Bayern 2 - Zündfunk

Angelas Vorzeige-Junker Das Prinzip Matthias Schweighöfer

Matthias Schweighöfer ist seit gut zehn Jahren aus kaum einer deutschen Komödie wegzudenken. Inzwischen führt er auch Regie: Gerade läuft sein "Schlussmacher" im Kino. Zeit für eine Abrechnung

Von: Roderich Fabian Stand: 10.01.2013
Matthias Schweighöfer | Bild: picture-alliance/dpa

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn es Benjamin von Stuckrad-Barre nicht gäbe. Hätte der vor zehn Jahren verhindert, dass seine selbstgefällige Autobiographie "Soloalbum" verfilmt wird, würde Matthias Schweighöfer vielleicht heute den Hamlet am Stadttheater Rostock spielen, aber so wurde er 2003 zum Meister der Klamotte.

Oops I did it again

Matthias Schweighöfer 2003 in "Soloalbum"

Stuckrad-Barre fand das vor zehn Jahren wahrscheinlich subversiv, Matthias Schweighöfer vielleicht einfach nur geil – jedenfalls etablierte dieser Film den Schauspieler als feste Größe im deutschen Kino. Seitdem ist er überall, nur nicht im Stadttheater von Rostock. Der kecke Blonde aus Vorpommern repräsentiert wie kein Zweiter den Vorzeige-Junker der neoliberalen Ära Angela Merkel. Lebe leicht und oberflächlich, sagt uns Matze und vor allem: Nimm die Verhältnisse hin, wie sie sind! Wer miesepetert, hat verloren. Als derartiger Sunnyboy kann es sich Schweighöfer leisten, stolz darauf zu sein, die Schauspielschule abgebrochen zu haben, wie er am Rande von Wetten Dass erzählt hat.

Bildung braucht's nicht, Handwerk genügt – nach diesem Credo ist Schweighöfers Karriere dann auch weitergegangen und hat ihn sehr schnell in die Arme des aktuell erfolgreichsten deutschen Filmhandwerkers geführt, zu Til Schweiger. Der sieht ihn als jüngeren Wiedergänger und hat ihn ermutigt, selbst Filme zu inszenieren, Beziehungskomödien natürlich. Schweighöfers erster Streich von 2011 "What a Man" – unterfüttert mit Musik von Lena Meyer-Landruth - war mit knapp zwei Millionen Besuchern gleich ein Hit. Also hat er schnell nachgelegt und kommt uns nun mit einer Art Albern-Version des tollen George-Clooney-Films "Up in the Air", wo ja ein Mann gegen Geld die Kündigungen anderer exekutiert. In "Schlussmacher" geht's aber nicht um die Folgen der Wirtschaftskrise, sondern ums heitere Beenden von Beziehungen durch eine Schlussmacher-Agentur. Selbstverständlich spielt er – wie Til Schweiger das vorexerziert hat – auch gleich die Hauptrolle.

Schnurzel wird angerufen

"Schlussmacher" ist ein luxuriös finanziertes und durchkalkuliertes Mainstream-Produkt. Von Til Schweiger hat Schweighöfer die amerikanische Art gelernt, nicht vor Sahnetorten-Humor und Sentimentalität zurückzuschrecken, wenn man Umsatz schieben will. Mit viel Privatfernsehunterstützung, mit Auftritten in Videos von Boy Groups, die wiederum im Soundtrack auftauchen, mit den Büchern zum Film und jeder Menge Product Placement und Cross-Promotion von Mercedes bis Vodafone hat man hier ein Rundum-Sorglos-Paket geschnürt, das den Film schon nächste Woche auf Platz 1 der deutschen Kino-Charts bringen wird. Das alles wäre ja noch nicht so schlimm, wären da nicht die Langzeitfolgen: Matthias Schweighöfer wird auf lange Zeit aus der deutschen Populärkultur nicht mehr wegzukriegen sein.


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