Sind wir wieder wer? Deutsche Soldaten im Film
Deutsche Soldatenehre im Kino zeigen? Jahrzehntelang war das undenkbar. Aber Produzenten und Regisseure trauen sich offenbar wieder ran an das heikle Thema. Jetzt kommen gleich zwei neue deutsche Kriegsfilme ins Kino.
Wer wissen will, mit welcher Begeisterung sich große Teile der deutschen und österreichischen Bevölkerung 1914 in den ersten Weltkrieg stürzten, der lese "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus. Der Film "Die Männer der Emden" spielt in diesem Krieg, der in der Rückschau als eine Kette von schrecklichen Gemetzeln in die Geschichte einging. Aber "Die Männer der Emden" kämpfen nicht auf den Schlachtfeldern in Elsass-Lothringen, sondern als Marine-Soldaten im Chinesischen Meer.
Der kleine Kreuzer "Die Emden" wurde in der Heimat berühmt, weil es seiner Besatzung gelang, ziemlich viele feindliche Schiffe zu versenken. Viele Deutsche bewunderten "Die Männer der Emden" als Kriegshelden und diese werden im Film des routinierten Regisseurs Berengar Pfahl auch als solche gezeigt. Denn auch als die Emden schließlich versenkt wird und nur ein an Land gesetzter Spähtrupp eher zufällig überlebt, geben die Männer nicht auf. Hauptfigur ist der Offizier Hellmuth von Mücke, der seine Mannschaft – begleitet von Geigenmusik – unter Tränen zum Durchhalten motiviert.
Der Wille und die deutschen Tugenden
Der Rest des Filmes beschreibt, wie sich "Die Männer der Emden" zu Land und zu See beschwerlich in die Heimat zurückschlagen, mit eingebauter Sibel Kekilli als arabischer Prinzessin. Natürlich geht es in diesem Film nicht um Patriotismus oder Kriegsverherrlichung, sondern um die dramatische Inszenierung einer auf Tatsachen beruhenden Geschichte. Die Botschaft lautet: "Wo ein Wille, da ein Weg". Tatsächlich stehen "deutsche Tugenden" wie Fleiß und Disziplin hier im Vordergrund. Ja, sagt uns Berengar Pfahl, in Guido Westerwelles Worten:
"Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt."
Guido Westerwelle
Schlimmer, pathetischer Kitsch, jedenfalls.
Ein Kammerspiel im eisigen Norwegen
Ganz anders die deutsch-skandinavische Co-Produktion "Into the White" des norwegischen Regisseurs Petter Naess. Diesmal ist's der Zweite Weltkrieg und im Wesentlichen ein Kammerspiel, ebenfalls auf Tatsachen beruhend. Ein deutsches Kampfflugzeug muss in den eisigen Bergen Norwegens notlanden. Drei überlebende Besatzungsmitglieder müssen sich in die Zivilisation zurückkämpfen. Auch hier ist ein junger Offizier – gespielt von Florian Lukas – die Hauptfigur. Der hat es allerdings mit einem jungen Gefreiten – gespielt von David Kross – zu tun, der glühender Hitler-Fan ist und den Kameraden im Zelt begeistert aus "Mein Kampf" vorliest.
Die anderen beiden Soldaten sind da eher reserviert, aber um diesen Konflikt geht es nur am Rande. Die eigentliche Geschichte beginnt, als die drei Deutschen in einer entlegenen Berghütte zwei englischen Soldaten begegnen und aus den fünf Männern allmählich eine "Schicksalsgemeinschaft" wird. "Into the White" wird dabei zum Anti-Kriegsfilm mit dem Tenor "Wir sind doch alle nur Menschen", die mit einer Situation konfrontiert sind, für die wir nichts können.
Der neue deutsche Kriegsfilm auf Hollywood getrimmt
Hier sehen wir also keine Helden, sondern differenzierte Charaktere in einem Abenteuer der besonderen Art. Das ist okay, lässt aber die ideologische Verblendung der Deutschen jener Zeit größtenteils links liegen. Auch hier wird letztlich das Hohe Lied der Soldatenehre gesungen. Jahrzehnte der Hollywood-Kriegsfilme in deutschen Kinos hinterlassen inzwischen mehr Spuren in deutschen Filmen als die eigentliche Geschichte. Mit dem, was deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen tatsächlich erwartet, haben weder "Die Männer der Emden" noch "Into the White" etwas zu tun, und auch nicht am Hut. It’s Entertainment, dummy!

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