Bayern 2 - Zündfunk


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Messages of Refugees: "Guter Flüchtling – schlechter Flüchtling?" Wie sich die Situation von Flüchtlingen in Deutschland verändert hat

Seit August 2015 arbeitet der Zündfunk mit jungen Geflohenen gemeinsam am Radioprojekt Messages of Refugees. Hier sollen sie ihre Stimme hörbar machen und ihre Geschichte erzählen können. Jetzt, nach zwei Jahren, ziehen wir Bilanz. Wie geht es den Refugee-Reportern heute? Wie hat sich ihre Situation und auch die Berichterstattung über sie verändert?

Von: Abid Omarkhalil und Kathi Grünhoff

Stand: 11.09.2017

Das Thema "Migration und Flüchtlinge" dominierte das fast 100 minütige TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Während Merkel zur Welt am Sonntag sagte, dass sie "alle wichtigen Entscheidungen des Jahres 2015 wieder so treffen würde", kritisierte Schulz die chaotische Lage. In Sachen Abschiebungen waren sich allerdings beide recht einig: "Jeder Einzelfall müsse geprüft werden." Doch was das genau heißt, und dass der einzelne Mensch und seine individuelle Geschichte nicht immer berücksichtigt wird, ist Thema dieser Spezialausgabe der Sendung Messages of Refugees.

Der Syrer Ameen Nasir, der einen Job und einen gesicherten Aufenthalt in Deutschland hat, schreibt über seinen afghanischen Freund Masud, der gerade seine Abschiebung in den Händen hält. Wir sprechen mit dem Kinderarzt Dr. Thomas Nowotny aus Rosenheim, der sich seit Jahren gegen Abschiebungen einsetzt und mit Zabih in Kabul, der nach Jahren plötzlich dorthin abgeschoben wurde.

Dass Suleiman Jode aus Gambia talentiert ist, sieht man hier an seiner Mode-Kollektion.

Rania Mleihi, Gründungsmitglied der Messages of Refugees lebt mittlerweile in Hannover und ist am Staatsschauspiel als Dramaturgin angestellt. Sie hat mit ihren Kolleginnen vom Theater gesprochen. Rania Mleihi ist ein so genannter "Vorzeigeflüchtling" - Suleiman Jode aus Gambia eigentlich auch: Er hat seinen Schulabschluss gemacht, fleißig deutsch gelernt und unzählige Praktika bei Modelabels absolviert, denn sein größter Wunsch ist, Modeschneider zu werden. Doch einen Ausbildungsplatz zu finden ist schwer, denn auch er soll wieder in sein Heimatland abgeschoben werden - Gambia ist zu einem sicheren Herkunftsland erklärt worden. Ist er ein "schlechter" Flüchtling und Rania eine "gute" Geflüchtete? Wie unterschiedlich wird das Wort "Flüchtling" gewertet und wie werden Chancen in Deutschland verteilt?

Die Sendung gibt's zum Runterladen beim Klick auf das Bild oben, weitere Ausgaben der Messages of Refugees hier.

Das Radioprojekt wurde 2017 ausgezeichnet mit dem Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission.

Seit August 2015 arbeiten Zündfunk-Reporterinnen und Reporter mit jungen Geflohenen gemeinsam an diesem Radioprojekt. Ziel ist es, eigene Geschichten zu erzählen, eigene Recherchen anzustrengen und gemeinsam nach Wegen der politischen Teilhabe an unserer demokratischen Öffentlichkeit zu suchen. "Messages of Refugees - Flüchtlingsbotschaften" wurde so zum ersten Flüchtlingsradio Bayerns. Es geht darum, die Stimme der Flüchtlinge hörbar zu machen, denn nur, wer gehört wird, kann sich einbringen und aktiver Teil unserer Gesellschaft werden. Es geht andererseits aber auch darum, dass die deutsche Gesellschaft die Flüchtlinge kennenlernt, die seit September 2015 die öffentliche Debatte bestimmen. Aus dem "Flüchtling" wird so ein Mensch mit konkreten Bedürfnissen, Hoffnungen, Ängsten und einer individuellen Geschichte


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