Pinterest.com Die Pin- und Up-Load-Girls
Das Netz hat eine neue Lieblingsplattform. Wieder mal. Vom Facebook-Killer ist gar die Rede. Es geht um "Pinterest", eine Online-Pinnwand vor allem für Bilder. Alles ganz einfach. Nur die Urheberrechtsfrage, die bleibt schwierig.
"Und auf einmal sah ich überall diese Pinterest-Buttons und ich wusste nicht, was das ist. Und dann habe ich gelesen, dass Pinterest eine Online-Pinnwand ist. Da dachte ich mir: Langweiliger geht's wohl kaum! Deswegen habe ich das ganze Ding erst mal ein paar Tage ignoriert."
Christian Brandes
Christian Brandes ist von Beruf Werbetexter und betreibt das Blog "Spiegel Offline". Hier sammelt er bizarre und lustige Netzfundstücke. Es ist ihm schwer gefallen, Pinterest einfach zu ignorieren, denn es handelt sich um den Internethype der Stunde: 10 Millionen Nutzer hat die Seite alleine in den USA und das, obwohl man nur per Einladung an einen Account kommt. Erstaunlicherweise ist Pinterest tatsächlich nicht mehr als eine Pinnwand. Kein Chat, keine Apps, nur wenig Interaktion. Pinterest konzentriert sich auf eine einzige Funktion und genau darin liegt die Faszination.
"Dann hat sich für mich das Blatt gewendet. Das funktioniert ja so, dass ich jeden Tag über Bilder stolpere, die lustig sind. Wenn ich die früher speichern wollte, habe ich mir die in einen Ordner gezogen oder ganz umständlich diese eine Seite als Lesezeichen abgespeichert. Da gab es keine Lösung. Und die Leute wussten noch gar nicht, dass sie nach einer Lösung suchen. Pinterest liefert die jetzt einfach. Man klickt auf das Bild drauf und zieht es auf seine Pinterest-Wand, fertig."
Christian Brandes
Kein nerviges Abspeichern und Hochladen, einfach klicken: Fotos kann man bei Pinterest viel einfacher hochladen als zum Beispiel bei Facebook. Gepostet werden Architektur, Mode, Essen, Konsum und Designartikel und – natürlich – Katzenbilder. Ursprünglich war Pinterest eine Plattform, auf der man Produkte empfehlen konnte. Zu weiten Teilen ist Pinterest immer noch ein digitaler Adventskalender voll schöner Sachen. Und: 80 Prozent der Pinterest-User sind weiblich. Das kann auch am ansprechenden Design liegen: Wer die blauen Kästen von Facebook nicht mehr sehen kann, freut sich bei Pinterest über schnörkellose Schönheit. Jana Mänz ist Fotodesignerin und seit zwei Wochen auf Pinterest:
"Sie ist klar und übersichtlich, alles konzentriert sich auf die Bilder. Wir Frauen sind vielleicht visueller veranlagt. Wir mögen tolle Bilder und ich persönlich mag die Menueführung dort. Ich mag es, mich da durchzuklicken, Bilder zu teilen, ich habe diverse Boards abonniert und sehe dort immer deren Bilder und das finde ich toll!"
Jana Mänz
Bei Pinterest geht es weniger darum, selbst etwas zu kreieren, stattdessen wird kuratiert. Eine wachsende Zahl an Onlinediensten ermöglicht das Zusammenstellen, Remixen und erneute Publizieren von Inhalten, die irgendwo im Netz verstreut sind. Dazu gehört zum Beispiel Storify, ein Service mit dem man aus Twitter-Meldungen, Bildern und Videos eigene Geschichten basteln kann. Auch Posterious oder Tumblr sind Seiten, auf denen Nutzer Inhalte zusammenstellen.
Doch ein großes Problem bleibt: Das Urheberrecht. Streng genommen muss der Fotograf gefragt werden, wenn man ein Bild pinnt und für die Verbreitung des Bildes muss man zahlen. Die Rechtslage ist nicht immer ganz klar. Christian Brandes fühlt sich überfordert:
"Da darf man auf keinen Fall anfangen zu googlen, da wird man nämlich völlig wahnsinnig. Da muss man sich an Fachleute wenden, aber auch Juristen sind da oft ratlos. Es gibt ja nicht umsonst eine Diskussion um ACTA, das Recht ist der technologischen Entwicklung noch nicht gefolgt, da gibt es für kaum etwas eine Lösung. bei vielen Sachen hoffe ich drauf, dass es irgendwie gut geht."
Christian Brandes
Teilen, neu Zusammenzustellen und das möglichst schnell und einfach: Die wenigsten Nutzer werden sich dabei an das Urheberrecht halten können und wollen.

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