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Wird das ein Comeback? Microsoft geht in die Offensive

Jahrelang wirkte Microsoft abgehängt - der einst wertvollste Konzern der Welt hatte fast alle neuen Entwicklungen verschlafen. Nun geht Microsoft in die Offensive: Windows 8, ein neues Ipad und schicke neue Flagship-Stores. Ob das klappt?

Stand: 25.10.2012
Microsoft Vize Präsident Mike Angiulo zeigt Surface am 18.6.2012 | Bild: Microsoft/picture-alliance/dpa

Lange nicht mehr gehört dieses Geräusch? Das war Mitte der 90er Jahre – und sagte uns damals: Der Windows-Computer fährt hoch und gleich öffnet sich das Fenster zur Welt. Wer ins Internet wollte, machte das fast ausschließlich mit einem Windows-PC. Windows war aber immer ein ungeliebter Helfer – darauf verzichten konnte nur, wer viel Geld hatte und einen Mac kaufte - oder viel Zeit und sich in Linux eingearbeitet hatte. Alle anderen kauften die billige Kiste - das Betriebssystem von Microsoft, das Office-Paket von Microsoft  und auch den Internetbrowser von Microsoft , sie alle waren gleich mit dabei – und haben eine „Gated Microsoft-Community“ gebildet. Und die Konkurrenten waren außen vor.

Uneingeschränkte Macht besaß der uncoole Riese Windows aber nur auf dem PC – der aber wurde mit der Zeit immer unwichtiger. Denn inzwischen geht auch das Navigationsgerät ins Internet, damit es weiß, wo der nächste Stau ist. Auch die Solaranlage auf dem Hausdach will ins Netz -  und natürlich immer öfter unser Handy, der smarte Rechner in unserer Hosentasche, der uns so sehr ans Herz gewachsen ist. Dorthin haben es die grauen Kisten mit dem Windows Betriebssystem nie geschafft.

Irgendwie immer zu spät

Irgendwann Mitte der Nullerjahre wurde das Wort Gadgets erfunden, für all den aufregenden, handlichen und hübschen neuen Technikkram. Microsoft wollte zwar auch gerne mitspielen, war aber immer zu spät dran: Der Zune Player etwa sollte der iPod von Microsoft werden – niemand wollte ihn. Smartphones mit Windows Betriebssystem gab es zwar lange vor dem iPhone – es waren vor allem Instrumente zum Arbeiten – Spaß machten sie nicht und hässlich waren sie auch noch.

Einzig die Xbox war halbwegs innovativ und hat Kunden zu begeisterten Fans gemacht. Allerdings: Auch die Game-Hersteller verdienen ihr Geld immer mehr mit den kleinen, portablen Geräten – eine mobile Konsole von Microsoft aber gibt es nicht. Vergangenes Jahr sagte Microsoft zwar vollmundig: „Das Windows Phone ist unsere Konsole“, das Betriebssystem läuft aber nur auf etwa fünf Prozent aller Handys. Warum also sollten Spieleentwickler aufwändige Games für die Windows Telefone programmieren? Deshalb tut sich Microsoft so schwer, aus der Nische zu kommen: Weil es zu wenig Spiele und andere Apps gibt, kaufen die Leute die Telefone nicht – und die Entwickler schreiben keine Software, weil sie auf der Windows-Plattform zu wenig Kunden haben. Da hilft es auch nicht, dass Microsoft-Chef Steve Ballmer vor allem mit einem bizarren Internet-Video bekannt geworden ist: Dort gibt er die Rampensau, rennt verschwitzt eine Bühne auf und ab und preist die Entwickler von Software.

Alles soll sich ändern

Doch mit Windows 8 soll sich alles ändern: Das neue Betriebssystem sieht aus wie die neueren Windows Telefone, die zwar nicht erfolgreich, aber ausgesprochen hübsch sind: Vor allem die bunten Lumia-Smartphones von Nokia sind berühmt geworden. Auf dem Display erscheint Windows, das gar nicht nach Windows aussieht: Kein Startknopf, keine Menüs und Untermenüs, sondern aufgeräumte Kacheln in kräftigen Farben, die an die Bedienelemente des neuen Raumschiff Enterprise erinnern.

Wird Windows 8 den Konzern in eine neue hippe Zukunft tragen?

Und dieser neue Look kommt ab Morgen nach und nach auch auf die grauen Kisten in unseren Büros: 90 Prozent aller Computer und Laptops in Europa laufen mit Windows. Microsoft bietet das neue schicke Design dann auf all seinen Plattformen an: Auf Handys, Tablets und den alten PCs. Der Plan: Endlich kann ich auf Dateien und Lesezeichen von überall zugreifen: vom Rechner im Büro vom Telefon und dem Tablet – denn natürlich will Microsoft alle Gerätschaften mittels Cloud untereinander vernetzen. Google und Apple machen das zwar schon erfolgreich – aber bis jetzt fehlte eben der Rechner im Büro in der Datenkette.

Aber reicht das schon aus, um aus dem hässlichen Entlein ein Zukunftsmodell zu machen? Für 8,5 Milliarden Dollar hat Microsoft Skype gekauft. Die Kommunikationssoftware soll auf allen Geräten in Zukunft fest eingebaut sein. Und: Seit drei Jahren öffnen in vielen amerikanischen Städten repräsentative Microsoft Stores – die ganz so aussehen, wie die von Apple. Vielleicht hat Windows doch noch eine Chance, viele Leute in seine gestylte neue Welt zu locken. Auch wenn Windows ab sofort keine Fenster mehr hat.


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