Bayern 2 - Zündfunk


15

Biopic "All Eyez On Me" Wie der gewaltbereite Gangster 2Pac zum Idol wurde

Only the Good die young – 21 Jahre nach dem Mord an TuPac Shakur kommt ein Biopic ins Kino, das den verschlungenen Lebensweg des Gangsta-Rappers nachzeichnet. Danach hat man die Wahl, den Mann als Pop-Ikone oder als Verbrecher mit dem coolsten Flow zu verstehen.

Von: Roderich Fabian

Stand: 14.06.2017

TuPac Shakur Darsteller Demetrius Jipp Jr. | Bild: picture-alliance/AP/Invision

Im letzten Drittel von "All Eyez on me" gibt es eine Szene, da besucht 2Pac seinen Stiefvater im Knast. Der Zuschauer hat den revolutionären Stepdaddy schon am Anfang des Films kennengelernt. Trotzdem erscheint ein Insert auf der Leinwand: "2Pac besucht seinen Stiefvater im Gefängnis". Offensichtlich misstrauen die Filmemacher dem Erinnerungsvermögen des Publikums – oder – und das ist meine Vermutung: Sie misstrauen der Intelligenz der Zuschauer. Denn "All Eyez on me" ist von vorne bis hinten so gemacht, dass auch der Dümmste mitkommt. Regisseur Benny Boom offenbart im Interview, das zum Pressematerial des Films gehört, jedoch viel höhere Ansprüche: "Die Idee des Films ist: Welche Ereignisse seines Lebens haben ihn an diesem siebten September in diesen BWM gesetzt? Also: Was ist in seinem Leben passiert, dass es so kommen musste? Wenn du den Film siehst, erkennst du die Dinge, die ihn vom geraden Weg abgebracht haben und am siebten September 1996 zu dieser tödlichen Autofahrt geführt haben."

2Pac ein Self-Made-Man?

Tatsächlich bekommen wir schön chronologisch die Lebensgeschichte des Rappers präsentiert, von der Kindheit und Jugend in New York und Baltimore bis zum Umzug ins kalifornische Oakland und schließlich zum Attentat in Las Vegas. Die Rolle der Mutter Afeni Shakur, die ja auch aus dem revolutionären Umfeld der Black Panthers stammte, wird freilich als eher hinderlich für 2Pacs Karriere dargestellt. Statt für den Umsturz zu arbeiten, verpennt "Dear Mama" die Tage Crack-vernebelt im Schlafzimmer. Das soll die These stützen, dass 2Pac ein Self-Made-Man war, der den Amerikanischen Traum gelebt hat. Aber Benny Boom wollte mit der Vorgeschichte auch auf 2Pacs politische Ambitionen aufmerksam machen, die nach seinem Deal mit dem Gangsta-Label "Death Row Records" wohl etwas aus dem Fokus geraten sind.

"Pac hat anfangs ein Revolutionär sein wollen, eine Stimme des Volkes. Wir wollen diesen Teil seiner Geschichte vermitteln. Alle kennen den Death-Row-2Pac, aber vielleicht nur die Hälfte den Strictly-4-my-N.I.G.G.G.A.Z-2Pac, kaum jemand den Digital-Underground-Pac. Seine Vorgeschichte vor Death Row präsentiert also einen Menschen, der den meisten völlig unbekannt ist."

2Pac war der "Original Gangster"

Man muss hier dazu sagen, dass 2Pac erst den Legendenstatus erreichte, nachdem er bei "Death Row Records", also bei Labelboss Suge Knight und bei Produzent Dr. Dre untergekommen war. Die wollten nicht die Revolution, sondern mit den derbsten Reime die dickste Kohle machen, was auch bestens gelang, vor allem durch den großartigen Flow des Rappers 2Pac. Diesem wiederum kam die Ausrichtung des Labels mehr als gelegen. 2Pac war nämlich – das macht dieser Film ganz deutlich – niemals ein Klassenkämpfer, sondern ein aufstiegsorientierter und jederzeit gewaltbereiter Gangster, dem es als erstem Rapper der Geschichte gelang, als Knast-Insasse auf Platz eins der amerikanischen Albumcharts zu stehen. 2Pac war der OG, der "Original Gangster", dem heute weltweit die Rapper nacheifern.

Am Ende dieses langen, schlüssig gemachten und leicht verständlichen Films kann sich doch wieder jeder seinen eigenen Reim auf 2Pac machen. Für Leute, die einen Rapper nur mit Einschusswunden "real" finden, muss diese Filmfigur als eine Art Heiland erscheinen. Für mich ist 2Pac am Ende ein überbegabter Rapper, der sich vom Glam verführen ließ, zu viele dubiose Freunde und zu viel Flausen im Kopf hatte, um den Überblick zu behalten. Der Tod in Las Vegas war dann kein historisches Ereignis mehr, sondern nur ein tragischer Nebeneffekt.


15