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Trump-Illustrator Edel Rodriguez Dieser kubanische Künstler ist der größte Feind von Donald Trump

Edel Rodriguez ist der angesagteste politische Illustrator der USA. Seine Bilder waren im letzten Monaten gleich mehrere Male auf dem Cover des Spiegel. Auch auf Anti-Trump-Protesten sieht man seine Illustrationen oft. Wir haben Edel Rodriguez in seinem Atelier besucht.

Von: Matthias Röckl

Stand: 19.06.2017

Edel Rodriguez malt | Bild: Matthias Röckl

Besuch im Kunstatelier bei Edel Rodriguez. An den Wänden hängen politische Illustrationen und Zeichnungen. Edel kniet am Boden und breitet eine meterlange Papierrolle aus. Schwarze Tinte auf weißen Papier, auf dem Papierteppich ist ein Kämpfer des islamischen Staates zu sehen. Dieser trägt eine lange Kutte, über der Schulter hängt lässig eine Maschinenpistole. Der Isis-Mensch ist gerade dabei, ein Selfie aufzunehmen. Das Smartphone in den Händen, die Arme weit ausgestreckt  - es wird posiert. Mit auf dieses Selfie soll sein frisch enthauptetes Opfer – und da der Isis-Soldat keine Hand mehr frei hat, hat er den abgeschnittenen Kopf auf einem langen Stock aufgespießt. Ein grauenhafter Anblick, gemalt in sehr sauberen und fast schon zu schönem Street-Art Look. Rodriguez beschreibt seine Kunst so: "Es ist schwierig, Gewalt darzustellen und sie anschauen zu müssen. Aber eine Illustration ist nur eine Idee und Ideen bringen niemanden um. Ich empfinde meine Arbeit nicht als extrem. Für mich ist das Information und wohlüberlegt. Sie soll eine Unterhaltung in Gang setzen."

"Manchmal denke sogar ich: diese Zeichnung ist wirklich eine Herausforderung, eine Provokation. Ich leg es darauf an. Ich möchte herausfinden, ob ich so etwas in diesem Land machen darf. Ist Amerika wirklich ein freies Land, oder behaupten wir das nur? Land of the Brave – das Land der Mutigen, sind wir das?"

- Edel Rodriguez

Was hält eine Demokratie aus, wofür stehst sie und wann gerät sie in Gefahr? – das beschäftigt Edel Rodriguez, der 1971 in Cuba geboren wurde. Seinen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit erklärt er mit seiner Kindheit: "In meiner Familie in Kuba hieß es immer: 'Psssst… das darf man nicht sagen'. Statt den Namen Castro zu sagen, haben sie sich ans Kinn gegriffen, ein Zeichen für Castros langen Bart. Ich war sieben oder acht Jahre damals als. Das Verhalten meiner Eltern hat mich beeinflusst. Als wir Kuba für die Vereinigten Staaten verließen, wollte ich die Wahrheit sagen."

Kunst und Aktivismus haben auch in Rodriguez‘ Geburtsland Kuba Tradition, eine clandestine Geschichte war die Schablonentechnik. Die Schablonen wurden damals geheim mit der Post verschickt. Politische Protestkunst konnte so überall reproduziert werden ohne dass man auf staatliche Druckereien angewiesen war. Edel arbeitet heute noch mit Schablone und Sprühdose – und macht daraus den Trump-Kopf. Der Präsident ohne Augen, mit weit geöffneten Mund. Die Farben an Trumps Haar und Kinn laufen herunter wie bei einem schmelzenden Eis.

"Ich habe eine Schablone als Vorlage zum Download angeboten. Leute haben damit ihre eigenen Poster angefertigt. Plötzlich habe ich Bilder von Leuten bekommen, die meinten: 'Hey ich habe mir das für den Womens-March gebastelt.' Normalerweise schauen wir uns im Netz Bilder nur an, lassen unseren Frust dabei raus und das war‘s. Jetzt werden diese Bilder plötzlich ausgedruckt und auf Demonstrationen mitgebracht."

- Edel Rodriguez


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