Bayern 2 - Zündfunk


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"Das Private ist beruflich" Wie geschlechtergerecht sind wir heute in den Medien?

Frauen schreiben die Nachrichten, reden übers Wetter und auch über Fußball. Gleichberechtigung in den Medien? Leider nicht wirklich: Von Print über Hörfunk zu TV und Netz herrschen in den meisten Chefredaktionen immer noch Männer.

Von: Barbara Streidl

Stand: 13.07.2016

Zweimal ist ein Shitstorm auf die Sportreporterin Claudia Neumann niedergegangen, nachdem sie für das ZDF Spiele der Fußballeuropameisterschaft kommentiert hat; danach ist sie bei der EM 2016 nicht mehr in Erscheinung getreten. Offensichtlich werden Frauen in der Männer-Domäne "Fußball-Berichterstattung" immer noch nicht von allen willkommen geheißen. Dabei sind sie heute doch längst sichtbar in den Massenmedien, mehr denn je, präsentieren die Nachrichten, sind Gegenstand von News, sitzen sogar hier und da in den Chefetagen – oder knapp davor.

"Das Bild vom Reporter, der seine Nase irgendwo hat, wo etwas passiert, wo es brennt, wo geschossen wird, wo Menschen aufeinander kommen, das ist immer männlich geprägt gewesen."

Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau

Eine Chefredakteurin steht - wie eine Bundeskanzlerin - für einen symbolischen Wert, und wenn sie dann, wie Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, auch noch feministische Werte im Sinn hat, wirkt sich das auch auf die Ausrichtung einer Zeitung aus, auf die weiblichen Stimmen in der Berichterstattung - das gefällt etwa der feministischen Linguistin Luise F. Pusch, die sich seit Jahren dafür einsetzt, Frauen und ihre Meinungen sichtbar zu machen.

Sichtbarkeit? Nicht selbstverständlich

Alexandra Borchardt, Chefin vom Dienst bei der Süddeutschen Zeitung, bemängelt die fehlenden Frauen in ihrer Zeitung. Und wenn dann mal eine Frau die Seite 3 für die SZ schreibt, fällt das den anderen auf, sagt Kathrin Buchner. Sie ist Gründungsmitglied von Pro Quote, einer Non-Profit-Organisation, die sich seit 2012 für eine 30-Prozent-Frauenquote in den Führungsetagen von Medienhäusern stark macht.

"Es gab in der SZ eine Seite 3, auf der es um die Liebesgeschichte von zwei Flüchtlingen ging: Eine Frau, die aus Syrien kam, aber schon westlich sozialisiert war, und ihr Cousin aus Syrien, der später kam, sich in sie verliebt hat, aber eine ganz traditionelle Vorstellung hat von dem, wie Liebe und Ehe und das Miteinander von Frau und Mann funktioniert. Das war von einer Frau geschrieben. Wie wir mit dem ganzen Flüchtlingsthema zurechtkommen, so ganz klein runtergebrochen, das fand ich cool."

Kathrin Buchner, Pro Quote

Die Non-Profit-Organisation Pro Quote, die Kathrin Buchner mitgegründet hat, ist ein nützliches Vehikel, aber nicht das einzige. Vera Schroeder, ehemalige Chefredakteurin von Neon und Nido, ist eine Anhängerin von Doppelspitzen in den Führungsetagen.

"Es ist gut, die Verantwortung und alle Sorgen zu teilen, eine Person zu haben, mit der man alles besprechen kann, Entscheidungen doppelt zu checken, in den Urlaub zu fahren, ohne was mitnehmen zu müssen, ohne anrufen zu müssen."

Vera Schroeder

Ein solches Modell sorgt natürlich auch für Entspannung, wenn es um die Frage von Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, ein Dauerbrennerthema bei vielen berufstätigen Frauen. Die "Skills", die Frauen zuhause mit ihren Kindern erlangen, helfen ihnen, die Zukunft der Arbeitswelt "weiblich" zu machen, sagt die Soziologin Christiane Funken in ihrem aktuellen Buch "Sheconomy": Frauen können auch als Familienmenschen durchaus berufliche Verantwortung übernehmen. Weil sie dafür bestens ausgestattet sind.


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