Ridley Scotts "Prometheus" Rezept für ein Meisterwerk
Hollywood-Regisseur Ridley Scott ist ein Mann der großen Filme: "Blade Runner", "Thelma and Louise" und "Alien". Mit "Prometheus" wagt er sich erneut an das Monster-Thema heran, Schöpfungsfrage inklusive. Und geht dabei wieder nach dem Rezept für Meisterwerke vor.
Die Basis eines Science-Fiction-Menus ist seit eh und je die Technologie. Ridley Scott hat sehr viel Geld angefasst, um die Landung eines Raumschiffs aus dem 22. Jahrhundert auf einem fernen Planeten glaubwürdig aussehen zu lassen.
Hauptgericht: Menschen, Aliens und sogenannte "Götter"
"Prometheus" ist absolut State-of-the-Art. Der Look des Films steht auf einer Stufe mit James Camerons "Avatar". Man hätte an dieser Leistungsschau der Computer-Animation sogar dann seine Freude, wenn die Story völliger Bullshit wäre. Aber: Dem ist nicht so. Als Hauptgericht gibt's nicht nur Menschen und extrem eklige Aliens zu sehen, sondern eine Art übermenschliche Spezies, die sogenannten "Götter". Im Prometheus-Universum sind sie es, die die Menschheit einst geschaffen, nun aber beschlossen haben, das schiefgegangene Projekt zu beenden. Voll Staunen und Ehrfurcht betritt die Prometheus-Besatzung die göttliche Ruhmeshalle.
Die Schärfe liegt den humanoiden Zutaten
Man sollte sich einlassen auf die Philosophie von "Prometheus", auch wenn Ridley Scott den Untergang für eine logische Folge menschlichen Unvermögens sieht, das Resultat von Egoismus und Kleingeistigkeit, womit er auch an "Blade Runner" erinnert. Man kann den Überbau aber auch als puren Humbug verwerfen, spannend bleibt's auf jeden Fall. Dafür sorgen die humanoiden Zutaten: die Darsteller. Gecastet wurden nämlich die heißesten Schauspieler der Gegenwart: Als Kapitän des Raumschiffs tritt Idris Elba au der "Stringer Bell" aus der Serie "The Wire", die weibliche Heldin des Films wird von Noomi Rapace gespielt, die Liz Salander aus der schwedischen Millenium-Triologie. Der großartige Michael Fassbender aus "Shame" spielt den coolen Roboter, der in keinem Alien-Film fehlen darf, und als eiskalter Engel und Chefin des Unternehmens ist natürlich Charlize Theron die erste Wahl.
Auf dem Laptop ist "Prometheus" nur die Fastfood-Version
Das Menu wird langsam serviert, die erste Hälfte gehört der Entwicklung der Figuren und optischen Spielereien, erst allmählich beschleunigt sich das Geschehen, um dann in unglaublicher Action zu eskalieren. Spätestens wenn sich Noomi Rapace in einer programmierbaren Operations-Maschine einen Alien-Fötus aus dem eigenen Leib entfernt, wird's so heftig, dass manche die Grenzen des guten Geschmacks verletzt sehen könnten. Aber "Prometheus" steht eben doch in der Alien-Tradition. Und auch in der Ursuppe dieser Saga wurden ja keine Gefangenen gemacht. Kurz und knapp: "Prometheus" ist das totale Kino-Erlebnis, das ab 9. November auch bei uns - wahlweise in Zwei- und Drei-D-Versionen - angeboten wird. Und die Betonung liegt hier auf Kino. Wer sich den Film auf einem Laptop anschaut, hat "Prometheus" nur die Fastfood-Version eines Fünf-Sterne-Menüs genossen.

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