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Der Krimiautor Don Winslow King of Cool

Er ist der King of Cool der amerikanischen Kriminal-Literatur: Don Winslow. Sein Roman "Savages" wurde von Oliver Stone verfilmt. Wie man 30 Jahre War on Drugs in 10 Zeilen verpackt, erklärt er uns im Interview.

Von: Michael Bartle und Tom Kretschmer Stand: 17.10.2012
Don Winslow: Cover 'Zeit des Zorns' | Bild: Suhrkamp Verlag

Da gibt es kein Vertun: Don Winslow ist der

King

of

Cool

der amerikanischen Kriminal-Literatur.

Zum Beispiel sein Roman "Savages". Auf Deutsch: "Zeit des Zorns". Zorn über Heuchelei. Zorn über 30 Jahre War on Drugs. Zorn über vertane Chancen.

"1973 rief Nixon die Drug Enforcement Administration ins Leben und schickte Beamte nach Sinaloa runter, um den Gomeros das Handwerk zu legen. Und - das muss man sich mal reinziehen - der mexikanische Cop, der die Operation leitete, war der zweitgrößte Opiumproduzent in Sinaloa, ein wahrhaft teuflisches Genie, der sich dadurch seiner Konkurrenten entledigte. Seitdem herrscht Chaos."

Aus Zeit des Zorns, Seite 88

Winslow sitzt auf seiner Terrasse.
Winslow hat einen großartigen Blick auf die Wellen vor San Diego.
Winslow hat einen großartigen Blick auf die Abgründe dahinter.
Winslow erklärt uns, wie man es schafft, 30 Jahre War On Drugs in 10 Zeilen zu montieren.

Sprachliche Reduktion

"Ich will die Aufmerksamkeit meiner Leser auf ein einzelnes kleines Bild lenken, ein Bild, das aber größere Geschichten wachruft. Und ich habe das Gefühl, wenn dieses Bild von lauter Wörtern umzingelt ist, dann kann es nicht so wirken, wie ich mir das vorstelle. Ich will, dass der Leser an diesem Bild hängenbleibt, sich darauf konzentriert. Und außerdem: Wenn vier Worte reichen, warum sollte ich dann fünf benutzen?"

Don Winslow

Winslows Sprache: Ein knapper als Twitter ratterndes Sprechgewitter. Reduziert wie ein Haiku. Oder ein alter Rythm-'n'-Blues-Song. Verdammt schlank. Verdammt prägnant. Verdammt elegant. Ist der Mann nur ein Ästhet oder hat er auch ein Anliegen?

Not A Mexican Problem

"Was mich wirklich rasend macht, ist folgendes: Wir reden hier immer vom sogenannten mexikanischen Drogenproblem. Dabei ist es das amerikanische Drogenproblem und nicht das mexikanische. Wir nehmen die Drogen, wir kaufen sie und wir zahlen dafür. Und deswegen sind wir schuld an der entsetzlichen Gewalt in Mexiko."

Don Winslow

Don Winslow - der Mann hat Botschaften.

Der Mann hat also Botschaften. es sind nicht immer angenehme: Korruption. Drogen. Die Gier der Reichen. Wie Gut und Böse verschwimmen und dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt. Oder vielleicht doch - der Drogenbulle Dennis hat gerade sein gesamtes Wertesystem über Bord geschmissen. Er hat sich vom Kartell kaufen lassen.

"Er steht auf und fühlt sich wie immer. Was enttäuschend ist, wenn man gerade seine Seele in einem faustischen Deal verkauft hat. Du denkst doch, du würdest irgendwas merken, oder? Irgendwas? Yeah, eigentlich nicht. Er macht Kaffee, trinkt seinen Orangensaft und küsst seine Frau."

Don Winslow

Friedensfürst und Panzerfaust

In all seinen Romanen hat Winslows sein Personal fast schon comic-haft aufgetunet. Der etwas Dude-hafte und lässig schlappe Privatdetektiv Brooke Daniels und seine coole Surfergang in der Pacific-Reihe. Der Super-Gras-anbauende Weltverbesserer und Post-Hippie Ben und sein cool-knallharter Partner Chon, ein Afghanistan-Veteran. Zusammen sind sie Zitat: "Pazi und Fist", also der Friedensfürst und die Panzerfaust.

Gut: Auch Winslow schreibt nur Thriller. Pulp Fiction. Tausendmal gelesen. Aber eben nicht so. Nicht mit seinem Blick.

"Hör mal zu: Es gibt keinen 'Krieg gegen Drogen', es gibt einen Krieg gegen ganz bestimmte Drogen. Dieses Gerede vom 'War on Drugs' ist lächerlich. Schlimmer noch. Aus meiner Sicht gibt es einen rassistischen Hintergrund, denn es ist ein Krieg gegen die Drogen, die Schwarze und Hispanics konsumieren. Das Problem ist doch: Der 'War on Drugs' begann 1973. Das ist Amerikas längster Krieg und so gut wie nichts hat sich verbessert. Drogen sind heute billiger, besser und leichter zu kriegen als jemals zuvor. Der einzige Erfolg ist, dass wir aus Soziopathen Milliardäre gemacht haben."

Don Winslow

Popkulturelle Desillusion

Es hätte so schon sein können im gelobten Land. Bei Winslow scheinen sie immer wieder durch, die sexy Versprechungen der Hippie-Generation. Und immer wieder münden sie im großen, bluttiefen und dreckigen Desillusionsloch. Vielleicht hat man die Geschichte Amerikas seit den 60ern schon differenzierter gelesen als bei Winslow, dem Meister der Verknappung. Aber Winslows größtes Anliegen ist die richtige Form dafür zu finden: den großen, popkulturell getränkten, amerikanischen Krimi zu schreiben. Und das hat er geschafft.


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