Bayern 2 - Zündfunk


68

“Hey hey, ho ho, Donald Trump has got to go” Warum der Widerstand gegen den US-Präsidenten so stark ist

Bald ist Donald Trump 100 Tage im Amt. Aber: Seit Tag 1 wird gegen seine Präsidentschaft demonstriert. Matthias Kolb hat den Trump-Widerstand begleitet. Was sind die Strategien gegen Trump?

Von: Matthias Kolb

Stand: 06.04.2017

Der 20. Januar 2017 ist ein besonderer Tag. Eine jubelnde Menge steht vor dem Kapitol in Washington und sieht zu, wie Donald Trump als 45. US-Präsident vereidigt wird. Der 20. Januar ist auch ein Tag der Extreme: Die Trump-Fans sind euphorisch, das restliche Amerika steht unter Schock. Auch ich fühle mich seltsam: Ich war schon in Washington, als Barack Obama Anfang 2013 zum zweiten Mal den Amtseid ablegte. Seit fünf Jahren berichte ich über die USA und während des Wahlkampfs 2016 bin ich wochenlang für die Süddeutsche Zeitung und den Zündfunk kreuz und quer durchs Land gereist. Ich verstehe die Wut der Menschen: Die Löhne stagnieren, die Reichen werden immer reicher, und Obama konnte viele Versprechen nicht erfüllen. Nun fühlen sich Millionen von Republikanern und Demokraten gleichermaßen im Stich gelassen und setzen mit Trump auf einen Außenseiter.

Was mir nicht in den Kopf will: Warum nur dieser Mann, der nie ein politisches Amt inne hatte, Lügen verbreitet und keinen Respekt vor Rechtsstaat, Pressefreiheit und Frauen hat? Vielen geht es ähnlich und so laufen am Tag nach der Vereidigung Hunderttausende beim Women's March durch Washington und zeigen, dass sie das Programm des neuen Präsidenten nicht akzeptieren.    

“Hey hey, ho ho, Donald Trump has got to go”

Die Trump-Gegner Alex Brakefield, Shea Scott und Ricardo Guerrero

Bis heute lassen die Proteste nicht nach, überall ist von Resistance die Rede. Für den Zündfunk Generator will ich herausfinden, wer diesen Widerstand gegen Trump organisiert. Die junge New Yorkerin Moumita Ahmed, die ich aus ihrer Zeit als Wahlkämpferin für Bernie Sanders kenne, hat in der Hauptstadt Washington ein „Resistance House“ eröffnet: Von hier aus sollen Protest-Aktionen organisiert werden und während großer Demonstrationen können zwei Dutzend Aktivisten dort wohnen. In Austin, der Hauptstadt von Texas, sagt mir der Ex-Soldat Shea Scott: „Was gerade in Amerikas Politik passiert, ist nicht normal – da kann ich doch nicht daheim bleiben!“ Ganz ähnlich geht es Jura-Studentin Alex Brakefield, die pro Woche mindestens zehn Stunden investiert, damit Trump möglichst wenig Schaden anrichtet:  „Ich weiß, dass ich mich schämen würde, wenn ich irgendwann zurückblicke und sagen müsste: 'Ich habe nichts getan'. Hoffentlich ist es ein kurzes Abenteuer und in vier Jahren kann ich mich in meine Blase zurückziehen.“

Aktiv gegen Trump: Moumita Ahmed

In New York treffe ich junge Intellektuelle wie Sarah Jaffe, die seit Jahren analysieren, warum es so ungerecht zugeht in den USA. Ganz klar: Diese neue Protestbewegung stützt sich auf viele Vorkämpfer. Occupy Wall Street machte 2011 Millionen klar, dass vor allem das oberste Prozent vom Wirtschaftswachstum profitiert. Nach tödlichen Schüssen auf Afroamerikaner sorgt Black Lives Matter seit 2012 dafür, dass landesweit über Polizeibrutalität und strukturellen Rassismus diskutiert wird – auch weil Aktivisten Menschenketten auf Highways bilden und Shopping-Malls blockieren. „Fight for 15“, die Kampagne für 15 Dollar Mindestlohn pro Stunde, macht kontinuierlich Fortschritte und die Präsidentschaftskandidatur des „demokratischen Sozialisten“ Bernie Sanders begeisterte vor allem junge Amerikaner. Es liegt nicht nur an Donald Trump, aber es ändert sich etwas in den USA: Plötzlich interessieren sich Tausende für ein sozialistisches Magazin wie Jacobin, das den Kapitalismus in seiner jetzigen Form in Frage stellt. Chefredakteur Bhaskar Sunkara bestätigt meine Beobachtung: Nur mit Rassismus lässt sich der Erfolg von Trump nicht erklären: „Wenn Trump von 'Make America Great Again' spricht, dann denken viele an eine Vergangenheit, in denen sie mehr Geld hatten und alles stabiler waren. Die Linke muss diese Gefühle nach Sicherheit und Gerechtigkeit endlich ernst nehmen. Man muss vielleicht sagen: „Lasst uns Amerika großartig machen“ - zum allerersten Mal.“   

Der Zündfunk Generator beschreibt, was der Protest gegen den neuen US-Präsidenten erreicht hat und wagt einen vorsichtigen Ausblick. Denn egal wie viele Menschen weltweit davon träumen, dass Trump irgendwie des Amts enthoben werden könnte – realistisch erscheint dies nicht und so brauchen die engagierten Bürger sehr viel Ausdauer und gute Strategien. 


68