Entdecke die Supercraft in dir DIY im Abonnement
Selbermachen, das haben auch Firmen erkannt, ist im Trend. Ein Berliner Start-Up versucht nun, diese Erkenntnis zu vermarkten: "Supercraft"sendet seinen Abonennten ein Bastel-Kit zu, in dem sich Materialien und Anleitungen befinden. Aber wieviel DIY steckt da noch drin?
Auf der Webseite schwirren in einem hübsch animierten Video lauter Scheren, Lineale, Knöpfe, Wollknäuel und Nadeln um eine Schachtel herum: Das ist das Supercraft Bastel-Kit, das man sich alle zwei Monate im Abo nach Hause schicken lassen kann. Supercraft - das ist ein Wortspiel aus der deutschen Superkraft und Craft, dem englischen Wort für Handwerk. Neben verschiedenen „trendigen Do-It-Yourself-Materialien“ versprechen die Macherinnen Anleitungen für Bastel-Anfänger und tolle Inspirationen. Mit dem ersten Paket, das im August verschickt wurde, konnte man zum Beispiel Stoffwimpelgirlanden, Stoffblumengirlanden oder Origami-Ketten machen. Catharina Bruns ist Designerin und hat zusammen mit Sophie Pester das Projekt Supercraft in Berlin ins Leben gerufen.
"Wir haben gedacht, wie können wir was zusammen gestalten, was Leute dazu inspiriert, mehr selber zu machen. Und wie können wir’s möglichst vielen Leuten einfach machen, anzufangen."
Catharina, Designerin
Do It Yourself für jeden. Verschickt im liebevoll gepackten und gestalteten Rundum-Sorglos-Paket für 29,95 Euro, wenn man das Abo für ein halbes Jahr abschließt. Auf den ersten Blick eine super Sache: kreativ sein und das auch noch total bequem. Aber Bequemlichkeit und Kreativität passen nicht wirklich zusammen. Es ist doch der Anfang des kreativen Prozesses, sich erst mal ein paar Gedanken darüber zu machen, was man eigentlich basteln will. Und welche Materialien ich dazu brauche. So gesehen ist Supercraft nicht viel kreativer als ein Legobausatz - nur, dass der hippe Bastel-Kasten aus der Mitte Berlins kommt.
"Der Witz ist: Drin ist, was du draus machst. Das ist genau das Lustige an der Sache. Es gibt halt Leute, die möchten ganz genau nach Anleitung arbeiten. Für die ist es dann natürlich ein anderer Anspruch als für Leute, die sagen, ich mache das schon jahrelang. Aber auch die bekommen eine Box voller Material. Und ich meine, es ist ja auch nicht vorgeschrieben, was die Leute draus machen. Man kann alles Mögliche draus machen. Wir freuen uns immer besonders, wenn wir von Leuten hören, die sagen: Die Anleitungen waren super, aber ehrlich gesagt, ich hab was ganz anderes draus gemacht, guck mal hier! Das ist ja gerade das, was wir rauskitzeln wollen."
Catharina, Designerin
Die vermeintliche Gegenbewegung zum Massenkonsum
Die erste Supercraft-Box war sofort ausverkauft. Kein Wunder, Supercraft passt genau in die heutige Konsumgesellschaft: Das Bedürfnis nach Bequemlichkeit wird perfekt vereint wird mit dem Bedürfnis, Teil einer Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft zu sein. Wir haben keine Zeit mehr, in irgendwelche Läden zu gehen, bestellen deshalb alles online und am besten noch auf kuratierten Shoppingseiten. Gleichzeitig soll alles so individuell wie möglich sein. Do It Yourself als vermeintliche Gegenbewegung zum Massenkonsum ist schon seit einigen Jahren groß im Trend.
Die Münchner Journalistin Susanne Klingner hat ein Jahr lang so viel selbst gemacht wie möglich, von der Butter über die Zahnpasta bis hin zu den Schuhen - und auch ein Buch darüber geschrieben. Das Geschäftsmodell von "Supercraft" findet sie erstmal gar nicht so schlecht:
"Dadurch dass wir so eine Konsumgesellschaft sind, verlernen wir schon in vielen Bereichen das Denken. Man kriegt eben alles fertig vorgesetzt: sei es Freizeitgestaltung, sei es Essen oder Klamotten. Also alles was wir benutzen, haben oder tun. Und in der Hinsicht find ich so ein Do-It-Yourself-Kit einen ganz guten Einstieg. Also dass man vielleicht den Gedanken hat: Ah, hier sind jetzt drei Knöpfe drin. Die hätte ich jetzt auch noch bei mir in der Kramkiste gehabt und hätte da auch was draus machen können. Also dass man inspiriert wird und einen anderen Blick bekommt."
Susanne Klingner, Journalistin
Vielleicht braucht man also gar keine fancy Bastelbox im Abo, um die „Supercraft“ in sich zu entdecken. Es kann manchmal schon ganz schön inspirierend sein, sich einfach mal zuhause umzusehen, was man so an Stoff, Papier und sonstigem Kram rumliegen hat. Und dann einfach mal drauf los basteln und schauen, was rauskommt. Man muss es ja auch nicht immer mit der Community teilen oder auf Portalen wie Etsy oder Dawanda verkaufen. Wer kreativ sein will, muss halt dann doch immer noch ein bisschen was dafür tun. Und das Ergebnis wird dann definitiv noch individueller sein als alles, was in einer vorausgewählten Do-It-Yourself-Box stecken könnte. Und außerdem: Eine ganz grundlegende Idee von DIY ist die Ent-Ökonomisierung von Dingen. Das Beispiel des "Supercraft"-Abo-Kits zeigt das Gegenteil.
"Wenn man in Bastelläden oder ins Kaufhaus geht, oder in Nischen, wo etwas angeboten wird, um etwas selber zu machen, kommt man meistens mit einer sehr viel höheren Rechnung raus als wenn man einfach etwas Fertiges kauft. Wenn, dann ist nur die Alternative, dass man zum Beispiel recycelt. Also aus alten Klamotten was näht oder aus Sachen, die man gefunden hat wie Holz oder Steine oder so etwas bastelt und baut. Aber ansonsten ist Do It Yourself schon auch ein Markt geworden."
Susanne Klingner, Journalistin

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