In Every Dream Home A Heartache Was bleibt
Hans Christian Schmid ist einer der erfolgreichsten Kino-Regisseure Deutschlands. In seinen Filmen verarbeitet er immer Themen, die etwas mit der eigenen Lebenswirklichkeit zu tun haben: "23", "Crazy" oder "Lichter" oder "Requiem". So auch bei "Was bleibt", der heute anläuft.
The Notwist sind wieder dabei, das mal vorneweg. Und wie immer bei ihren Soundtrack-Arbeiten ist die Musik ein klassischer Score, sie drängt sich also nie in den Vordergrund und unterstützt so die Stimmung des Films, die von Anfang an melancholisch bis bedrohlich ist.
Dabei geschieht in „Was bleibt“ nichts allzu Spektakuläres: Wir sehen die herbstliche Zusammenkunft einer Familie in einem gediegenen Großbürger-Bungalow in der Provinz. Die beiden Söhne besuchen die Eltern, bei denen große Veränderungen anstehen. Der Vater hat gerade seinen bislang gut laufenden Literatur-Verlag verkauft, die Mutter verkündet, dass sie nach Jahren mit Psychopharmaka auf die Tabletten verzichten und endlich ein ganz normales Leben beginnen will. Die Söhne reagieren unterschiedlich darauf. Der jüngere, ein Zahnarzt mit Geldproblemen, hat Angst, dass die Mutter - beide nennen sie salopp beim Vornamen - bald wieder in der Psychiatrie landet. Der ältere, der versucht, sich als Schriftsteller in Berlin durchzusetzen, gesteht ihr die Chance für einen Neuanfang zu.
68er-Cowboy und sein letztes Abenteuer
Es ist eine typische Familie des gehobenen Mittelstands: Die Söhne - beide um die 30 - suchen immer noch einen festen Platz in der Gesellschaft. Die Mutter hat ein Leben in Langeweile, Wohlstand und ewiger Sinnkrise verbracht. Der Vater ist bestens etabliert und will sich mit 60 noch mal einen Herzenswunsch erfüllen: Er will ein Buch über die Sprache der Assyrer und Sumerer schreiben und dazu nach Arabien reisen - und zwar ohne Familie. Ein 68er-Cowboy und sein letztes, großes Abenteuer, sozusagen. Doch da hat seine Frau Gitte - gewohnt cool gespielt von Corinna Harfouch - eine Idee.
Die eigentliche Hauptfigur in „Was bleibt“ aber ist Marko, der ältere der Söhne - gespielt von Lars Eidinger, der sich langsam zum Gesicht der Ernsthaftigkeit im neuen, deutschen Kino entwickelt. Marko ist mit seinem kleinen Sohn „Zowie“ angereist. Seine Beziehung zu Tine, Zowies Mutter, scheint am Ende zu sein. Das sehen wir gleich am Anfang des Films. Schneller als in der Generation der Eltern, so sagt uns Hans Christian Schmidt hier, macht man eben Schluss, wenn's nicht so läuft. Das aber macht Markos Leben auch nicht einfacher, wie er im Lauf des Films seiner Mutter gesteht.
Eine einzige Parabel
An dieser Passage wird das einzige Problem des Films deutlich: „Was bleibt“ ist didaktisch, eine einzige Parabel. Die Dialoge wirken oft eher aufgeschrieben als authentisch. Hans Christian Schmidt und seinem langjährigen Drehbuchautor Bernd Lange geht es eben darum, das Publikum an die eigenen - vermeintlich ähnlichen - Familienverhältnisse zu erinnern. Und auch daran, dass zwischenmenschliche Beziehungen immer vom ökonomischen Zeitgeist abhängen. So wie die Mutter einst mit einer Luxusvilla für die versäumte Selbstverwirklichung entschädigt wurde, hängt das Wohlergehen der Söhne nun eben auch von der Spendierhose des Vaters ab.
Was bleibt? Am Ende, wenn sich in prekären Zeiten die Verwandtschaft an die Gurgel geht? Nicht mal der diskrete Charme der Bourgeoisie!

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