Bayern 2 - Zündfunk

Killerspiel, I mog di Gaming-Standort Bayern

Im April 2009 verglich Innenminister Joachim Herrmann gewalttätige Computerspiele noch mit Kinderpornographie. Und sein Vorgänger Günther Beckstein gilt als Erfinder des Begriffs "Killerspiel". Doch seit ein paar Jahren hat der Freistaat Computerspiele plötzlich lieb. Mittlerweile sind viele Initiativen und Projekte wieder gestoppt worden. War alles nur ein großes Missverständnis?

Autor: Christian Schiffer Stand: 21.02.2012
Wurzelimperium | Bild: Wurzelimperium

Knapp 3 Millionen Menschen sind weltweit bei "Wurzelimperium" angemeldet, einem Browserspiel der Bamberger Firma Upjers. Per Mausklick hegen und pflegen sie hier einen virtuellen Biogarten, pflanzen Pixel-Karotten und sabotieren mit Maulwürfen die Nachbargärten. Ein typisch deutsches Computerspiel also.

"Wurzelimperium" erinnert an Farmville, ist aber älter als das nervige Facebook-Spiel, mit seinen 35 Millionen Spielern. Zynga, die Firma hinter Farmville, macht mittlerweile über eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr. Mit Computerspielen kann man richtig viel Geld verdienen, das ist auch dem bayerischen Medienminister und Staatskanzleichef Thomas Kreuzer nicht entgangen: 

"Schlimme Games von irgendwo in der Welt": Ganz ohne Warnung vor gefährlichen Computerspielen, geht es in Bayern also immer noch nicht.

Doch in den letzten Jahren hat der Freistaat die Industrie umschmeichelt: Die Staatsregierung hat den Deutschen Computerspielpreis nach München geholt, das Branchentreffen Munich Gaming organisiert, Landtags-Abgeordnete eingeladen zum Rumdaddeln an parlamentarischen Spieleabenden und hat das "Cluster Audiovisuelle Medien" geschaffen, eine Stelle ein, die Gamesentwickler vernetzen und unterstützen sollte.

Thomas Kreuzer, Chef der Bayerischen Staatskanzlei

Heute sieht es anders aus: Das "Cluster Audiovisuelle Medien" wurde aufgelöst, die Munich Gaming findet nicht mehr statt, der Computerspielpreis steht auf der Kippe und im Landtag schafkopfen die Abgeordneten wieder, anstatt sich an Gamecontrollern die Finger zu verrenken. Immerhin bleibt die Förderung von 470.000 Euro im Jahr, die allerdings mickrig ist gegen die 28 Millionen Euro mit denen der Freistaat die Filmwirtschaft fördert. Staatskanzleichef Thomas Kreuzer will die Branche beruhigen:

"Wir fördern als erstes Bundesland die Gamesbranche. Diese Förderung wollen wir fortführen. Und wir setzen vor allem auch auf Ausbildungskapazitäten. Außerdem werden wir ein Mediennetzwerk bilden, als Nachfolger des „Clusters Audiovisuelle Medien“ und hier auch die Games-Industrie mit einbeziehen."

Thomas Kreuzer

Thomas Kreuzer will den Games-Standort Bayern neu aufstellen. Zwar mausert sich Bayern zur Ausbildungshochburg: Die TU München bietet mittlerweile einen Studiengang "Gamesdesign" an. Andererseits sind aber immer noch Berlin oder Hamburg in Deutschland die kreativen Zentren der Industrie.

Nicht gerade der Nabel der Gameswelt

Hamburg gilt als vorbildlich: Hier steht die Gamescity, ein Areal auf dem vor allem Gamedesigner arbeiten, ein echter Leuchtturm der Branche. Anders in Bayern: Hier sind kreative Pixelmacher über das Land verteilt. Das muss sich ändern, sagt der Andreas Zacherl, Chef des Indie-Klitsche Bit Barons:

"Es ist in der Spielebranche manchmal so, dass man sich in San Francisco trifft oder in Köln, obwohl man aus München ist. In München trifft man sich dagegen nie. Deswegen ist alles was hier lokal vor Ort stattfindet toll. Wir arbeiten aus diesem Grund darauf hin, dass wir einen gemeinsamen Standort für Spieleentwickler in München finden und etablieren können. Wo wir uns dann nicht nur mal am Abend treffen können, sondern wo wir gemeinsam arbeiten können und unsere Büros haben. Das würde es viel einfacher machen zu kooperieren und gemeinsame Sachen zu schaffen."

Andreas Zacherl