Bayern 2 - Zündfunk


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Was bin ich eigentlich wert? Wie mit unseren Daten Geld verdient wird

Wir werden gefilmt, getrackt, vermessen und kategorisiert und das ständig und vor allem ohne dass wir es so richtig bemerken. Nicht nur von Google, Facebook und Co, sondern auch von so scheinbar altmodischen Unternehmen, wie der guten alten Deutschen Post.

Von: Sebastian Strube

Stand: 23.08.2015

Nugg.ad heißt ein Unternehmen, das Online-Werbefirmen hier seine neuen Methoden der Kundenanalyse anpreist. Nugg.ad analysiert, wie wir uns durch die Online-Portale der großen Nachrichtenseiten wie Süddeutsche.de, Zeit.de oder bild.de, klicken. Aus diesen Daten werden Profile von uns erstellt, mit deren Hilfe entschieden wird, welche Werbung wir auf der Seite sehen. Daten über uns werden praktisch bei jedem Klick in der Online-Welt gesammelt, aber auch bei immer mehr Schritten in der Offline-Welt.

Es geht nicht um Google

Homepage der Deutschen Post Direkt

Wer jetzt glaubt, dass Nugg.ad ein total heißes New-Economy, super neues Start-Up-Unternehmen ist, der liegt allerdings falsch. Nugg.ad ist die Tochterfirma eines scheinbar ganz und gar langweiligen Unternehmens der Old-Economy, der Deutschen Post. Die Post ist einer der größten Datenhändler in Deutschland und mischt fleißig mit beim Online- und Email-Marketing.

Tochterfirmen der Deutschen Post

Eine Liste der Tochterfirmen der Post die mit Daten und Werbung ihr Geld verdienen gibt es hier.

Vor allem aber verfügt die Deutsche Post über 37 Millionen Adressen, die sie mit über einer Milliarde zusätzlichen Informationen  – vom Alter über Einkommen bis zum eigenen Auto – anreichern kann und an die Werbeindustrie verkauft. Den Handel mit den Daten übernimmt eine Tochterfirma, die Deutsche Post Direkt. Auf der Webseite der Post Direkt kann sich dann jeder die passenden Adressen mit Zusatzinformationen raussuchen.  

Homepage der Schober Group

Post Direkt ist nicht die einzige Firma, die ein solches Datenhandelsportal im Netz betreibt. Die schwäbische Firma Schober, die auch mit der Post zusammen arbeitet, bietet ihre Daten im Netz feil. Bei Schober ist die Auswahl an Zusatzinformationen nicht ganz so umfangreich, wie bei der Post. Aber auch hier wird man sicher fündig. Nach eigenen Angaben stehen der Schober Information Group 50 Millionen Adressen zu Verfügung.

Das Listenprivileg

Unsere Namen oder Adressen sind besonders sensibel. Mit denen können wir eindeutig identifiziert werden. Eigentlich darf eine Firma mit diesen Daten nur arbeiten, wenn wir unsere Einwilligung dazu geben. Doch in Deutschland gibt es das so genannte Listenprivileg. Bestimmte Daten dürfen trotzdem weitergegeben werden, auch ohne unsere Einwilligung. Das sind: Name, Adresse, Geburtsjahr, Beruf sowie eine weitere Information der Wahl.

Eigentlich sollte 2009 das Datenschutzgesetz so verändert werden, dass dieser Handel nicht mehr möglich ist. Eine Lobby aus großen Datenhändlern, Versandhändlern und auch Zeitungsverlegern brachte die Gesetzesänderung zu Fall. Und so dürfen in Deutschland weiter auch unsere Namen und Adressen gehandelt werden, ohne dass irgendjemand von uns man seine Zustimmung dafür gegeben hat.

Zusammenwachsen von On- und Offline-Tracking

Wenn man also in Deutschland über Datenschutz und -handel spricht, muss man eben nicht nur über Google, Facebook und Co. sprechen, sondern auch und vor allem über die gute alte Deutsche Post. Die Post und andere deutsche Datenhändler haben Zugriff auf einen Offline-Datenschatz von dem ein Unternehmen wie Google im Moment nur träumen kann. Und Post und Co. arbeiten hart daran, ihre Off- und Online-Aktivitäten zu verbinden, damit man uns in Zukunft noch besser über unsere Lieblingsprodukte "informieren" kann.


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