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Lieblingsbücher Die Bücher des Jahres 2012

Das sind für uns die besten Bücher, die 2012 (auf Deutsch) erschienen sind. Von Teju Cole bis Vladimir Sorokin. Zum Selberlesen oder Weiterschenken. Eine Liste von Roderich Fabian, Oliver Buschek, Michi Bartle, Tom Kretschmer und Katja Huber - alphabethisch geordnet!

Stand: 21.12.2012
Unsere Bücher des Jahres 2012 | Bild: picture-alliance/dpa

Teju Cole: Open City (Suhrkamp)
Flaneur-Literatur ganz ohne Dandy-Komponente: Mit der Geschichte des jungen nigerianisch-stämmigen Psychiaters Julius zeigt Teju Cole was passieren kann, wenn sich ein schlauer sensibler Mensch gehend durch die Stadt (New York) bewegt. Ganz ohne Smartphone, weitgehend ohne Ziel und ohne den Anspruch, etwas erledigen zu müssen. Ein Stream of consciousness voller Reflexionen und Geschichten, die sich über mehrere Städte, Kontinente und Jahrhunderte erstrecken und beweisen: Bücher ohne jegliche Handlung können anstrengend sein, aber auch sehr schön. (Katja Huber)

Robert Crumb: The Book of Genesis Illustrated (Jonathan Cape/London)
Das gesamte Alte Testament als Comic, wortgetreu (allerdings English only). Wer danach noch an den Weihnachtsmann glaubt, ist selber schuld. Crumb ist einer meiner zehn größten Künstler ever. (Roderich Fabian) 

Marc Deckert | Bild: BR

Marc Deckert: Kometenjäger (btb)
Bayern und Arizona, Freundschaft und Astronomie, Liebe und Hightech - alles zwischen zwei Buchdeckeln. Und nebenbei ist Marc Deckert der beste Landschaftsmaler seit William Turner. (Oliver Buschek)

Jennifer Egan: Der größere Teil der Welt (Schöffling & Co)
Der Traum vom Rock’n’Roll – und was daraus werden kann. Schön ausgedacht, gut beobachtet und literarisch obendrein raffiniert gebaut (ein Kapitel als Powerpoint-Präsentation!). Ich würde dieses Buch für den Pulitzerpreis vorschlagen, wenn es ihn nicht schon hätte. (Oliver Buschek)

Richard Ford: Kanada (Hanser Berlin)
"Zuerst will ich von dem Raubüberfall erzählen, den meine Eltern begangen haben. Dann von den Morden, die sich später ereigneten.“ Mit den ersten zwei Sätzen verrät Richard Ford alles und so kann er sich die letzten 460 Seiten Zeit lassen, vom „Kana da“- (hochdeutsch: niemand anwesend) Gefühl zu erzählen. Vom Verlust, von Schuld und Sühne, vom Glauben und Glaubenskrisen. Die (toten) Russen könnten neidisch sein, auf diesen sehr lebendigen, wenn auch oft bis an die Grenze des Unerträglichen langsamen Amerikaner. (Katja Huber, Michi Bartle)

Rainald Goetz: Johann Holtrop (Suhrkamp)
Man hat dem Buch ja den Vorwurf gemacht, Goetz habe hier keine Figuren erfunden, sondern lasse nur Sprechpuppen den immer gleichen Goetz-Text aufsagen. Mir ist das egal, ich will gar keinen anderen. Der Goetz-Text beschreibt auf großartige, kluge und verflucht unterhaltsame Weise Machtgefüge und Eitelkeits-Monopoly im Medien- und Managements-Gedöns. Und wie diese Typen immer wieder weiter machen dürfen. Oder von genau den gleichen Verantwortungs-Nullpen abgelöst werden. (Michi Bartle, Roderich Fabian, Tom Kretschmer)

David Graeber: Schulden (Klett-Cotta)
Alle wissen, dass die Geldverleiher schuld sind und bald noch viel schuldiger sein werden. Aber mit den hier gelieferten Fakten kann man es auch besser beweisen. (Roderich Fabian, Tom Kretschmer)

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (Hanser)
Alles andere als ein Geheimtipp, aber gelobt werden muss es trotzdem. Das witzigste und zugleich anrührendste Buch über Krebs bei Jugendlichen seit Erfindung der Chemotherapie. (Oliver Buschek)

Mohammed Hanif: Alice Bhattis Himmelfahrt (A1)
Witziger und sehr bissiger Roman eines BBC-Korrespondenten aus Karachi. Eine Liebesgeschichte und gleichzeitig eine hochpolitische Schilderung des Krieges gegen Frauen im heutigen Pakistan. (Laura Freisberg)

Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur (www.wolfgang-herrndorf.de)
"Tschick" war der Roman über Freundschaft, "Sand" der Roman über das Schicksal, das Blog "Arbeit und Struktur" hat zwei Themen: Alltag und Tod. Und wieder schreibt Wolfgang Herrndorf so präzise und so gut, als gäbe es nichts leichteres. Das macht ihm keiner nach. To be continued, hoffentlich. (Tom Kretschmer)

Katja Huber: Coney Island (Secession)
Sehr schlaue Unterhaltung, liebenswürdig verschrobene Figuren, die in der Nähe der angerosteten Vergnügungsmeile zwischen New York und dem Meer nach dem Glück suchen. (Laura Freisberg)

John Lanchester: Kapital (Klett-Cotta)
Gewissermaßen ein Selbstvergewisserungsbuch, in dem all die Themen auftauchen, über die man selbst gerne redet: Gentrifizierung, die Finanzwelt, 17-jährige afrikanische Fußballstars, Popmusik, Überwachung, Islamismus bzw. die Paranoia davor, Flucht und Einwanderung, Tod, alles aufgezogen anhand einer einzigen Straße und deren Bewohner im London der Jetztzeit. Vollkommen uneitel, manche sagen: unaufregend geschrieben, aber genau deshalb treffen manche Sätze mitten ins Herz. (Michi Bartle)

Erich Mühsam: Tagebücher Band 3 1912 – 1914 (Verbrecher Verlag)
Mein Dauerbrenner. Insgesamt werden 15 Bände erscheinen. Der Anarchist ist in Band 3 noch in München und feiert ohne Ende mit Wedekind, Heinrich Mann und jeder Menge Damen – der Beweis, dass schon vor hundert Jahren was los war hier. Bislang kein einziger Synagogenbesuch verzeichnet. (Roderich Fabian)

Vladimir Sorokin: Der Schneesturm (Kiepenheuer & Witsch)
Eine leicht erzählte Groteske mit Minipferden, Wunderdrogen, Riesen und schönen Müllerinnen, die großen Spaß macht. Ein tiefsinniger Kommentar zur zeitgenössischen russischen Politik, der keinen Grund zur Hoffnung bietet. Der schönste und heftigste Schneesturm seit Puschkin und Tolstoj, der auch im Sommer Gänsehaut verursachen kann. (Katja Huber)

Andreas Stichmann: Das große Leuchten (Rowohlt)
Coming-Of-Age Geschichte und Road Novel, die Suche nach einem Mädchen und seiner Mutter im Iran, Drogenerfahrungen und Märchenelemente - ein manchmal etwas verworrener Roman mit einer sehr poetischen Sprache. (Laura Freisberg)


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