Bayern 2 - Zündfunk

"The United States of Hoodoo" Dokumentarischer Hokuspokus

Obama hat für ein größeres Selbstbewusstsein der Afro-Amerikaner in den USA gesorgt. Das zeigt auch dieser Dokumentarfilm, der den Voodoo-gläubigen Autor Darius James auf seiner Reise zu Hoodoo-Priestern, weißen Traumtänzerinnen und Blues-Exegeten begleitet.

Von: Roderich Fabian Stand: 26.07.2012
Historikerin Kanene Holder | Bild: © Stoked Film Produktion

Darius James ist sozusagen der Hauptdarsteller in diesem Dokumentarfilm. Wir begleiten ihn nach New York, Mississippi und Louisiana auf der Suche nach den afrikanischen Ursprüngen der USA. James macht gleich am Anfang klar: Er glaubt an Voodoo, den heidnischen Kult, der vor allem in Haiti noch gepflegt wird. Er findet Voodoo-Anhänger überall, zum Beispiel bei der New Yorker Kunst-Kuratorin Shantrelle Lewis, die die zentrale These des Voodoo erklärt:

"Deine Vorfahren begleiten dich. Sie sind nicht einfach irgendwo zufällig verschwunden. Nein, sie beschützen dich jeden Tag. Schau dir diese Gläser mit Wasser an. Jedes Glas repräsentiert eine andere Gruppe meiner Vorfahren."

Kuratorin Shantrelle Lewis

Auf einer "Jazz Funeral"

Tatsächlich verbeugt sich die Frau dabei ehrfürchtig vor einem Tablett mit Wassergläsern. Gleich am Anfang bekommt man also das Gefühl: Was soll der Quatsch? Will uns Darius James hier wirklich Hokuspokus als alternative Religion verkaufen? Aber die Suche nach den afro-amerikanischen Roots hat natürlich auch eine politische Seite. Also besucht Darius James eine Gedächtnisstätte: Mitten im Finanzdistrikt Manhattans gibt es ein Monument, das an alle ethnischen Minderheiten erinnert, die geholfen haben, New York aufzubauen: Der Burial Ground, ein symbolischer Friedhof der Unterdrückten. Dort trifft er die Historikerin Kanene Holder, und sie erinnert an die dunklen Zeiten der amerikanischen Geschichte.

"New York war und ist das Drehkreuz des Kapitalismus. Und der basiert auf Sklaverei. Die Banken versicherten die Sklaven und investierten in sie. Die East India Company und die West India Company machten Geschäfte mit dem Menschenhandel. Sogar Lehman Brothers - alle diese Firmen wären heute nicht das, was sie sind, wenn sie nicht von der Sklaverei profitiert hätten."

Historikerin Kanene Holder

Historikerin Kanene Holder

Hoodoo, die amerikanische Variante des haitianischen Voodoo-Kultes, erscheint in diesem Film als Kultur der Afro-Amerikaner, die immer unterdrückt wurde. Am meisten davon erhalten ist natürlich in den Südstaaten der USA. Dort gibt es längst auch Weiße, die von der alten Religion - so bezeichnet es James -  besessen sind. Sally Ann Glassman hat einen Voodoo-Shop in New Orleans und macht Kurse, in denen man die Rituale des Kults erlernen kann - eigentlich aber ist sie ein Hippie.

"Bei Voodoo geht’s nicht um Gut oder Böse. Insofern macht die Annahme, dass Gott die Bösen bestraft, im Voodoo-Kontext keinen Sinn. Bei Voodoo geht`s um Balance, dem Erschaffen einer Balance in deinem Leben und in der Gemeinschaft. Es geht um dein Verhältnis zur spirituellen Welt. Deshalb kämpfen auch so viele wundervolle Leute in New Orleans dafür, diese Besonderheit zu bewahren."

Sally Ann Glassman

Darius James in New York City

Eine lange Passage zeigt uns junge Weiße in New Orleans, die alte afrikanische Tänze und Gesänge aufführen. Spätestens hier wird klar, dass der Voodoo-Hoodoo-Schnickschnack kaum etwas mit mystischen Kräften zu tun hat, sondern eher eine spezielle Form von Esoterik darstellt. Von der ist Darius James halt besonders fasziniert:

"Nein, ich bin kein spiritueller Tourist. Ich bin nicht auf der Suche nach Erleuchtung wie die Hindus in Indien oder die Buddhisten in Japan und Tibet. Ich bin Amerikaner in einer amerikanischen Stadt. Ich suche nicht außerhalb meiner Kultur. Ich reise auf einem Nebenfluss, auf der Suche nach der Quelle, die Amerika die Spiritualität gegeben hat."

Autor Darius James

Es gibt schöne Landschaftsbilder und schöne Musik in „The United States of Hoodoo“ Aber so sinnlich das alles ist, so willkürlich erscheinen doch die Zusammenhänge und Weisheiten, die uns Darius James und der deutsche Regisseur Oliver Hardt hier auftischen wollen. Die Emanzipation der Afro-Amerikaner wird nicht durch die Wiedererweckung alter Kulte passieren, sondern durch eine Politik, die Diskriminierung unmöglich macht. Dazu braucht man keinen Hokuspokus.


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