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Die Pop-Fabrik Wie Hits am Fließband entstehen

Ob Britney Spears, die Backstreet Boys, Katy Perry oder Taylor Swift - sie alle haben einem Mann viel zu verdanken: Max Martin. Der Schwede mit dem Allerweltsnamen hat einige der größten Hits der vergangenen 20 Jahre geschrieben - eine Ein-Mann-Hitfabrik.

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 12.02.2016

21 Nummer-Eins-Hits in den USA gehen auf das Konto des schwedischen Songwriters und Produzenten Max Martin. Getoppt wird er damit nur noch von den Rekordsongschreibern Paul McCartney mit 32 Nummer Eins Hits und John Lennon mit 26. In seinem Heimatland wird er dieses Jahr für seine Verdienste mit dem renommierten Polar Music Prize ausgezeichnet.

Der Song-Writer und Produzent Max Martin

Wie Max Martin arbeitet, wie seine Hits am Fließband entstehen, das hat der amerikanische Autor und Journalist John Seabrook in einem Buch beschrieben: „The Song Machine. Inside the Hitfactory“. In den alten Hitfabriken wie Motown oder Tin Pan Alley, sagt Seabrook, war Songschreiben noch sehr viel mehr Handwerk: Einer saß am Klavier und dachte sich die Melodie aus, ein anderer schrieb den Text. Hitfabriken wie die eines Max Martin, arbeiten heute natürlich ganz anders - mit Computern und nach der „Track-and-Hook“-Methode:

"Das heißt, der Produzent fängt erstmal mit einem Track an, also einem Beat und einer Klangfolge. Und dann kommt erst der Hook-Schreiber dazu, jemand, der sich Melodien zu den jeweiligen Tracks ausdenkt. Weil man viele Tracks am Computer gleichzeitig bauen kann - und sie heute auch einfach über das Internet verschicken kann – sendet man sie einfach gleichzeitig an mehrere Hook-Schreiber raus. Man kann also viele Songs in viel kürzerer Zeit produzieren. Und selbst wenn man viele Skizzen danach wieder wegwirft, scheint es eine effizientere Arbeitsweise als früher zu sein."

- John Seabrook, Autor von 'The Song Machine'

Diejenigen, die sich die Hooks ausdenken, nennt man heutzutage Topliner: sie müssen es schaffen, sich Melodien auszudenken, die den Hörer innerhalb von Sekunden kriegen. Die Hooks sind das, was bei einem Katy Perry oder Rihanna Song so im Ohr klebt. Heute, wo für Musik kaum mehr Geld ausgegeben wird, ist der Umschalt- oder Skipreflex groß.

Den Formatradio- und Chartshörer interessiert es in der Regel nicht, wer hinter dem Song steckt, sagt auch John Seabrook.

"Ich glaube gar nicht, dass viele Leute auf die Idee kommen, Rihanna würde ihre Songs selber schreiben. Und ihnen wäre es wahrscheinlich auch egal. Bei Rihanna geht’s eh um was ganz anderes: um ihre Persönlichkeit, ihr Image, wie sie aussieht, was sie anhat, was sie auf Instagram oder auf Twitter macht. Es wäre wahrscheinlich nicht mal schlimm, wenn sie gar keine Musik machen würde."

- John Seabrook, Autor von 'The Song Machine'

Viele Rihanna-Songs entstehen in sogenanten Songcamps, die es auch hier in Deutschland gibt. Wie so ein Songcamp abläuft, weiß Natascha Augustin vom Musikverlag Warner Chappell:

"Man lädt  zwischen 5 und 20 Autoren für mehrere Tage in ein Studio ein, die teilen sich dann immer in unterschiedliche Teams auf und versuchen – idealerweise in Anwesenheit des Künstlers – Songs zu schreiben. Also dem Künstler die Songs auf den Leib zu schreiben."

- Natascha Augustin

Buch-Autor John Seabrook

Romantische Vorstellungen davon wie ein Künstler alleine zuhause an seinem Song feilt, darf man im Mainstream natürlich nicht haben. Durfte man nie haben. Mehr als die Stars, die die Songs performen, muss man vielleicht die einzelnen Hitfabrikarbeiter bewundern: die Produzenten, Topliner und Texter, wie sie ihre Arbeitsteilung perfektioniert haben und das große Ganze am Ende dann funktioniert.

Also - manchmal. Denn auch wenn penibel an einem Song gebastelt wird - dass er ein Hit wird, ist damit noch lange nicht gesagt. Da spielt doch immer noch ganz viel Glück mit rein.


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