Exklusiv im Netz Die Serie "Misfits" kommt nach Deutschland
"Misfits" ist ein aufregender Mix aus britischem Sozialdrama und Science-Fiction. Seit Januar ist die BBC-Serie in einer deutschen Fassung zu sehen. Allerdings nicht auf einem Fernsehsender - sondern zum Download auf iTunes.
Nein, das hier ist nicht Beverly Hills, das ist nicht O.C. California und hier bloggt auch kein Gossip Girl. Das hier ist der Stadtrand von London, wo der Ton etwas rauer ist und der Waschbeton regiert. Wir sind in einem Gemeindezentrum, in dem fünf straffällig gewordene Jugendliche ihre Sozialstunden runterreißen. Also Altkleider sortieren oder Bänke streichen. Das bringt wenig Spaß, aber sie haben es sich schließlich selber eingebrockt.
Alles klar, denkt sich da der versierte Zuschauer. Hier haben wir es also mit einem Sozialdrama zu tun, in dem uns gezeigt wird, wie verirrte Seelen wieder den Weg zurück ins Leben finden. Doch plötzlich zieht da diese dunkle Wolke über der Gegend auf.
Mit allen ist was passiert. Die fünf Loser haben plötzlich übernatürliche Fähigkeiten - und zwar solche, die ihnen auf den kaputten Charakter maßgeschneidert sind. Simon, der von allen gemiedene Außenseiter, kann sich plötzlich unsichtbar machen. Curtis, der Leistungssportler, kann die Zeit rückwärts laufen lassen. Die sensible Kelly mit der rauen Schale kann plötzlich Gedanken lesen. Und das laszive Partygirl Alisha braucht Männer nur zu berühren, um sie scharf zu machen. Nur das egomane Plappermaul Nathan wird die ganze erste Staffel lang nach seiner Superkraft suchen.
Misfits mag sich nicht entscheiden zwischen Sozialdrama, Science-Fiction und Satire, weswegen dem Zuschauer hier nie klar ist, worauf das alles hinausläuft. Alles kann passieren und sicher ist nur: Es sieht gut aus. Denn die graue Vorstadt stellt sich hier ganz schön stylish dar - allein dadurch, dass sich die orangen Arbeitsoveralls der fünf Underdogs so schön vom farbreduzierten Hintergrund abheben. Dazu noch Tip-Top-Nachwuchsschauspieler, ein mit sicherer Hand ausgewählter Soundtrack von den Black Keys bis zu The Rapture - und fertig ist eine der innovativsten britischen Serien der letzten Jahre.
Neu ist bei "Misfits" auch der Weg, wie die Serie zum Zuschauer kommt. In Großbritannien lief sie noch total normal in einem Pay-TV-Kanal, dort bestand das Experiment darin, dass man während der Ausstrahlung einzelne Charaktere twittern ließ. Also wohlgemerkt: Nicht die Schauspieler, sondern die Figuren der Serie. Die gaben noch ein paar Hinweise zum Fortgang der Geschichte. Und in Deutschland hat man die Serie gleich ganz ins Netz gepackt. Die synchronisierten Folgen gibt es ausschließlich zum kostenpflichtigen Download. Ein Experiment, sagt Isabelle Helle von BBC Germany.
"Es war mal Zeit, das wir so etwas testen. Wir müssen halt mithalten, wir müssen auch das junge Publikum ansprechen. Wir sind sehr erfolgreich im deutschen Fernsehen mit Serien wie Top Gear, Sherlock oder Dr. Who. So was haben wir noch nie ausprobiert und wollten einfach mal schauen wie es läuft."
Isabelle Helle von BBC Germany
In den USA hat das schon funktioniert: Beim Fernsehportal "Hulu" haben es die vorbestraften Superhelden auf 10 Millionen Downloads gebracht. Und wenn am Ende der internationalen Auswertung die Finanzen stimmen, dann könnte "Misfits" der Vorreiter einer neuen Welle von aufregenden Serien sein, die direkt fürs Netz produziert werden. Weil sie nämlich dort ihr Publikum finden, während sie den Fernsehverantwortlichen zu speziell oder zu gewagt sind – und sei es nur, weil so viel Sex und Flüche im TV nun wirklich nicht gehen.

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