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Neu im Kino: "A Ghost Story" Das Leben nach dem Tod - ewige triste Einsamkeit

Regisseur David Lowery gilt in Hollywood als der kommende Mann - als neuer Tim Burton, weil er so fantasievolle Werke dreht. In seinem neuen Film "A Ghost Story" wird ein Paar durch den Tod geschieden. Aber diese Trennung wird nur für einen von ihnen zum dauerhaften Problem: für den Verstorbenen.

Von: Roderich Fabian

Stand: 05.12.2017

Ghost Story | Bild: picture-alliance/dpa

Jeder hat das Recht, darüber zu spekulieren, was nach dem Tod mit der Seele eines Menschen passiert. Und der Regisseur und Drehbuchautor David Lowery tut das auf ganz spezielle Weise. Der Film "A Ghost Story" spielt in einem Haus, irgendwo in einer texanischen Vorstadt. Dort wohnt ein jüngeres Paar, gespielt von den Stars Rooney Mara und Casey Affleck. Sie ist die Abgeschiedenheit leid und will umziehen, aber er - ein zögerlicher, unentschlossener Typ - ziert sich: "Wir sollten Entscheidungen gemeinsam treffen. Verstehst du das nicht? - Doch - Und warum entscheide immer nur ich? - Weil ich nicht dasselbe will wie du. - Weil du hierbleiben willst? - Hmmm - Wieso?"

Casey Affleck in "A Ghost Story"

Über dieser "Ghost Story" liegt von vorneherein ein unheimlicher Nebel des Geheimnisses. Und so wundert man sich kaum, als der Mann - er heißt einfach "C" - schon bald bei einem Autounfall ums Leben kommt, direkt vor dem Haus, in dem er mit "M" lebt. Doch er kehrt in die Wohnung zurück, nun aber als Geist, unsichtbar für die anderen, für die Zuschauer sichtbar als eine mit einem Bettlaken verhüllten Gestalt. "A Ghost Story" kommt ohne Special-Effects aus, denn um Effekte geht’s hier nicht. Wir lernen schnell, dass der Geist von C sich nur auf dem begrenzten Areal des eigenen Grundstücks bewegen kann. Er kann alles sehen, aber nicht eingreifen. Und er hat seine Erinnerungen an M: "Als ich klein war und wir ständig umgezogen sind, hab ich mir immer Notizen gemacht, sie ganz klein zusammengefaltet, und dann hab‘  ich sie versteckt. - Was stand drin? - Einfach nur Dinge, an die ich mich erinnern wollte, damit - wenn ich mal zurückkomme - was auf mich warten würde"

Hochkarätiger Soundtrack

Auch diesmal wird M einen Zettel in einem Spalt in der Holzwand zurücklassen, nämlich dann, als sie das Haus für immer verlässt. Und der Geist wird alles daran setzen, zu lesen, was sie hinterlassen hat. Er bleibt im Haus, wird zunächst Mitbewohner einer mexikanischen Familie, dann von jungen Hipstern, die in seiner alten Bude Parties feiern. Und irgendwie hip ist - bei aller Spookyness - auch dieser Film. Der Soundtrack kommt von James Blake, den Cigarettes after Sex und den Glass Animals. Regisseur David Lowery richtet sich mit diesem existenzialistischen Film ganz klar an die jüngere, urbane Mittelklasse, die vor lauter Stress kaum Zeit findet, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Das tut für sie dann Underground-Star Bonnie Prince Billy als Hobby-Philosoph auf der Hipster-Party im Geisterhaus.

"Sicher tun wir alles, was wir können, um im Gedächtnis zu bleiben. Wir bauen unser Vermächtnis auf, Stück für Stück. Und vielleicht wird sich die ganze Welt mal an dich erinnern, und vielleicht nur ein paar wenige Menschen. Man tut, was man kann, um sicher zu gehen, dass man auch noch hier ist, wenn man fort ist.// Kinder vergessen niemals die Eltern und die Großeltern. Und seinen Familienstammbaum hat auch jeder. Beethoven hat seine Symphonien, und wir haben sie auch. Und jeder wird sie sich mal anhören, in absehbarer Zukunft, aber: Naja, irgendwann brechen die Dinge dann zusammen"

Traurig und allein in der Ewigkeit

Die Welt bricht auch für unseren traurigen, sprachlosen Geist allmählich zusammen. Irgendwann steht das Haus nur noch leer. Er ist mit sich und seinen Erinnerungen und der Ewigkeit allein. Der Film dreht danach ungeheuer ab, springt in den Zeitebenen zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her und überlässt es uns, den Zuschauern, den tieferen Sinn dahinter zu suchen. Möglich ist auch, dass es diesen gar nicht gibt, dass David Lowery seiner Fantasie einfach freien Lauf gelassen hat. Aber das ist okay, denn so wird aus "A Ghost Story" ein ganz eigenwilliger, absolut ungewöhnlicher Film. Und als solcher funktioniert er wunderbar als Symbol einer Verunsicherung, mit der nicht nur die Hipster der Gegenwart leben nun mal müssen.


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