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Der digitale Bundestagswahlkampf Wie Social Bots unsere Meinung beeinflussen wollen

Was passiert, wenn das Wahlplakat nicht mehr auf der Straße hängt, sondern im Netz jeder seine eigene Wahlbotschaft kriegt - ganz individuell angepasst? Wir sprechen darüber, wie der digitale Wahlkampf der AfD funktioniert, wie Microtargeting den amerikanischen Wahlkampf beeinflusst hat und ob das Internet Wahlen gewinnen kann.

Von: Florian Fricke und Birgit Frank

Stand: 07.09.2017

Der digitale Wahlkampf der AFD

Der aktuelle TV-Werbespot der AfD zur Bundestagswahl ist ziemlich clever gemacht. Die im ZDF jüngst geflüchtete Alice Weidel präsentiert sich da als taffe Spitzenkandidatin - die alles tut, um sich für ihre Wähler einzusetzen: also für die Mutbürger - die sich was trauen. Schaut man in den Youtube-Kanal von AfD-TV, dann ist dort Alice Weidel das Gesicht der Partei - also quasi die neue Frauke Petry. Der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje - der hat gerade ein Buch über die Politik der AfD geschrieben, "Propaganda 4.0". Er erkennt im Online-TV der AfD Einflüsse anderer rechtspopulistischer Parteien.

Kann das Internet Wahlen gewinnen?

Fake News und Social Bots: Kann das Internet Wahlen gewinnen? Tabea Wilke ist eine Digital-Strategin aus Berlin und Geschäftsführerin der botswatch GmbH, die ein Tool zur automatisierten Detektion von Social Bots auf Twitter entwickelt hat. Sie entwirft politische Kampagnen im Social Web, Wahlkämpfe, datenbasierte Kommunikationsstrategien für Unternehmen und Verbände. Zuvor arbeitete sie als freie Journalistin für die Augsburger Allgemeine Zeitung, als Sprecherin des Fraunhofer IAF sowie als IT-Projektleiterin für internationale Technologieunternehmen. Wir sprechen mit Tabea Wilke über die Wichtigkeit von Social Bots im Wahlkampf.

Microtargeting im amerikanischen Wahlkampf

"Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt" zitierte die Schweizer Wochenendbeilage Das Magazin zwei Wochen nach der Trump-Wahl den polnischen Psychologen Michal Kosinski. Kosinski hat ein psychometrisches Verfahren entwickelt, mit dem sich die Persönlichkeit eines Menschen anhand seines Facebook-Verhaltens angeblich ziemlich genau skizzieren lässt. Und das britische Unternehmen Cambridge Analytica hatte angeblich anhand dieser Methode die amerikanischen Wähler genau vermessen und mit maßgeschneiderten Dark Ads bombardiert, was die Wahl erheblich beeinflusst haben soll. Die Reaktion auf den Artikel war erst einhelliges Entsetzen, bis die mediale Gegenoffensive gestartet wurde: Bitte Ruhe bewahren, hier wurde stark übertrieben, das riecht nach linker Verschwörungstheorie. Das Autoren-Duo Anna-Verena Nosthoff, Philosophin, und Felix Maschewski, Germanist, war von der Debatte genervt.

Connect 17: Die App zum Häuserwahlkampf

Was hatten die Kampagnen von François Hollande, Emmanuel Macron, Barrack Obama und Hillary Clinton gemein? Den Tür-zu-Tür-Wahlkampf. Christian Zinke von der Jenaer Agentur Praxisnah will daran mit einer App Connect 17 anknüpfen und den Wahlkämpfern wieder Spaß geben.

Die Sendung gibt's als Podcast beim Klick auf das Bild oben.


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