Werbung im Netz Wenn dich Produkte im Netz verfolgen
Du hast einen Akkubohrer im Netz angeschaut, aber nicht gekauft. Und genau dieser Bohrer wird dir jetzt immer wieder angeboten. Viele finden solche Werbung lästig und fühlen sich ausspioniert. Funktioniert sogenanntes Retargeting auch im echten Leben?
Niemand ist bereit, mir irgendetwas abzukaufen, nicht mal Rabatte helfen. Und je länger ich die Leute verfolge, bevor ich sie frage, ob sie mir das Produkt jetzt abkaufen wollen, desto verärgerter werden sie. Als sich einer sogar meine Personalien aufschreibt und damit droht, die Polizei zu rufen, breche ich den Versuch lieber ab. Die Welt ist einfach noch nicht bereit für Retargeting im echten Leben.
Auch im Internet ist nicht jeder Nutzer begeistert über diese Art von personalisierter Werbung. Alexander Gösswein ist Deutschland-Chef der Retargeting-Firma criteo. Er hat Verständnis dafür, dass nicht jeder „Retargeting“ toll findet.
Retargeting funktionert im Internet super. Die Anzeigen, die wissen, was du letzte Woche getan hast, hinterlassen aber bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl. Simon Staib und Jan Homann verfolgen einen anderen Ansatz. Sie haben Anfang des Jahres „Stilanzeigen“ gestartet, eine 2-Mann-Firma. Die Mission: Stilvolle Werbung auf stilvollen Blogs.
Stilvolle Werbung
"Stilanzeigen" vertreibt für Kunden wie „Brand eins“ oder „Chip“ auf diversen Blogs kleine Anzeigen, die unaufdringlich daherkommen und keine Nutzer-Daten verwenden. Er nimmt dabei nicht jede Anzeige. Auf seiner Webseite schreibt er, dass er sich vorbehält
"nach freiem Ermessen zu bunte oder in zu grellen Farben gehaltene Anzeigen abzulehnen."
Simon Staib
Genau darüber freuen sich Internet-Nutzer. Simon Staib bekommt begeisterte Emails von Menschen, die seine Anzeigen toll finden, weil sie ganz anders aussehen, als normale Internet-Werbung. Er meint, dass viele Menschen abgeschreckt werden durch aufdringliche Werbung, die mit ihren Daten arbeitet.
For You vor Ort
Bis jetzt hat die Agentur Stilanzeigen Werbung für acht unterschiedliche Kunden geschaltet. Im Vergleich zu dem 200-Millionen-Dollar-Jahresumsatz des Retargeting-Spezialisten Criteo ist das noch etwas mickrig. Und sowohl Simon Staib, als auch sein Partner Alexander Gösswein gehen davon aus, dass in Zukunft Nutzerdaten noch viel aggressiver eingesetzt werden - bald werden wir überall beobachtet, damit uns die perfekte, genau auf uns abgestimmte Werbung angezeigt werden kann.
Wir haben es in der Hand
Wer weiß? Wenn ich in meinem Feldversuch mehr Daten gehabt hätte, gewusst hätte, wie oft jemand schon in einem Geschäft war, welche Produkte er schon hat, in welchen anderen Geschäften er vorher war - vielleicht wäre ich mit meinem Retargeting-Versuch im echten Leben doch erfolgreich gewesen und die Leute hätten am Ende doch etwas gekauft.
Letztendlich haben wir es aber selbst in der Hand, welche Art von Werbung wir wollen. Bei Internet-Anzeigen wird immer genau überprüft, was erfolgreich ist und was nicht. Wenn wir Nutzer nicht mehr auf Retargeting-Anzeigen klicken würden, wäre diese Werbeform bald Geschichte.

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