Bayern 2 - Zündfunk


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Hier anhören: Zündfunk Generator Vom Umgang islamischer Gesellschaften mit Schwulen, Lesben und Transgender

Nach dem Attentat eines IS-Sympathisanten in einem bei Schwulen und Lesben beliebten Clubs in Orlando Florida, fand die Theorie vom schwulenfeindlichen Muslim und der Unvereinbarkeit von Islam und Homosexualität den größten Zuspruch. Aber wie ist es wirklich?

Von: Shahrzad Osterer

Stand: 28.09.2017

Mit dem ersten Oktober tritt das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ in Kraft. Da könnte man doch meinen: Alles super hier, alles erreicht für Homosexuelle und Transgender. Nur: wie lange hat es gedauert, zu diesem Punkt zu kommen – und wie massiv wurden Homosexuelle noch vor wenigen Jahrzehnten angefeindet und benachteiligt.

Das alles vor Augen, wollen wir in die islamische Welt blicken, wie Schwule und Lesben dort leben. Weltweit gibt es etwa 1,8 Milliarden Muslime. Doch man kann weder innerhalb der islamischen Welt, noch im Exil von einer homogenen Gruppe sprechen. Ganz im Gegenteil. Es gibt Sunniten und Schiiten, Agnostiker und Strenggläubige. Dementsprechend gibt es ganz unterschiedliche Denkweisen über das Verhältnis der Religion zu Transgender, Lesben und Schwulen.

Egal ob verboten oder nicht verboten, Schwul-Sein ist in der islamischen Welt ein Tabu!

Die zahlreichen Staaten der islamisch-geprägten-Ländern gehen auch unterschiedlich mit Homosexualität um. In sieben islamischen Ländern, namentlich in Saudi-Arabien, Iran, Nigeria, Mauretanien, Jemen, Sudan und den Vereinigten Arabischen Emiraten, kann Homosexualität mit dem Tode bestraft werden, In 20 anderen wie zum Beispiel Libanon oder Bahrain ist sie nicht verboten. In anderen Ländern wird Homosexualität unterschiedlich bestraft. Aber egal ob verboten oder nicht verboten, Homosexualität ist in fast allen Ländern der islamischen Welt innerhalb der Gesellschaften ein Tabu. Die Diskriminierung reicht von sozialer Ächtung bis hin zur Todesstrafe per Gesetz. Dabei spielt offenbar nicht nur Religion eine Rolle, sondern auch die herrschende Kultur jenseits von Religionszugehörigkeit, Frömmigkeit und sozioökonomischem Status.

"Ich habe eine junge Frau kennengelernt, die schon in den USA gelebt hatte und dann wieder zurückkam. Sie hat mir Bücher mit lesbischen Gedichten aus den USA geschenkt. Da ist mir dann ein Licht aufgegangen. Bei uns im Studentenwohnheim habe ich die Bücher aber hinter anderen Büchern versteckt, weil ich nicht wollte, dass meine Mitbewohnerin sie sieht. Denn das einzige was ich wusste, war, dass Lesbisch-sein illegal ist. Ich habe einmal einer Lehrerin davon erzählt, und sie meinte dann, ich solle meinen Eltern nichts erzählen. Es fühlte sich an, als ob irgendwas mit mir nicht stimmte oder als ob ich eine Krankheit hätte, für die ich mich schämen sollte."

- Amahl Khouri - Jordanische Schriftstellerin und Theatermacherin


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