Facebook knackt die Milliarde Wie der Newsfeed die Welt verändert
1 Milliarde Nutzer, Kinoverfilmung, verpatzter, aber gigantischer Börsengang - Facebook ist aus dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Wie wird es weitergehen? Philipp Roth, Social-Media-Berater und Gründer des Blogs allfacebook.de, sieht Facebook nicht ewig an der Spitze des Web-Olymp.
"Um Facebook abzulösen, muss was komplett Neues kommen. Es kann kein neues Design von MySpace sein oder Google Plus, das eigentlich genau das gleiche macht wie Facebook. Nur weil das andere besser zu benutzen ist oder ein bisschen schöner aussieht oder den Datenschutz besser handhabt, wird kein Nutzer mit allen seinen Kontakten umziehen."
Social-Media-Berater Philipp Roth
Es wird also schwer für die Konkurrenz. Kein Mensch weiß, welcher Dienst Facebook ablösen könnte. Denn Facebook hat nicht nur gigantische Nutzerzahlen, mit seinem Like Buttons hat sich Facebook überall im Netz breitgemacht. Kein neues StartUp kommt mehr ohne eine Facebook-Login-Funktion aus, egal welches andere Portal wir nutzen, der Share-Button zu Facebook ist nur einen Klick entfernt.
Aber Facebook will weiter wachsen. China könnte ein neuer Mrkt sein, doch dort ist Facebook offiziell gesperrt und schon Google machte dort sehr schlechte Erfahrungen mit den Zensur-Behörden. Also will Mark Zuckerberg mehr Geld mit Smartphone-Kunden verdienen. Zum Beispiel mit mehr Werbung, meint Philipp Roth vom Branchenblog allfacebook.de:
"Bis jetzt sieht der Nutzer schon ein paar Anzeigen im News Feed und ist sich kaum bewusst, dass das Anzeigen sind. Vor allem auf Smartphones merkt kaum ein Nutzer, dass dort Werbung stattfindet, obwohl bis zu 25 Prozent der Inhalte auf Handys schon Werbung sind. Keiner merkt, wie kommerziell das Ganze schon ist."
Philipp Roth
Der News Feed - die Mittelspalte aus Belanglosigkeiten, tollen Fotos, schlechten Witzen, lustigen Zitaten unserer virtuellen Freunde - wurde erst 2006 unter Protest der Nutzer eingeführt, ist aber längst das Herzstück von Facebook. Viele halten den News Feed für den legitimen Nachfolger der Email. René Herzer berät mit seiner Agentur Neuland und Herzer Firmen wie Mercedes oder die Telekom, wie sie mit sozialen Medien umgehen sollen. Für ihn ist der News Feed aber kein neues Medium.
"Der Newsfeed ist eine Kulturtechnik, die mir ermöglicht, Informationen leichter zu strukturieren. Man kann an einer Stelle alles zusammenführen, wofür man sonst unterschiedliche Orte aufsuchen muss. Das ist die eigentliche Inovation des News Feeds: Zusammenfassung, Aggregation."
René Herzer
Und diese Kulturtechnik ist längst nicht mehr nur für den privaten Gebrauch auf Facebook praktisch. Das amerikanische Netzwerk Yammer ist nahezu eine Eins-zu-Eins-Kopie von Facebook. Mit dem entscheidenden Unterschied: Dort findet keine private Kommunikation statt, sondern Mitarbeiter von Konzernen wie zum Beispiel Shell oder DHL posten dort in geschlossenen Bereichen und organisieren so ihre Arbeit. René Herzer verwendet in seiner Agentur Yammer, um die Mitarbeiter an unterschiedlichen Standorten zu vernetzen.
"Mit Yammer bekommt man mit, was in der Firma gefragt wird, was gesucht wird, oder auch was sie fühlen oder denken. So entsteht ein soziales Gefühl. Das Gefühl der Firma wird abgebildet."
René Herzer
Egal, ob es Facebook in ein paar Jahren so noch gibt - der News Feed als Erfindung, Medium, Kulturtechnik, virtueller Marktplatz wird bleiben und sich in unserem Leben noch weiter ausbreiten: im Privatleben wie in der Arbeitswelt.
Aber so praktisch, unterhaltend und effektiv der News Feed als Kommunikationsform auch ist, birgt jede Technologie auch Risiken:
"Der News Feed wird immer schlauer, je mehr ich mache. Das birgt aber auch die Gefahr, nämlich, dass diejenigen, die den Algorithmus des Neews Feeds programmieren, auch steuern können, was ich zu sehen bekomme und was nicht. Das wir also entmündigt werden."
René Herzer

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