Facebook halal Das muslimische Social Network Salamworld
Facebook bekommt Konkurrenz: In Istanbul entwickelt ein Team das islamische Netzwerk Salamworld. Es gibt bereits Büros in 17 verschiedenen Ländern. Anfang November soll das Portal online gehen. Zündfunk-Autor Thilo Guschas weiß mehr.
"Salam, hi, bonjour, hallo, marhaba, privet! What's Salamworld? Do you want to build communities? What about meeting like-minded people to unite as Muslims?", wird man im Trailer von Salamworld begrüßt. Aufmerksam verfolgt der Blogger Akif Sahin aus Hamburg, wie Salamworld.com weltweit aufgebaut wird:
"Das ist ein Projekt für eine Online-Community für Muslime. Man will den Muslimen ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen können. Letztendlich ist es vergleichbar mit Facebook, Google plus oder auch Twitter. Es richtet sich allerdings primär an Muslime, wobei es trotzdem andere nicht ausschließen soll."
Akif Sahin, Blogger
Klingt ein bisschen nach digitaler Parallelgesellschaft. Aber gleich wieder die Spaltung der Welt in Ost und West festzustellen, ginge dann doch zu weit, meint Akif Sahin. Salamworld sei ganz einfach ein Portal, das keine Sex- oder Gewaltdarstellungen zulässt, weil dies den islamischen Werten widerspreche. Es gehe hier nicht um religiöse Abschottung oder gar Fundamentalismus – die Hintergründe seien viel profaner.
"Die Geldgeber kommen vor allem aus Russland, haben aber ihr Büro in Istanbul eröffnet und versuchen damit, dem Ganzen einen liberalen Touch zu geben. Aber aus meiner Sicht geht es grundsätzlich eher um Geld. Denn: die Muslime haben Geld. Sie sollen dann über diese Plattform bestimmte Services bekommen, die dann etwas kosten, beispielsweise Hadsch- und Umrah-Fahrten, also Pilgerfahrten in die geheiligten Stätten der Muslime."
Akif Sahin, Blogger
Salamworld ruft großes Medieninteresse hervor
Nuri Tinaz ist Religionssoziologe in Istanbul. Dort ist auch die Weltzentrale von Salamworld.
"Ich habe mal unter Kollegen rumgefragt. Das sind überwiegend muslimische Akademiker. Und alle haben schon von mal Salamworld gehört. Es gab ja auch wirklich ein unglaubliches Medienecho: Berichte auf Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch, Urdu, Türkisch und den malaysischen Sprachen. Also, ihre Öffentlichkeitsarbeit ist schon sehr effektiv."
Nuri Tinaz, Religionssoziologe
Im Augenblick ist Salamworld in der Beta-Phase. In einigen Ländern läuft eine Testversion. Ab November soll Salamworld dann freigeschaltet werden. Es richtet sich vor allem an die islamische Welt. Ein denkbar riesiger Raum. Allein die arabischen Länder reichen vom strengen Saudi-Arabien bis zum Libanon, mit seiner europäisch-lockeren Moral. Dazu kommt das asiatisch geprägte Indonesien. Afghanistan. Der Iran. Ethnisch, kulturell und politisch ein Flickenteppich. Ein Übersetzungstool soll helfen, zumindest die sprachlichen Gräben zu überbrücken.
Die Idee für ein globales, islamisches Netzwerk ist schon viel älter als die Entstehungsgeschichte von Salamworld. Schon 2009 hatten Exil-Iraner versucht, ein islamkonformes Internet aufzubauen.
"Und 2010 gab es dann noch ein ähnliches Projekt in Pakistan. Beide Projekte hatten täglich um die 10.000 User. Aber die Medien haben nie darüber berichtet. Die Macher von Salamworld haben dagegen eine geschickte PR hinbekommen und von einem 'islamischen Facebook' gesprochen."
Nuri Tinaz, Religionssoziologe
Wird Salamworld in Deutschland funktionieren?
Schnörkellos bringt der offizielle Trailer das Anliegen von Salamworld auf den Punkt: Die Preise eines Gewinnspiels sind: eine Pilgerfahrt nach Mekka – oder aber ein Ipad. Religion als Marketingstrategie. Das wird aber so nicht funktionieren. Glaubt zumindest Blogger Akif Sahin mit Blick auf Deutschland.
"Weil die Muslime letztendlich in anderen Netzwerken engagiert sind wie Facebook oder Google plus, wo man sich dann eher etablieren kann, und wo man dann auch eigene Gruppen, eigene Seiten und eigene Angebote generieren kann. Es gibt ja muslimische Apps und Angebote, die es auch auf Facebook gibt. Von daher glaube ich nicht, dass das in Deutschland so sehr einschlagen wird."
Akif Sahin, Blogger
Die Sorge des türkischen Religionssoziologen Nuri Tinaz ist allerdings, dass das eigentlich unpolitische Netzwerk als Nebeneffekt einen bedenklichen politischen Einfluss erlangen könnte. Denn auf Salamworld soll es auch Fatwas geben, also Rechtsgutachten, die Empfehlungen abgeben, wie man sich im Alltag islamgerecht verhalten soll. Wer Definitionshoheit über religiöse Inhalte erlangt, hat große Macht.
"Allein in der ersten Phase wird Salamworld in acht Sprachen laufen. Meine Angst ist, dass sich Salamworld an die Stelle von religiösen Autoritäten setzen könnte. Man mag sich gar nicht ausmalen, was dann passieren würde."
Nuri Tinaz, Religionssoziologe

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