Drängt Apple ins Fernsehgeschäft? iPod, iPhone, iTV
Erst hat Apple aus hässlichen mp3-Playern stylische iPods gemacht. Dann aus Handys begehrte iPhones. Was wird aus der Glotze im Wohnzimmer, wenn Apple demnächst Fernsehen macht?
Seit ein paar Monaten vergeht kein Tag, an dem die Gerüchteküche nicht befeuert wird: Kommt er oder kommt er nicht - und wenn ja, wann? Wie sieht er aus, was kostet er und was kann er? Steve Jobs himself hat ihn noch angekündigt: Den Fernseher von Apple.
"Ich möchte einen ganzheitlichen Fernseher entwickeln, der extrem einfach zu bedienen ist. Er wird die einfachste Bedienung haben, die man sich vorstellen kann. Und diese Aufgabe habe ich inzwischen gelöst."
Steve Jobs
Und dieses Fernsehgerät soll auch endlich Internet und Fernsehen miteinander vereinen. Eine Vision, an der sich schon einige andere Hardware-Firmen versucht haben. Der Marktanteil dieser Geräte ist mit 15% schon ganz gut, der große Durchbruch blieb aber bis jetzt aus. Der Apple-Fernseher könnte das ändern. Denn Apple hat schon mehrfach gezeigt, wie man bereits existierende Nischenprodukte durch einfache Benutzerführung und ein slickes Design für die breite Masse aufpimpt und trotz astronomischer Verkaufspreise zu Bestsellern macht. Der Journalist und Apple-Fan Richard Gutjahr war 2010 der erste Besitzer eines iPads weltweit und freut sich auf das Fernsehen der Zukunft.
"Apple hat immer damit überrascht, bereits existierende Produkte so zu bauen, dass sie jeder blind bedienen konnte. Ich habe schon so viel Zeit unnötig mit Zappen verballert. Beim Fernseher der Zukunft wird es das nicht mehr geben. Er sucht mir das heraus, was ich in diesem Moment sehen möchte."
Richard Gutjahr
Dass der Apple Fernseher noch dieses Jahr kommt, ist ziemlich sicher. Bildschirmhersteller in Asien arbeiten laut Insidern schon an den Screens, in Kanada sollen Prototypen aufgetaucht sein, der Online Händler Best Buy befragt seine Kunden, ob sie das Gerät haben wollen. Aber was könnte uns der neue Super-Fernseher bringen? Für Richard Gutjahr bekommt das Fernsehen eine neue Dimension.
"Wir werden nicht nur durch Kanäle zappen, sondern auch in der Zeit. Zum Beispiel werde ich abrufen können, was gestern Abend gelaufen ist. Oder was noch gar nicht gelaufen ist: Den Film 'Margin Call' mit Kevin Spacey zum Beispiel hat es erst bei iTunes gegeben, dann erst im Kino."
Richard Gutjahr, Apple-Fan
Der Zuschauer wird zum Programmchef: YouTube-Videos, ZDF-Vorabendserien, aktuelle Kinofilme und die eigenen Homevideos stehen gleichberechtigt nebeneinander. Aber das ist noch längst nicht alles. Unter dem Schlagwort Social TV wird der gemeinsame Fernsehabend virtuell. Schon heute twittern die Fans parallel zu TV-Events wie dem Tatort oder Wetten, dass...? was das Zeug hält. Unter dem Hashtag #tatort wird gewitzelt, der Mörder gesucht, das Drehbuch oder die Regie in Echtzeit gelobt oder verrissen.
Während man momentan dafür zwischen Smartphone, Computer und Fernseher hin- und herwechseln muss, könnte der Fernseher der Zukunft das alles auf einem Bildschirm bündeln: Du verabredest dich mit deinen Kumpels zu einer virtuellen Fernsehrunde. Deine Freunde werden per eingebauter Kamera und Mikrophon ins Wohnzimmer geholt und grinsen direkt neben den Kommissaren aus der Glotze heraus. Und natürlich ist das alles auch ein feuchter Traum für Werbeleute. Schon mit heutigen, handelsüblichen Geräten kann man direkt aus der laufenden Fernsehsendung heraus Musiktitel kaufen.
Apple wäre nicht Apple, wenn es nicht zusätzlich zu der schicken Hardware gleich ein schickes Vermarktungskonzept für Inhalte gäbe, so wie iTunes für Musik oder den AppStore für Software auf dem iPhone und iPad. Wer es sich leisten kann, wird sich in Zukunft ganz leicht die neue Serie oder den Spielfilm werbefrei für ein paar Euro auf den Fernseher holen. Alle anderen bekommen passend zum Inhalt des Films gleich die Shopping-Links für die Schuhe von Carrie Bradshaw oder das Sakko von Don Draper eingeblendet: Eine Mischung aus Fernsehsendung und Shoppingkatalog, die dem Begriff "Product Placement" eine ganz neue Bedeutung geben würde.
Jetzt wollen wir natürlich wissen, was Apple selbst zu all den Spekulationen und Gerüchten sagt. Aber auch nach dem Tod von Firmengründer Jobs hat sich an der Unternehmenskommunikation nicht viel geändert. Zum iTV lässt uns Pressesprecher Georg Albrecht mit breitem Grinsen wissen:
"Es gibt immer Gerüchte um uns, aber wir sprechen nie über die Zukunft, wir gestalten sie vielleicht ein bisschen mit. Mehr kann ich dazu nicht sagen."
Apple-Sprecher Georg Albrecht
Ein Dementi klingt anders. Aber egal wie grandios der Apple Fernseher aussehen oder zu bedienen sein wird – ohne Inhalte wird auch dieses Gerät nicht funktionieren, meint Richard Gutjahr:
"Ohne die Rechte an Filmen und Serien ist ein solches Gerät nichts wert. Deswegen sind die großen Technik-Player im Silicon Valley drauf und dran, mit Hollywood-Studios und Fernsehsendern zu verhandeln, um an dieses Material zu kommen. Das wird die entscheidende Schlacht werden. Wer das zuerst schafft, der wird gewinnen."
Richard Gutjahr

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