Bayern 2 - Zündfunk


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Eine App für den Geldtransfer Abrakadabra, Geld ist da!

Mit Abra weltweit Geld verschicken - via Smartphone. Nach Online Banking und PayPal, wozu noch eine App? Weil man Abra auch ohne Kreditkarte und Bankkonto benutzen kann. Und das betrifft weltweit Millionen von Menschen.

Von: Florian Schairer

Stand: 20.10.2016

"Auf der Welt gibt es etwa 2,5 Milliarden Menschen, die kein Bankkonto besitzen", sagt der kanadische Autor Don Tapscott, "das meiste Geld, das in Entwicklungsländern geschickt wird, kommt nicht über Investitionen oder Entwicklungshilfe. Es sind Überweisungen aus der Diaspora: Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und Geld nach Hause zu ihren Verwandten schicken. Das macht mehr als eine Billion Dollar aus."

Zündfunk Generator: Wie die Blockchain Technologie die Welt verändern will

Hype oder Revolution? Am 30. Oktober 2016 um 22.05 Uhr auf Bayern 2. Oder hier als Podcast runterladen!

Don Tapscott hat mit seinem Sohn Alex gerade ein neues Buch veröffentlicht: "Die Blockchain Revolution – wie die Technik hinter Bitcoin nicht nur das Finanzwesen, sondern die ganze Welt verändern wird". Und darin erfährt man: Die Technik hinter Bitcoins, die Blockchain, funktioniert wie eine weltweites Kontobuch, in das sich Werte sicher eintragen und transferieren lassen - ohne eine dritte Instanz, die das bezeugen muss, also zum Beispiel Geld überweisen ohne eine Bank.

Peer-to-Peer

Bisher ging das zwar auch mit Bitcoins, aber wer hat die schon. Mit Abra soll das nun mit jeder Währung gehen und eben ganz ohne Bank, sagt Gründer Bill Barhydt: "Ich habe mir jahrelang den Kopf darüber zerbrochen, wie man Geld über eine App verschicken kann und es hat sich herausgestellt, dass das mit dem traditionellen Bankwesen unmöglich ist, erst recht für ein kleines Startup. Es ist zu teuer und zu kompliziert, weil es zu viele verschiedene Regelungen gibt. Also machen wir es wie beim Bargeld. Wir speichern das Geld nicht auf einem Bankkonto, sondern direkt auf dem Smartphone - einen digitalen Euro oder einen digitalen Dollar - und benutzen dafür diese tolle neue Blockchain-Technologie. Die konvertiert das Geld auch, wenn ich etwa von Europa Geld in die USA schicke. Und das zu einem Wechselkurs der fast so gut ist wie der offizielle Tages-Kurs."

Doch wie kriegt man das Geld dann wieder vom Handy runter? Entweder man schiebt es dann doch auf das Bankkonto oder man macht eben alles bar und lässt es sich auszahlen. Genau dafür haben wir den "Abra Kassierer" erfunden. Auch der braucht nur ein Smartphone und kann dann für sein Dorf oder in seiner Stadt zum Kassierer werden, der Bargeld auszahlt oder auf’s Handy lädt, das man dann weltweit verschicken kann.

In Manila gibt es schon heute tausende von Abra Kassierern: In den Cornerstores zwischen Zigaretten, Kaugummis und Handykarten kann man dort nun rund um die Uhr Geld hochladen oder sich auszahlen lassen - ohne Konto, ohne Kreditkarte. Abra wird in den nächsten Wochen global gelauncht. Getestet wurde die App aber bereits in den USA und den Philippinen. Dafür hatte Bill Barhydt gute Gründe: "Milliarden von Dollar - an die 25 Mrd. Dollar schicken philippinische Immigranten jährlich auf die Philippinen - das ist einer der größten Überweisungskorridore der Welt."

Digitale Banken, wo keine physischen sind

Millionen von philippinschen Männern fahren außerdem zur See, zu welcher Bank sollen die schon gehen? Oder die philippinischen Hausmädchen in den Golfstaaten, die das Haus nie verlassen dürfen. Von dort werden dann auch bald die vielen anderen Gastarbeiter aus Nepal, Bangladesch oder Indien ihr Geld zu ihren Familien schicken. Und hier zählt jeder Cent.

Natürlich kann man damit auch illegale Geschäfte bezahlen, denn in manchen Ländern bekommt man ein Handy auch ohne Ausweis und ist damit anonym. Vor allem aber umgeht der Dienst das komplizierte System der Banken und nutzt die Blockchain Technologie. Damit wird der Währungsumtausch und die Überweisung auf eine Veränderung in der Datenbank reduziert.

Das spart am Ende allen Beteiligten Zeit und Geld, Bill Barhydt: "In den letzten Monaten wurden wir auch immer wieder gefragt, ob wir nicht Flüchtlingen helfen können, Geld nach Hause zu schicken. Oft haben sie kein Konto und wenn sie Arbeit finden werden sie bar bezahlt. Dieses Geld müssen sie dann nach Hause schicken, in ein Kriegsgebiet. Aber selbst dort hat immer jemand ein billiges Smartphone mit dem man dann Geld empfangen kann. Abra wird also auch in hochentwickelten Ländern genutzt werden. Und auch von wohlhabenden Menschen: Sagen wir die Tochter ist auf Reisen und braucht Geld, dann kann man ihr das wie eine Whats App Nachricht schicken."


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