Heavy Metal für's Kino Der Action-Film "The Raid"
Musikalische Genres haben ihre Entsprechung im Kino: Highschool-Streifen machen's mit Indie-Rock, Mystery-Thriller mit Dark Wave. Die Heimat für Heavy Metal ist der Action-Film. Linkin-Park-Sänger Mike Shinoda schrieb die Musik für "The Raid", den angeblich besten Action-Film 2012.
Eine Spezialeinheit der Polizei von Djakarta, Indonesien stürmt ein Hochhaus, in dem sich ein Drogenbaron mit Hunderten seiner Männer verschanzt hat. Das ist eigentlich die ganze Story von "The Raid". Aber das bringt uns zu Regel Nummer eins im Action-Genre:
Die Story ist völlig egal.
Natürlich aber braucht es eine Hauptfigur. Hier ist es ein Mitglied der Spezialeinheit. Am Anfang sehen wir ihn, wie er zunächst seine Muskeln stählt, um sich dann liebevoll von seiner schwangeren Frau zu verabschieden. Der Mann verfügt also über Gefühl und Härte, und damit ist Regel Nummer zwei beherzigt:
Die Hauptfigur überlebt auf jeden Fall.
Gespielt wird sie von Iko Uwais, einem Meister der indonesischen Kampfsportart "Silat", zu deutsch: Der Tanz. Wir haben es hier also mit einem sogenannten Martial Arts Film zu tun. Seit den Hongkong-Filmen mit Bruce Lee in den 70er Jahren stehen asiatische Kampfkünste bei Kino-Freunden in hohem Ansehen und werden längst auch im Westen eingesetzt, siehe Tarantinos "Kill Bill". Natürlich geht's dabei um Gewalt, aber die wird eben minutiös inszeniert. Deswegen gilt Regel Nummer drei:
Die Choreographie der Gewalt macht aus Action Kunst.
Tatsächlich stehen hier die sozusagen getanzten Zweikämpfe im Mittelpunkt. Im Lauf des Films werden – bei den Guten und bei den Bösen - Charaktere herausgearbeitet, die für bestimmte Kampftechniken stehen, von besonders brutal bis fies, gemein und hinterhältig.
Ab und zu finden auch Dialoge statt. Man muss dem Zuschauer zum Beispiel erklären, warum die Polizeieinheit immer mehr aufgerieben wird, ohne dass Hilfe naht. Der Lieutenant hat seine Truppe aus privaten Rache-Motiven in die Schlacht gegen die Gangster geführt. Und das ist auch ganz wichtig für den Film, denn natürlich gilt - nachdem sich die Leichen allmählich stapeln - die Regel:
Ein Mann besiegt eine Armee.
"The Raid" orientiert sich dabei an der "Die Hard"-Trilogie mit Bruce Willis und - inzwischen viel wichtiger - am Prinzip eines Ego-Shooter-Spiels, was bekanntlich Männersache ist. Inszeniert hat den Film der Waliser Action-Spezialist Gareth Evans, der in Indonesien lebt, also östliche und westliche Gewaltfantasien vereint. Evans bezieht sich auf den Großmeister des Genres, den Chinesen John Woo, der ja sowohl in Hongkong als auch in Hollywood gearbeitet hat.
Was macht "The Raid" nun aber zum Action-Spektakel des Jahres, auf den sich alle Spezialisten einigen können? Die Antwort ist einfach. Der Film beherzigt - anders als die politisch inzwischen immer ein bisschen korrekten Filme aus den USA - die wichtigsten Regeln für dieses Genre:
Moral spielt keine Rolle, Pardon wird nicht gegeben.
Es gibt also nur zwei Zielgruppen, die bei "The Raid" voll auf ihre Kosten kommen: Action-Nerds, die endlich mal wieder neue Moves und neue Gesichter in perfekter Choreographie sehen wollen und … hirnverbrannte Idioten.

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