Austin, Texas. Auf einem der Panels sitzt Sophia. Sie ist kein gewöhnlicher Speaker - sondern ein Robotersklave. Sie hat zwar noch viel zu lernen, aber schon bald werden uns Roboter wie Sophia oder Pepper, einer ihrer Artgenossen, aus dem Kühlschrank ein Bier holen oder auch ein veganes Sandwich. Darauf hofft zumindest John Anderson, Entwickler bei IBM.

"Die Roboter haben alle Animationen und die Technologie in sich, um diese Handbewegungen zu machen. Wir kommen vorwärts und irgendwann werden sie das können."

- John Anderson, IBM

Warum nennen wir Roboter eigentlich noch so?

Bis die Technologie soweit ist und Roboter Pepper uns den Biersergeant macht, kann es aber noch ein Minütchen dauern. Auf der South By Southwest, dem großen interdisziplinären Kultur und Zukunftsfestival, sind die Amerikaner eben fast schon zwanghaft optimistisch. Letztes Jahr waren Wearables, Fitnesstracker und die Apple Watch das große Ding, in diesem Jahr werden die Maschinen das Laufen lernen. Aber warum nennen wir die Roboter denn überhaupt noch Roboter? Macht das Wort nicht uns in Old Europe noch gehörig Angst? Leila Takajama forscht bei Google X, dem großen Think Tank aus Mountain View, Kalifornien, an der nicht ganz so einfachen Beziehung zwischen Mensch und Roboter.

"Ich denke, dass wir über die Zeit immer nützlichere Roboter bekommen werden und deshalb werden sie sich unser Vertrauen und unseren Respekt verdienen. Wir werden deshalb hoffentlich weniger Furcht haben, weil sie dann einfach alltäglich sind – wie ein Geschirrspüler."

- Leila Takajama, Google X

Roboter - Die Rockstars der Zukunft

Mein Roboter und ich – je mehr wir über uns preisgeben, desto eher werden diese Blechdiener uns unsere Wünsche von den Lippen ablesen. Wenn wir es wollen: 24 Stunden am Tag – ohne Gewerkschaftspause. Das klingt im fernen Amerika wie das Paradies.

Sie spricht zwar gewöhnungsbedürftig, könnte aber extrem nützlich sein - Roboter wie Sophia könnten schon bald zu unserem Alltag gehören.

Vermutlich werden wir uns an die neuen Gefährten gewöhnen müssen, in japanischen Haushalten wohnen bereits 1.500 von diesem neue Haushaltshilfen zur Untermiete. Ben Goertzel, Chef-Entwickler bei Hanson Robotics glaubt, dass Roboter in wenigen Jahren nicht nur niedere Jobs für uns erledigen, sondern bereits im Vorstand großer Unternehmen sitzen, auf jeden Fall aber den Status von Rockstars haben werden. Wie immer ist das South By Festival auch im 30. Jahr ein gigantischer Whirlpool, in dem die Ideen nur so sprudeln und – wenn es nach dem Risikokapitalgebern geht – danach auch noch das Geld.

Der nach Kalifornien ausgewanderte Berliner Unternehmer Dirk Ahlborn ist hier in Austin, um mit einem pathetischen Video Investoren für eine spektakuläre Idee zu begeistern. Ahlborn will den Hyperloop bauen lassen: ein umweltfreundliches Transportsystem, das sich der Erfinder und Tesla-Milliardär Elon Musk ausgedacht hat. Menschen sollen dabei in elektrisch betriebenen Kapseln von Ort zu Ort geschossen werden – mit 1.200 Kilometer Spitzengeschwindigkeit. Die fünf Stunden lange Strecke von L.A. bis San Francisco könnte dann in 35 Minuten bewältigt werden. Kostenpunkt: ein paar hundert Millionen Dollar.

Klingt schon ziemlich durchgeknallt, aber das South By Festival ist eben ein großes Fernrohr, das permanent auf Zukunft justiert ist. Gut für uns ungläubigen Europäer, dass auch ein paar Zweifler am Start sind. Auf seiner Eröffnungs-Keynote hat ein junger Afroamerikaner Silicon Valley ermahnt, nicht allzu euphorisch zu sein, denn Silicon Valley will nicht immer die Welt retten, sondern vor allem Geld verdienen. Im Zweifel für den Zweifel, das bietet uns der Harvard und Yale Absolvent Casey Gerald an:

"Es ist möglich, dass die Antworten, die wir haben, falsch sind. Es ist auch möglich, dass wir die falschen Fragen stellen."

- Casey Gerald


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