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Der amerikanisch-israelische Film "Norman" Der Fixer regelt das schon

Nicht jeder, der mit dem Finanzwesen zu tun hat, ist böse. Das sagt uns der israelisch-amerikanische Film "Norman". In dem spielt der prächtig gealterte Richard Gere einen "Business -Fixer", einen Mann, der Leute zusammenbringt – Geschäftsleute wohlgemerkt.

Von: Roderich Fabian

Stand: 20.09.2017

"Norman" Film Plakat | Bild: picture alliance/Everett Collection

Norman ist ein alter Mann, aber ziemlich gutaussehend. Was kein Wunder ist, wird er doch gespielt von Richard Gere, der hier zum allerersten Mal in seiner Karriere versucht, weder sexy noch cool rüberzukommen - mit Erfolg. Man sieht ihn den ganzen Film lang im gleichen abgetragenen Mantel, den auf den Straßen Manhattans trägt, im Finanzdistrikt rund um die Wall Street. Norman ist immer unterwegs. Wir erleben ihn nie zuhause, vielleicht hat er gar keines. Norman ist ein Fixer. So nennt man in der Business-Szene Leute, die Unternehmer, Politiker und Investoren für Geschäfte zusammenbringen, um damit eine Provision rauszuholen. Norman lebt also von Connections. Und er kann ganz schön nervig sein dabei, etwa wenn er einem Banker beim Joggen im Central Park auflauert.

Der Gegenentwurf zum "Wall Street"-Spekulanten Gordon Gecko

Norman scheint ein ziemlicher Loser zu sein. Als Zuschauer ist man sofort auf seiner Seite. Denn die meisten Leute, mit denen er es zu tun hat, sind genau solche egozentrischen Lackaffen, wie man sie sich in der Finanzwelt vorstellt. Der Film feiert also keineswegs den Spätkapitalismus. Er versucht eher, ihn darzustellen. Als Norman erfährt, dass ein Vertreter des israelischen Wirtschaftsministeriums in der Stadt ist, lauert er ihm auf und lotst ihn in ein sündhaft teures Schuhgeschäft. Dort macht Norman eine Investition.

Norman kauft dem Politiker ein Paar Schuhe. Stolze 1.300 Dollar kostet das edle Paar - und wir merken, dass Norman diese Investition ziemlich schmerzt. Anfangs hat er gar nichts davon. Der Israeli kommt einfach nicht zu dem von Norman arrangierten Investoren-Termin und reist bald wieder ab. Doch als er nach ein paar Jahren wieder nach New York kommt, ist er israelischer Premierminister und: Er hat Norman nicht vergessen. Bei einem Empfang begrüßt er seinen "New Yorker Freund" überschwänglich. Und mit einem Schlag ist Norman ein gefragter Mann, nämlich einer, der privaten Zugang zu einem Staatsoberhaupt hat.

Eine aktualisierte Version des "Jud Süß"

Die ganze Geschichte ist mit jüdischem Humor erzählt, nicht unähnlich dem der Coen-Brothers, aber mit deutlich melancholischerer Note. Und die Regie führt dann auch der Israeli Joseph Cedar. Norman jedenfalls bekommt auf einmal Einladungen zu den wirklich wichtigen Parties. Zu denen nimmt er seinen Rabbi mit, gespielt von Steve Buschemi.

Tatsächlich ist die Figur des Norman Oppenheimer eine Variation des Jud Süß Oppenheimer, also der Romanfigur von Lyon Feuchtwanger von 1925, die wiederum auf der Geschichte eines realen Mannes aus dem 18. Jahrhundert beruht. Die Nazis haben ihre Verfilmung von "Jud Süß" damals als antisemitische Propaganda missbraucht. Nun also haben sich Israelis und Amerikaner die Figur zurückgeholt und wieder auf die Füße gestellt. Der neue Oppenheimer ist wieder eine grundsympathische Gestalt. Aber Normans Geschichte nimmt dann doch einen ganz anderen, überraschenden Verlauf. Schließlich heißt der Film im Original "Norman the Moderate Rise and Tragic Fall of a New York Fixer".


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