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Kommentar zu Fußball-Übertragungsrechten Warum es gut ist, dass die Champions League bald nur noch im Pay-TV läuft

Ab 2018 läuft die Champions League nur noch im Pay-TV. Sky und DAZN haben sich die Medienrechte gesichert. Das ZDF, das bisher ein Spiel pro Woche gezeigt hat, geht leer aus. Das führt zu Frust bei Millionen Zuschauern, ist aber nur auf den ersten Blick eine schlechte Nachricht. Es ist nämlich gut möglich, dass die Mega-Blase Fußball bald endlich platzt.

Von: Niklas Schenk

Stand: 13.06.2017

Champions League Finale 2017, Gewinner Real Madrid | Bild: picture-alliance/dpa/Elmar Kremser/SVEN SIMON

Sky und DAZN teilen sich in Zukunft die Champions League-Rechte. Das steht seit heute fest. Wie genau diese Aufteilung aussehen wird, haben beide Sender noch nicht bekanntgegeben: Vermutlich wird Sky den Großteil aller Spiele und alle deutschen Partien ausstrahlen und DAZN einen kleineren Teil auf seiner Streaming-Plattform zeigen. Zusammen zahlen beide Sender einen dreistelligen Millionenbetrag im Jahr – zu viel für das ZDF, das in den Jahren zuvor geschätzte 50 Millionen pro Jahr für die Champions League ausgegeben hatte.

Die Champions League nur noch im Pay-TV. Das bedeutet: Wer die Elite des internationalen Fußballs inklusive der deutschen Teilnehmer sehen möchte, muss in Zukunft also ein oder noch besser zwei Abos abschließen.

"Wir hätten unseren Zuschauern gerne auch über 2018 hinaus die Livespiele der Champions League gezeigt. Deshalb hat das ZDF ein sehr gutes Angebot abgegeben. Als beitragsfinanzierter Sender gab es dafür allerdings eine klar definierte Obergrenze. Wir sind auch ohne die Rechte wettbewerbsstark und haben Alternativen. Anstelle der Übertragungen können wir künftig in andere hochwertige Programmangebote investieren. Für die Fußballfans ist die Verlagerung der Champions League in das Pay TV eine schlechte Nachricht. Europäischer Spitzen-Fußball wird zu einem exklusiven Angebot für deutlich weniger Zuschauer als bisher."

ZDF-Intendant Thomas Bellut

Fußball-Kapitalismus in Deutschland angekommen

In England oder Spanien wird die Champions League schon lange ausschließlich im Pay-TV gezeigt. Nun ist der Fußball-Kapitalismus endgültig auch in Deutschland angekommen. Das ist gut so. Der Fan, der bisher vom Abflug der Bayern zu einem wichtigen Auswärtsspiel bis zum unbedeutenden Qualifikationsspiel in erstaunlicher Geduld alles zum Thema Fußball geschaut hat – und dieses Programm oft auch in den Öffentlich-Rechtlichen serviert bekam – muss sich endgültig entscheiden.

Will er für Fußball 20 Euro oder mehr im Monat zahlen? Ist der Fan bereit, zwei oder mehr Abos abzuschließen und sich verschiedene Receiver anzuschaffen?

Fest steht: Es drängen immer mehr internationale Großkonzerne in den Sportrechtemarkt. DAZN – mit der milliardenschweren Perform-Group im Rücken – oder Sky aus dem Murdoch-Imperium sind nur der Anfang. Olympia hat sich vor kurzem der ebenfalls sehr potente Discovery-Konzern gesichert, die Fußball-Länderspiele sind seit einigen Jahren bei RTL. Und Unternehmen wie Amazon, Google oder die Telekom sind auch schon ganz heiß darauf, ihr Stück vom Kuchen zu bekommen.

Überforderung bei den Zuschauern

Digital und analog kann – oder muss – sich der Fan zwischen Sky, Sky Go, Eurosport 1 und 2, DAZN, Sport 1, Sport 1+, One und vielen mehr entscheiden. Und weil so viele Player am Mega-Geschäft Fußball verdienen wollen, werden noch mehr Nebensächlichkeiten in der Fußball-Berichterstattung hochgepusht werden. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Wie bei Spielen der Nationalmannschaft gerade zu beobachten ist: Es könnte sein, dass die Zuschauer der aufgeblasene Fußball-Zirkus irgendwann einfach nicht mehr interessiert. Oder sie aus schlichter Überforderung bei so vielen verschiedenen Angeboten abschalten. Wenn es gut läuft, sorgt diese Entscheidung dafür, dass die Fußball-Blase zeitnah endlich platzt. Das ZDF wird seine Millionen, oft sehr jungen, Fußball-Zuschauer vermissen. Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender bei diesem Wettbieten aber nicht mehr mitmacht, ist richtig.


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