Gründungsmitglied Hägi in der „7180-bar“
Die „7180-bar“, benannt nach der alten Postleitzahl von Crailsheim, ist die Homebase des Vereins „Adieu Tristesse“. Gründungsmitglied Hägi sieht jünger aus als er ist: er kann sich auch noch an 4-stellige Postleitzahlen erinnern.
Geblieben, um zu bleiben! Adieu Tristesse
Erst vor kurzem hat sich der Zündfunk gefragt, was all die Großstädter auf dem Land suchen. Bei vielen war es das Bedürfnis nach der immer fremder gewordenen Natur, einige suchten auf dem Land und in der Kleinstadt Ruhe und Freiheit. Gleichzeitig empfinden die, die schon immer dort leben, die Ruhe oft als leblos und trist - zumal, wenn man jung ist, ausgehen will und sich noch nicht dem Familienleben im Privaten verschrieben hat.
Die 33.000 Einwohner-Stadt Crailsheim im Landkreis Schwäbisch Hall, knapp hinter der bayerischen Grenze, ist so ein Beispiel. Hier hat sich daher vor einiger Zeit ein Verein gegründet: "Adieu Tristesse". Dessen Mitglieder wollen der Landflucht entgegentreten, indem sie nicht schimpfen, dass nichts los ist, sondern aktiv dafür sorgen, dass was los ist.
Es war einmal in Crailsheim. Da wurde ins Rathaus eingebrochen und einige Waffen geklaut. Die Crailsheimer Bürger hatten die Waffen bei der Stadt abgegeben – kurz nach dem Attentat von Winnenden. Die Stadtverwaltung aber wollte die Waffen nicht vernichten, sondern verkaufen – und hat sie in einem unverschlossenen Tresorraum aufgehoben. Plötzlich waren sie weg.
Wieso nicht mal...
Was folgte war ein kleiner Skandal, der Oberbürgermeister trat zurück. Eine Gruppe junger Crailsheimer beschloss daraufhin den grünen Bürgermeisterkandidaten im Wahlkampf zu unterstützen. Nach einem guten Ergebnis im ersten Wahlgang reichte es dann zwar nicht zum Wahlsieg, aber das junge Wahlkampfteam stellte fest: Engagement ist eigentlich ganz geil. Warum nicht weitermachen und etwas mehr Leben und Spaß ins verschlafene Nest Crailsheim bringen?
Und dann haben Gerd und seine Freunde den Verein „Adieu Tristesse“ gegründet. Gerd sitzt mit seinem Vereinskollegen Manuel in der "7180-bar" in einer Seitenstraße der Crailsheimer Fußgängerzone.
... eine Bar eröffnen?
Die Kneipe könnte auch im hippen Münchner Glockenbachviertel stehen: Zwischen Wodka- und Whisky-Flaschen hinter der Bar steht eine Marienstatue, überall hängt Lametta, es gibt eine Juke-Box und eine gemütliche Sitzecke vor einer riesigen Waldtapete. Einem ausgestopften Wildschwein an der Wand baumeln zwei Christbaumkugeln aus dem Maul.
Bevor es die „7180-bar“ und den Verein „Adieu Tristesse“ gab, war in Crailsheim nichts los, sagen die beiden Jungs. Da gab es zwar das obligatorische Jugendzentrum und die Partys vom Kreisjugendring. Auch die Generation 40+ war mit Kulturvereinen ganz gut bedient. Aber für die jüngeren Leute dazwischen? Nichts.
Gewisse Rotzigkeit
Gerd und seine Vereinskollegen sind nicht gekommen, um zu bleiben. Sie sind geblieben, um zu bleiben. Eine angenehme Rotzigkeit, die – wenn auch von "Adieu Tristesse" nicht beabsichtigt – gerade ziemlich „in“ ist! Die Jungs von der Band Kraftklub feiern die Provinz und singen, dass sie nicht nach Berlin wollen. Diese Haltung verkauft sich gut. Acht Bands hat der Verein nach Crailsheim geholt, unter anderem aus England, Island und Italien. Am Freitag spielt die Combo G.Rag y Los Hermanos Patchekos im Ratskeller – es waren die Münchner Lokalmatadoren, die den Auftritt bei "Adieu Tristesse" angefragt hatten, nicht umgekehrt. Als nächstes steht auf der Vereins-Agenda übrigens: Leerstehende Gebäude als Party-Location nutzen.

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