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Superhelden-Serie "The Defenders" Warum Marvels "Defenders" nur in der zweiten Liga spielen

Superhelden gibt es viele, aber niemand ist so schön kaputt wie Jessica Jones, Daredevil, Luke Cage und Iron Fist - kurz "The Defenders". Ab dem 18. gibt es die neue Marvel-Serie bei Netflix zu sehen. Christian Alt sagt Euch, ob sich die Serie lohnt.

Von: Christian Alt

Stand: 16.08.2017

The Defenders | Bild: Netflix

Wenn das Marvel-Universum ein Schulhof wäre, dann sind die Avengers – also Iron Man, Captain America und Co. – die Coolen. Sie sind die beliebten Sportler, die die geilsten Partys feiern und auf die sogar die Lehrer stehen. Aber nicht jeder kann zu den coolen Kids gehören. Netflix verfilmt seit längerem die Raucherecke des Marvel-Universums: Kaputte Helden, die kaum mit ihren Kräften klarkommen: Jessica Jones, Daredevil, Luke Cage und Iron Fist. Alle vier bilden zusammen die Superheldenclique "Defenders" - das Emo-Gegenstück zu den "Avengers". Seit zwei Jahren verfilmt Netflix jetzt schon das Defenders-Universum. Muss man das alles gesehen haben, um sich jetzt „The Defenders“ anzuschauen? Nein! Denn die Story ist so platt, da reicht sogar der Trailer.

Die vier Superfreunde kämpfen gemeinsam gegen Alexandra, gespielt von einer tollen Sigourney Weaver. Die ist die oberböse Chefin der oberbösen Geheimorganisation „Die Hand“, welche mit Kung-Fu die New Yorker Unterwelt beherrscht. Eine Geschichte, die glatt von einem 80er-Karatefilm geklaut sein könnte. Ja, die Defenders sind Trash, aber: Es ist Edeltrash. Die Action ist gut gemacht, die Sprüche sitzen und die vier Superfreunde harmonieren.

Bitte einmal Plattitüde mit Action

"The Defenders" lässt die Fäuste sprechen

Was die Defenders aber vermissen lassen, ist die zweite Ebene, die frühere Marvel-Serien ausgezeichnet hat. Denn bisher erzählten die Geschichten von Außenseitern und haben gleichzeitig heikle Themen angeschnitten: Jessica Jones ist eben nicht nur eine alkoholkranke Privatdetektivin, sondern eine traumatisierte Heldin, die über 13 Folgen versucht, eine Vergewaltigung zu verarbeiten. Daredevil handelt vom Umgang mit Behinderten in unserer Gesellschaft und Luke Cage versucht, schwarze Kultur authentisch und ohne Kompromisse darzustellen. Nur die letzte Serie, „Iron Fist“, passte hier nicht mehr rein. Iron Fist ist ein weißer Richie Rich, der sich zufällig mit antikem Wissen auflädt und so seine Faust zum Glühen bringt. Leider gehen auch die Defenders nicht weiter in die Tiefe. Stattdessen stammeln die Bösewichte irgendwelche Plattitüden, damit ganz schnell wieder gekämpft werden darf.

The Defenders kommt nicht an die Avengers-Filme dran

Der erste Avengers-Film, der vor fünf Jahren alle coolen Superhelden der Marvel-Kinofilme in einem Film zusammenbrachte, war witzig, schlau und gut inszeniert. Die Defenders sind hier nur die zweite Liga: Weniger witzig, weniger schlau, weniger gut inszeniert.

Sigourney Weaver spielt die oberböse Chefin der Geheimorganisation „Die Hand“

Leider wird das ein Niveau sein, auf das sich Marvel-Fans einstellen müssen. Denn wie vergangene Woche angekündigt, will der Mutterkonzern Disney seinen eigenen Streamingdienst aufmachen und behält die Rechte an diversen Serien und Filmen natürlich für sich. Damit werden irgendwann nicht nur Animationsfilme wie „Frozen“ verschwinden, sondern eben auch die „Avengers“. Aber weil Netflix damals gut verhandelt hat, dürfen sie immerhin die „Defenders“ behalten. Ein schwacher Trost. Das ist so als würde der FC Bayern nach Liechtenstein abwandern und es bleiben nur noch die Löwen, Greuther Fürth, Ingolstadt oder Jahn Regensburg. Das ist nett, aber erstklassig sieht anders aus.

Nach dem Disney-Exit hat Netflix gerade zum Gegenschlag ausgeholt. Sie haben Shonda Rhimes, die erfolgreichste Fernsehautorin aller Zeiten, verpflichtet für Netflix Serien zu schreiben. Der Kampf um Autoren und natürlich die Zuschauer geht damit in die erste Runde.


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