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Helene Hufnagel im Interview „Einmal bitte alles“ ist ein typischer München-Film

Eine junge Frau auf Wohnungs-, Job- und Sinnsuche. Dieser Plot würde in Berlin als existenzialistisches Sozialdrama inszeniert werden, das Debüt der Münchnerin Helena Hufnagel kommt dagegen als Komödie daher.

Von: Roderich Fabian

Stand: 19.07.2017

Einmal bitte alles - Filmszene | Bild: Filmschaft

„Einmal bitte alles“ ist ein heiterer Film - man kann schon sagen, ein typisch münchnerischer Film Das ist von Anfang an klar, wenn wir die Hauptfigur Isi bei sonnigem Wetter über die Isarbrücken des Glockenbachviertels radeln sehen. Sie träumt von einer Karriere als Comic-Zeichnerin und jobbt als Sekretärin bei einem Verlag. Isi möchte den alten Scott Fitzgerald-Roman „Die Schönen und Verdammten“ als Graphic Novel verwirklichen, blitzt damit aber bei ihrer Chefin ab. Mit solchen Niederlagen muss Isi im Lauf des Films gleich reihenweise zurechtkommen. Die Karriere lässt auf sich warten, sie muss aus ihrem WG-Zimmer raus und Couch-Surfen. Ständig ist sie pleite, mit Anfang 30 aber eigentlich zu alt für diese Art von studentischem Dasein.

Regisseurin Helena Hufnagel mit Sunnyi Melles bei der Premiere am 10. Juli 2017

„Ich wollte eine Tragikomödie erzählen, wie es so schön heißt. Ich mag das total gerne, wenn der Humor im Film durch Melancholie getrieben ist. Ich wollte unbedingt, dass man sich wiedererkennt in den Situationen, also dass man denkt: Genau so ist es. Dadurch entsteht für mich auch die Komik, dass man sich selber ertappt in manchen Situationen.“ Regisseurin Helena Hufnagel über ihren Film, der streckenweise autobiographisch daherkommt.

Und plötzlich sind alle um einen herum erwachsen

Sie steht selbst unter Druck ihre Karriere in Gang zu kriegen, glaubt aber, dass sie in München bessere Karten hat als in Berlin: „Hier in München ist der Rechtfertigungsdruck viel größer. Zwar hat man seine kreativen Freunde, mit denen man in so einer Spätzünderblase zusammen ist, das wird ja auch teilweise so im Film erzählt. Aber dann hat man viele Freunde, die total normale Jobs haben, die morgens um acht ins Büro gehen und abends um fünf raus - und auf einmal merkt man so: Moment, die haben alle festes Gehalt, die sind eigentlich schon viel mehr angekommen im Leben. In Berlin hat sich die Spätzünderblase so ausgeweitet, da sind viel mehr Künstler, es gar nicht so unüblich, dass man noch nicht genau weiß, wo man im Leben hinkommt. Der Druck ist nicht so hoch, weil man viel mehr kreative Freunde hat.“

Berlin – Hochburg der Spätzünder

Der zentrale Konflikt von „Einmal bitte alles“ verläuft zwischen Isi und ihrer Freundin und Mitbewohnerin Lotte, die Isi aus der Wohnung drängt, weil sie Platz für ihren neuen, italienischen Lover braucht. „Lotte lebt ihr Leben so, wie sie es für richtig hält und wie sie weiterkommt. Isis hat das Gefühl, sie bleibt auf der Strecke. Es ist wie so ein geiler Sommer, wo man nicht will, dass der vorbeigeht und dann checkt man irgendwann: Es ist schon November - und alle anderen haben’s schon viel eher verstanden“, erklärt die Regisseurin.

Helena Hufnagel macht nicht den Fehler, alles irgendwann in ein Happy End münden zu lassen. Und sie hat auch auf eine Liebesgeschichte verzichtet. Insofern ist „Einmal bitte alles“ eine kleine, sympathische Statusmeldung aus der von Hufnagel so bezeichneten „Spätzünderblase“. Aber auch nicht mehr, ein moderner München-Film halt, denn alle Katastrophen bleiben am Ende beherrschbar.


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