Sopranos und Co. Die Mafia ist überall
Gerade ist die dritte Staffel von „Boardwalk Empire“ angelaufen: Die Mafia ist allerorten. Schon seit dem "Paten" und den "Sopranos" ist die Mafia eine Bank für TV-Serien. Matthias Leitner kennt sie alle und weiß auch, wohin die Reise in der Zukunft gehen wird.
Das Ende von Staffel zwei hat die Schreiberlinge von „Boardwalk Empire“ ganz schön in die Klemme gebracht – Achtung Spoiler: Killt dieser Nucky Thompson einfach seinen Ziehsohn Jimmy Darmody. Die Autoren der Serie wussten gar nicht mehr, ob sie jetzt aufhören oder weiterschreiben sollten. Am Ende haben sie doch weitergemacht, aber was in der frischgestarteten Staffel drei jetzt passiert ist eigentlich egal – das Drama ist durch. Jimmy ist tot. Was soll da noch kommen?
Mich würde ja vielmehr interessieren: Was würde wohl Tony Soprano mit Nucky anstellen, wenn der ihn in die Finger bekäme? Gut, da liegen mehr als 70 Jahre und tausend Mafiafilmchen und -serien dazwischen. Aber das wäre doch was: Der jüdische Strippenzieher zu Prohibitionszeiten gegen den modernen Vorstadtproleten aus New Jersey mit italienischen Wurzeln...
Die Sopranos übernehmen das Revier
Als die Sopranos 1999 das Fernseh-Revier übernommen haben, war die Hölle los. Jeder in Hollywood wollte plötzlich in Mafia machen, nicht nur Good Fella Martin Scorsese. Doch Chef im Ring war am Ende immer Tony - halb depressiver Brutalo, halb rotierender Familienpapa.
Letztlich sind „Die Sopranos“ nichts anderes als eine Familienserie a la „Denver Clan“ im Mafia-Milieu. Und für Menschen wie den Schriftsteller Roberto Saviano, der die Spezis aus Neapel wirklich kennt und das Haus nur noch mit Personenschutz verlassen kann, ist das sowieso alles Fasching.
Allein gegen die Mafia
Die erste Fernsehserie, die sich ernsthaft mit der Mafia auseinandergesetzt hat, kam nicht aus dem amerikanischen Pay-TV, sondern aus Italien, direkt von der Quelle. Und der Star war eben kein Gangster-Papi, sondern ein Cop: Michele Placido in „Allein gegen die Mafia“.
Der Sound stammt von Ennio Morricone und ist ganz wie die Serie: Treibend, hart, auf den Punkt. Und dazu dann: Michele Placido - groß, dünn, braungebrannt, richtig zum neidisch werden. 1984 ist er über Nacht Star und Hoffnungsträger einer ganzen Nation geworden. Integrer Kämpfer gegen Korruption, Unterdrückung und Mord. In Italien hat „Allein gegen die Mafia“ alle Einschaltrekorde gebrochen und ist bis 2001 gelaufen.
Jetzt hat sich das amerikanische Pay-TV Michele Placido einfach gekauft: Nicht als Schauspieler, sondern als Regisseur. Und heute macht er: Mafia-Fasching in 70er und 80er Jahre-Kostümen. Gangstercoolness vor Italien-Kulisse: „Romanzo Criminale“ heißt die Serie aus Italien. Die erste aus Good old Europe überhaupt, die ein amerikanisches Network nicht neuverfilmt, sondern im Original über den Äther schickt. Schon die Musik ist irgendwie... romantisch.
Nächste Evolutionsstufe: Mafia-Vampire
Die neueste Evolutionsstufe im Mafia-Entertainment aus den USA ist da eine andere Hausnummer: Mafia-Vampire. Richtig gehört: Mafia-Vampire: „Vampire Mob“ von Regisseur Jon Wilson. Produziert, wie es sich für das 21. Jahrhundert gehört, direkt für das World Wide Web, finanziert über Crowd Funding – und gemacht für Leute die nicht nur „Die Sopranos“ sondern auch „Twilight“ irgendwie total gut finden.
Das organisierte Verbrechen war schon immer ein Unterhaltungsunternehmen: Glücksspiel, Drogen, Prostituierte, Schlagersänger. Und in Sachen Public Relations macht der ehrenwerten Gesellschaft auch keiner was vor. Die müssen nämlich schon lange keine Werbung mehr für sich schalten. Das haben längst andere übernommen.

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